Erziehungsfragen, wir wissen was Eltern wirklich bewegt

Für Kindererziehung gibt es keinen Fahrplan

Erziehungsratgeber für Kleinkinder gibt es viele und jeder rät etwas anderes.
Schlimmer noch, manches davon scheint gar nicht umsetzbar zu sein und deckt sich absolut nicht
mit den eigenen Wertvorstellungen.
Schon vor der Geburt werden wir von der Vielzahl an Ratgebern förmlich erschlagen bis man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
Auch wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, wird es nicht besser.
Entscheidungen treffen, so viele und jeden Tag – Mama sein ist kein leichter Job!
Frau Dr. Iris Osswald-Rinner, promovierte Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin beantwortet euch eure Fragen!
Sie teil mit euch ihr geballtes Fachwissen – für jedermann verständlich aufbereitet, in spannenden Blogposts.
Hier bekommt ihr Antworten auf all eure Erziehungsfragen, Tipps und Tricks für euren Alltag die direkt umsetzbar sind.
Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum seinen eigenen Weg in Sachen Erziehung zu finden.

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By Dr. Iris Osswald-Rinner

Der Tag, an dem dein Kind in die Wildnis geht oder die Eingewöhnung

Was ist das Besondere an der Eingewöhnung in den Waldkindergarten?

Du hast dich entschieden. Es ist soweit. In deinem Kopf existieren Bilder von deinem glücklichen Kind, das mit seinem besten Kumpel tobend durch den sonnendurchfluteten Wald hüpft. An deinem inneren Auge ziehen Bilder vorbei. Sie zeigen dir lachende, mit Matsch beschmierte Gesichter, geflochtene Gänseblümchenkränze im lockigen Haar kleiner Waldfeen, abenteuerliche Lagerfeuer und hübsche Mandalas aus Mais, Blättern und Kastanien im Herbst. Soweit so gut. Du hast mit deinem Kind im Waldkindergarten hospitiert, um die Eingewöhnung vorzubereiten. Es liegt schon die erste Woche Eingewöhnung hinter dir und es fühlt sich jetzt aber irgendwie ganz anders an, als die Bilder in deinem Kopfkino?


Der Unterschied zwischen Naturbegeisterung und Pflichtveranstaltung

Du warst mit deinem Kind doch ganz oft draußen? Dein Kind ist doch den Wald gewöhnt? Jetzt geht dein Kind jeden Tag in den Wald. Jeden Tag von 7.30 Uhr bis 13.45 Uhr. Nicht wenn du Lust hast, nicht wenn das Wetter passt, nicht die Strecke, die du magst und mit Erwachsenen, die dein Kind nicht kennt. Dein Kind ist jetzt zudem noch einer von Vielen. Bisher war dein Kind ein kleiner Superstar, der auf den Arm genommen wurde, wenn er nicht mehr laufen wollte, dem das Laufrad mitgeschleppt und dem bei laufender Nase ein persönlicher Tempotaschentuchservice ans Bein geheftet wurde.  Es hatte viel frische Luft, aber nicht soviel frische Luft. Die Erfahrungen, die du und dein Kind jetzt gerade machen, entsprechen nicht den Freizeiterfahrungen, die ihr gemeinsam im Wald gemacht habt. Früher konntest du mit deinem Kind in den Wald, jetzt „muss“ dein Kind jeden Tag in den Wald. Ein Wald, in dem es auch regnet, in dem man seine „Geschäfte“ erledigen muss, in dem einem keiner den Rucksack trägt und ein Wald, in dem man sich überhaupt nicht auskennt. 

Was kannst du für dein Kind tun?

Lasse los von unrealistischen und möglicherweise hinderlichen Bildern über das Leben im Wald. Öffne dich für das was kommt. Vielleicht ist es sogar besser als deine Bilder. Mache dir klar, dass diese Phase in eurem Leben Zeit braucht. Ein Kind darf, mit diesen großen Schritten in eine neue Welt, stolpern und viel Zeit brauchen. Erzieher sind dazu da deinem Kind die bestmögliche Unterstützung anzubieten. Probiere es mit Vertrauen und Optimismus.

Der Unterschied bei der Übergabe zwischen Hauskindergarten und Waldkindergarten 

Im Hauskindergarten gibt es eine Tür. Tür auf, Kind rein, Tür zu. Dein Kind ist abgelenkt, sieht dich nicht mehr, denn die Tür ist ja zu. Im Waldkindergarten gibst du dein Kind ab, unter luftigem Himmel. Es ist so schwer sich umzudrehen, nicht mehr zurückzublicken und womöglich hörst du dein Kind weinen. Dein Kind sieht dich weggehen. Dieser Abschied ist um einiges schwerer, für alle. Die Erzieher sind gefragt, diese Situation zu gestalten, die Eltern es durchzuhalten und die Kinder diese Art der Trennung zu schaffen. Und auch die Kinder, die schon eingewöhnt sind, stehen vor der Herausforderung, solche mitunter unangenehmen Szenen auszuhalten.

Was kannst du für dein Kind tun?

Mache ihm Mut: „Du schaffst das“. Trenne deine eigenen Schmerzen, von denen deines Kindes und gib den Erziehern die Chance deinem Kind zu helfen. In all den Fällen, die ich kenne, hören die allermeisten Kinder zeitnah mit dem Weinen auf, wenn die Eltern aus dem Blickfeld sind. Mache den Abschied immer gleich: Optimistisch, kurz und einfach. Ein ständiges Nachwinken, Nachknuddeln und Nachbusseln , weil du es brauchst, erschwert deinem Kind die Loslösung.

Der Unterschied in den Ängsten der Kinder während der Eingewöhnung

Die größte Angst aller Kinder in der Eingewöhnungzeit ist: Kommt mich jemand wieder abholen? Und zwar in allen Kindergärten. Im Waldkindergarten kommen elementare Sorgen hinzu. Ich versuche es einmal mit einer Geschichte für dich: Deine Firma steckt dich von heute auf morgen in einen Dschungel. Du kennst weder den Weg rein, noch raus, du kennst auch nicht deine Kollegen und du weißt auch nichts über den Anführer der Expedition und seine Kompetenzen. Sprich: Du machst dir große Sorgen, ob der Leiter den Weg überhaupt wieder herausfindet. Dir schnallt man einen Rucksack auf, den findest du jetzt erst mal schwer. Dir wurden alle vorgestellt, einen Namen konntest du dir vor Aufregung nicht merken. Ihr stromert durch die Gegend und du musst mal. Es kommen Geräusche aus dem Dschungel, die du nicht kennst. Du hast weder Laptop, Stofftier noch Handy dabei, sondern es gibt nur Wildnis um dich herum. 

Wie würdest du dich fühlen?

Wie lange brauchst du, um dem Expeditionsleiter zu vertrauen, dass er dich sicher durch und sicher aus dem Dschungel herausführt?

Frage dich doch mal, wie viel Zeit benötigst du, bis du dir Wege merkst?

Wie lange brauchst du, bist du den Rucksack locker flockig schleppst?

Wenn du in eine neue Gruppe kommst: Wie viele Tage oder Wochen brauchst du, bis du alle Namen kennst und dich sicher fühlst?

Wie lange brauchst du, bis du „freestyle“ Pipi machen kannst oder ohne Angst vor Schlangen, Spinnen und Monstern deinen Stinker ins Waldplumpsklo machst? Kinder, sind mit drei Jahren so gerade eben sauber, oder auch noch nicht. Die Welt der Toilette ist ohnehin noch ein Mysterium. Jemanden außer Mama und Papa fragen sowieso absolut unangenehm und dann noch im Wald? Das kann Kindern echt zu schaffen machen, auch bei der besten einfühlsamsten Erzieherin.

Was kannst du für dein Kind tun? 

Dein Kind darf in der ersten Zeit mit all diesen Ängsten zu tun haben. Erzieher sind dafür da, dass diese Eingwöhnungsprozesse verträglich und für dein Kind zumutbar verlaufen. Aber: Es geht manchmal nicht ohne Tränen oder Kummer. Es wäre wunderbar du könntest das akzeptieren. Unterstütze dein Kind positiv, indem du in der Zeit der Eingewöhnung Gelassenheit ausstrahlst und deine eigenen Ängste im Griff hast. Sprich mit den Erziehern, wenn du denkst, dein Kind sei unglücklich oder überfordert.

Der Unterschied in der Eingewöhnung zwischen Drinnen und Draußen

Es kommt außerdem die Anforderung des Waldes, denn Kinder werden ja für gewöhnlich im Herbst eingewöhnt, hinzu. Der kleine Körper muss sich also erst einmal an 6,5 Stunden Outdoor, fünf Tage in der Woche gewöhnen. Das ist nicht nur eine psychische Herausforderung, sondern auch ein physische. Da ich selber dort jeden Tag arbeite, weiß ich wie müde jeden Tag Wald macht. Zwar schön müde, aber müde. Der Körper hat im Winter eine ganze Menge Arbeit damit die Körpertemperatur aufrechtzuhalten. Und nicht vergessen. Dein Kind ist 6,5 Stunden am Stück unterwegs. Da braucht man Muckis und Ausdauer. Im Gegensatz zu Hauskindergartenkindern müssen Waldkindergartenkinder eine physische Eingewöhnung absolvieren. Und das mit drei Jahren. Hut ab.  

Was kannst du für dein Kind tun?

Dein Kind braucht eine richtig gute Waldschratausstattung. Es sollte weder frieren, noch nass werden, sowie gutes Schuhwerk tragen. Es braucht eine richtig gute Brotzeit, denn dein Kind braucht mehr Energie als ein Kind im Hauskindergarten. Gerade in der Eingewöhnungszeit braucht dein Kind ausreichend Pause und Erholung daheim. Auch wenn dir nachmittags nach Wald ist. Gönne deinem Kind gerade am Anfang Pausen vom Wald und körperlicher Herausforderung. 

 

Der Unterschied in der Anforderung an dein Kind im Waldkindergarten in der Eingewöhnungszeit

Die Loslösung von daheim in eine eigene Welt ist ohnehin eine ziemliche Herausforderung für dein Kind. Aber auch eine Chance, denn es kann sich in dieser Krise als selbstwirksam und kompetent erleben. Nach dem Motto: es war ganz schön schwer, aber ich habe es geschafft. Geschafft haben bedeutet nicht: Ohne Tränen, ohne Stolpersteine, glatter Durchmarsch. Mit geschafft haben ist gemeint, dass dein Kind auch die für ihn auf den ersten Blick unangenehmen Dinge des Lebens nachhaltig meistert. Im Hauskindergarten gibt es viele Möglichkeiten, die Eingewöhnungszeit mit sehr viel Ablenkung, zum Beispiel durch Spielzeug zu mildern. In Waldkindergarten gibt es kein Spielzeug. Da gibt es Wildnis und Menschen. Dein Kind muss sich von Anfang an in sozialer Kompetenz anstrengen. Das kann mitunter ganz schön anstrengend sein. Vor allem Kinder, die von zu Hause viel Spielzeug gewöhnt sind, haben eine große Umstellung vor sich. Es gibt Kinder, die hiefür viel Zeit brauchen. Kinder, die in der sozialen Kompetenz Schwierigkeiten haben, können nicht auf Spielzeug ausweichen. Beides kann nicht nur in der Eingewöhnung, sondern auch noch darüber hinaus zu Problemen oder Chancen, je nach Sichtweise, führen. 

Was kannst du für dein Kind tun?

Einen Waldkindergarten suchen, der kompetente und den Kinder zugewandte Erzieher hat.  Gib deinem Kind die nötige Zeit und Unterstützung einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Ich glaube vielen Kindern würde es helfen, wenn Eltern es aushalten, dass nicht immer alles rund läuft und dem Kind insgesamt mehr zutrauen und damit auch mehr „zumuten“. Kinder lernen das Durchhalten von Eltern, die durchhalten. 

Und wofür alle die Mühen der Eingewöhnung?

Ich kann die von ganzem Herzen versprechen, dass sich die Eingewöhnung in den Wald lohnt. Denn der Wald ist einer der schönsten Orte, an denen dein Kind, Kind sein kann. Eines, dem seine Eltern etwas zutrauen. Ein Kind mit Lebensfreude, Durchhaltevermögen und hoher sozialer Kompetenz. Dein Kind, das nach der Kindergartenzeit noch viele Jahre in geschlossen Räumen vor sich hat.  Damit kann man nie spät genug anfangen. Und drei Jahre glückliche Kindheit im Wald sind besser als kein Jahr. 

 

Hat dir noch etwas gefehlt oder hast du Fragen. Schreibe mir einen Kommentar, ich antworte gerne. 

Dein Waldschrat Iris 

 

 

 

Wertschätzende Kommunikation, pädagogisches Qualitätsmanagement, du siehst auf dem Bild ein offenes freundliches Kind

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Wertschätzende Kommunikation – ein Leitfaden für Personal

Wertschätzende Kommunikation mit Kindern ist die Basis für die Arbeit im Kindergarten 

Kommunikation im Kindergarten ist ein heißes Eisen. Kann eine Leitung überhaupt Vorschriften machen, wie mit Kindern zu sprechen ist und wie das Personal miteinander zu sprechen hat? Darf es ein pädagogisches Qualitätsmanagement geben, das Mitarbeiter verpflichtet in einer bestimmten Art mit Kindern zu reden? Und wie erreicht Personal, das wenig Vorerfahrungen mit einer guten Kommunikation im Kindergarten hat, das erwünschte Niveau? Kinder, die in einen Kindergarten gehen, haben das Recht wertschätzend behandelt zu werden. Und Eltern haben zurecht den Anspruch ihre Kinder vertrauensvoll Tag für Tag in unsere Obhut zu geben. Wertschätzende Kommunikation mit Kindern ist zudem ein dehnbarer Begriff und immer dann Auslegungssache, wenn kein pädagogisches Qualitätsmanagement vorliegt. Das gilt auch für Waldkindergärten, in denen besondere Rahmenbedingungen vorliegen. 


Pädagogisches Qualitätsmanagement im Kindergarten – Haben Waldkindergärten das nötig?

Ja. Der Waldkindergarten hat die gleichen Aufgaben wie Hauskindergärten auch, die gleichen Probleme zwischen Menschen, mit denselben Konflikten und einen klaren Bildungs- und Erziehungsauftrag. Zudem schafft das Leben mit Kindern im Wald besondere Situationen, über die man sich möglichst geeinigt haben sollte. Wenn der eine schreit, weil er aus der Ferne sieht, dass gleich ein Stock in Richtung Gesicht fliegt, der andere mit der Glocke bimmelt und der dritte gelassen durchatmet, dann ist das für Kinder kein verlässliches Konzept. Auch die Hilfen bei Konflikten zwischen Kindern oder in der Selbstständigkeitserziehung sollten abgesprochen sein. Wann ist Gefahr im Verzug und erfordert einen „Übergriff“ und wie wird dieser kommuniziert? Über welchen Kommunikationsweg erfahren Kinder überlebenswichtige Regeln, wie „nichts vom Waldboden essen“, so dass sie nachhaltig sind? Ein Kind, das nicht wertschätzend behandelt wird und dir vertraut, wird nichts von den Dingen im Wald tun, die es unbedingt braucht, um dort sicher zu sein.

 

Pädagogisches Qualitätsmanagement ist Teamarbeit, übersichtlich und klar. 

Übersichtliche und klare Vorgaben

Du kannst über wertschätzende Kommunikation mit Kindern viel nachlesen. Alte Hasen sind sicher auch sehr geübt und erfahren auf diesem Gebiet. Und selbst ich alter Hase lerne noch jeden Tag dazu. Und die Erfahrenen tendieren dazu, da meine ich wirklich auch mich, ihre Mitarbeiter zu überfordern, weil ja alles so einfach ist. Nö. Wertschätzende Kommunikation ist schwer und will geübt sein. Besonders kniffelig: Sie ist zuerst eine Haltung und dann eine Methode und Haltung kann man Menschen schlecht lehren. Das pädagogische Qualitätsmanagement im Waldkindergarten sollte also einfach, übersichtlich und klar sein. Auch wenn es dich unter den Nägeln juckt und es noch viel mehr schöne Sachen gäbe. Dein Personal muss es ja auch umsetzen können. Und wenn du ein alter Hase bist, kannst du ja dein ganzes Repertoire Tag für Tag zeigen. Vorbild sein, ist eine gute Sache. 

Teamarbeit versus Vorlage

Eine inhaltliche und methodische Vorgabe für die Kommunikation im Kindergarten ist selten wirksam, wenn sie von oben nach unten geschieht. Im besten Fall wird es im Team entwickelt, reflektiert, korrigiert und weiterentwickelt. Wertschätzende Kommunikation kann nicht starr sein. Das ist ein Widerspruch in sich. Verbindlichkeit entsteht nicht nur durch die gemeinsame Erarbeitung, sondern auch durch Unterschrift. Alle Mitarbeiter, mich eingeschlossen, unterzeichnen gemeinsam entwickelte Vereinbarungen. Für die Einhaltung einer solchen Vereinbarung sind alle Teammitglieder eigenverantwortlich, für Korrekturen und Sanktionen die Leitung zuständig. Da Verfügungsstunden, in denen eine solche Arbeit gemacht werden kann, knapp bis gar nicht vorhanden sind, muss man vielleicht in den sauren Apfel beißen und eine Vorlage nehmen, die ungefähr passt und diese mit dem eigenen Team umarbeiten. Eine solche Vorlage kannst du hier nachlesen. Wenn du Freude an Beispielen hast, weil dir alles so theoretisch erscheint, stille deinen Durst nach Praxisbeispielen in meinem Blogbeitrag: Beispiele für erfolgreiche Kommunikation mit Kindern. 

Wertschätzende Kommunikation im Waldkindergarten Grünthal – Eine Vorlage

Wertschätzende Kommunikation fängt bei der inneren Haltung an

Jedes Kind, das zu uns in den Kindergarten kommt, hat bestimmte Fähigkeiten und Möglichkeiten. Es ist wie es ist und nicht wie irgendwer es sich vielleicht wünscht. Jedes Kind wird von uns in seiner Persönlichkeit akzeptiert und respektiert. Es ist uns bewusst, dass jedes Kind immer nach seinen Möglichkeiten agiert und versucht seine Bedürfnisse zu regulieren. Es ist unsere Aufgabe dem zu entsprechen. Kinder erhalten durch uns die Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu vertiefen und zu erweitern. 

Wir treffen den Unterschied wertfreier Annahme von Verhalten und Akzeptanz von Verhalten. Verstößt ein Kind mit seinem Verhalten zum Beispiel gegen eine Regel, wird dieses Verhalten wertfrei angenommen, aber nicht akzeptiert. 

Freundlichkeit, Gelassenheit, Klarheit und Verlässlichkeit in der Kommunikation mit Kindern ist unsere Grundhaltung. 

Es ist unsere Aufgabe einem Kind, das seine Bedürfnisse nicht befriedigen kann und deshalb sozial nicht gewünschte oder destruktive Verhaltensweisen zeigt, zu helfen eine eigenständige Lösungen zu entwickeln. 

Wir pflegen den Waldkindern gegenüber eine offene und neutrale Haltung und beobachten genau. Dies geschieht ohne Wertung und Vorurteile. 

 

Wie praktizieren wir wertschätzende Kommunikation?

Unsere Grundannahme ist es, dass Kinder über einen großen Schatz an Möglichkeiten verfügen und sie kompetent sind, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Wir konzentrieren uns in der Kommunikation mit Kindern auf Hilfestellungen, die zu einer eigenen Lösung führen. 

Wir nehmen Blickkontakt mit den Kindern auf. Wenn es möglich ist, gehen wir auf körperliche Augenhöhe mit dem Kind. 

Wir verwenden Ich-Botschaften und wenn möglich keine Du-Botschaften.

Wer trennen Person und Verhalten – Freundlich und wertschätzend zur Person, klar und konsequent gegenüber Verhalten. 

Kinder erhalten von uns eine ehrliche Rückmeldung auf ihr Verhalten und dessen Wirkung auf andere. Auch geben wir anderen Kindern hierzu die Möglichkeit.

Bei jeder Form der Kommunikation ist das Ziel die Selbstwirksamkeit und Selbstständigkeit des Kindes zu fördern. 

Wir erwarten nichts von den Kindern, was wir nicht selber können. Zum Beispiel: Auch wir sagen Danke und Bitte.

Wenn wir einen Fehler gemacht haben, entschuldigen wir uns. 

Jeder Tag ist ein neuer Tag. Gelingt ein Tag nicht besonders gut, so ist der nächste Tag eine völlig neue Chance. 

 

Mittel der Kommunikation mit Kindern

Bei Gefahr im Verzug sind Schreien und körperlicher Zugriff erlaubt, wenn damit Schlimmeres verhindert werden kann. Im Anschluss daran, sollte ein klärendes Gespräch mit dem Kind stattfinden. Auch die Eltern müssen bei der Übergabe über solche Vorfälle informiert werden. 

Wir verpflichten uns auf Hilfsmittel, die es der Gruppe leicht machen, aufmerksam zu werden z.B: Glocke auf Wanderungen. 

Wir sprechen Kinder persönlich an und nicht die ganze Gruppe, wenn nur ein Kind unaufmerksam ist.

Wenn ein Kind eine Anforderung nicht stemmen kann, weil sie eine Überforderung darstellt, passen wir die Rahmenbedingungen bzw. die Situation an. Dabei darf dem Kind nicht ein Versagen vermittelt werden. Das Kind erhält die Botschaft, dass es um eine Hilfestellung geht. 

Sanktionen sollten den Kindern, die Möglichkeit einräumen, ihr Verhalten zu reflektieren.

Jedes Kind erhält von uns Trost und Fürsorglichkeit. Auch hier werden Kinder aus der Gruppe mit einbezogen, denn es ist stets Aufgabe der Gruppe für das Wohl ihrer Mitglieder zu sorgen. 

Wir geben aktive Hilfestellungen im Umgang mit Affekten. Dies bedeutet zunächst die Affekte zu akzeptieren, dann eine Situation herzustellen, die eine Kommunikation hierüber möglich macht. 

Wir achten auf unsere Körpersprache und Wortwahl und darauf, dass wir in einem guten Kontakt mit den Kindern stehen. Auch Humor und Wortspiele sind erlaubt. 

Wir sprechen deutlich und klar. 

Wir achten bei der Vermittlung von Regeln auf kindgerechte Formulierungen, die einprägsam sind. Regeln werden nicht über Sanktionen und Verbote vermittelt, sondern in Kinderkonferenzen erarbeitet. 

Das „Petzen“ von Kindern wird nicht bewertet. Wir verpflichten uns die Situation wahrzunehmen, zu interpretieren und angemessen zu reagieren. Die Vielfalt des „Petzens“ und die dahinter stehenden verschiedenen Situationen verlangen uns ab, situativ zu entscheiden, was eine angemessene Reaktion ist. 

Regeln für das Personal im Umgang miteinander vor Kindern

Wir verpflichten uns in Anwesenheit der Kinder nicht über andere Kinder oder Eltern zu sprechen.

Wir verpflichten uns das Handy nur in den davor vorgesehenen Pausen zu benutzen. Geht ein Anruf bei der Leitung ein, so geht diese zum Telefonieren außer Hörweite der Kinder. 

Gegenseitige Korrekturen oder Kritik sind in Anwesenheit von Kindern nicht gestattet. Ausnahme: Korrekturen bei Gefahr im Verzug sind erforderlich. 

Diese Regeln gelten auch für Besucher.

 

Was ist nicht erlaubt?

Alle Arten von Wertungen und Zuschreibungen. Beispiele: „Sei brav, du bist brav, du bist ein Zappelphilipp, nie schaffst du das“

 

Wie kann es Personal schaffen, diesen Ansprüchen gerecht zu werden?

Üben. Noch mehr üben. Dauernd üben. Am besten es gibt schon jemanden in deinem Waldkindergarten, der es vormacht und dir hilft. Daran kannst du erkennen, ob derjenige selber wertschätzend kommunizieren kann, wenn er es schafft dich wohlwollend zu korrigieren. Freundlich zu dir, klar in der Sache. Übe zu Hause, übe beim Einkaufen, übe in deiner Familie. Fehler sind erlaubt, wenn du aus ihnen lernst. Wenn du an deiner inneren Haltung arbeiten möchtest oder dich mit dem Thema beschäftigen willst, gibt es eine Menge guter Literatur und auch Fortbildungen, die dich hierin unterstützten. Einige Hinweise findest du zum Beispiel bei Barbara Leitner. Wer sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, dem kann ich folgendes Buch empfehlen:

 

Fehlt dir eine wichtige Information oder hast du Fragen? Ich freue mich über deinen Kommentar und antworte dir gerne.

Dein Waldschrat Iris

 

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Selbständigkeitserziehung, das kann ich schon selber, Du siehst wie ein Kind von Frau Dr. Iris Osswald-Rinner untersützt wird Dinge selber zu machen. Das kann ich schon alleine ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Du kannst sehen wie ein Kind selber seine Brotzeit herrichtet.

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Selbständigkeitserziehung im Kindergartenalter

In Selbständigkeitserziehung investieren oder deinem Kind zur Abiturprüfung die Schultasche packen?

Mein Sohn ist neun Jahre alt. Ich richte ihm jeden Morgen die Brotzeit her, sowie für den Rest der Familie inklusive meiner Vierbeiner. Im Paralleluniversum meines Mannes spielt sich ähnliches ab: Trinkflaschen und Frühstück für alle klar machen, Brotzeiten in die Taschen räumen. Unterdessen schlafen unsere Kinder friedlich in ihren Betten und unser Aupair natürlich auch. Neulich schmierte ich die Butter so vor mich hin und dachte: „An welcher Stelle ist der Zug eigentlich in Sachen Selbständigkeitserziehung bei unserer Familie abgefahren?“. Ein paar Züge fielen mir ein.  Die Schultasche meines Sohnes sieht aus wie eine Mülldeponie und ich erinnere ihn immer noch ans Zähneputzen. Jetzt stelle ich mir vor wie er sich selber eine Brotzeit macht. Das belebt meine Phantasie: Küchenverwüstung, Schokolade und Käse in der Brotzeitbox, 24 Mal den Satz: „Konzentriere dich auf die Brotzeit, der Schulbus kommt gleich.“ Ne dachte ich: „Lieber schmiere ich Butter für alle auf alles.“ Falsch gedacht. Dein Kind ist ein Kindergartenkind. Noch ist nichts verloren. Nimm dir die Zeit für Selbständigkeitserziehung, damit du irgendwann zwischen dem Abitur und dem Diplom deines Kindes aufhören kannst deinem Kind die Schultasche zu packen. 


Wie schaffst du dir Platz in deinem Alltag für die Selbständigkeitserziehung?

Dein Kind hat eine Menge zu lernen. Selber anziehen, selber essen, selber Zähne putzen, selber, selber und selber. Ich kann das schon alleine ist der beliebteste Satz bei Kindern. Kannst du deinem Kind das alles gleichzeitig beibringen? Eher nicht. Selbständigkeitserziehung erfordert Zeit und eine bestimmte Reihenfolge. Und damit es für dein Kind eine Herausforderung und keine Überforderung wird, braucht es ein überschaubares Maß sowie Konzentration auf eine Sache. Wenn du deinem Kind nach dem Lesen des Artikels ab sofort beibringen möchtest, wie man sich selber einen Reißverschluss auf- und zumacht, sich eigenhändig den Po sauber abwischt, sich die Zähne blitze blank putzt, sich selbständig an- und auszieht, sich alleine den Kindergartenrucksack packt und das Zimmer picobello aufräumt dann solltest du zu Beginn deines Vorhabens deinen Job kündigen. Denn dir wird recht bald deine Zeit und Puste ausgehen. Wenn du dein Kind unterstützen möchtest, brauchst du Zeit und Kraft. Hier gibt es einen einfachen Tipp. Baue die Mission ich kann das schon alleine in deinen Alltag ein und gib den Baustellen eine Reihenfolge.

Die Mission ich kann das schon alleine –  eine besondere Form der Fürsorge

Wenn dein Kind etwas alleine schafft, braucht es dich nicht mehr. Zumindest nicht in dieser Angelegenheit. Nicht gebraucht zu werden ist für die meisten Menschen ein unangenehmes Gefühl. Selbstständigkeitserziehung ist quasi der gerade Weg in die Unabhängigkeit deines Kindes. Wenn du deinem Kind Liebe zeigen willst dann kannst du ihm alles abnehmen, so  lange es geht. Dieser Weg ist leicht, du bekommst jedes Mal direkt ein tolles Gefühl und er ist konfliktarm. Außerdem spart es Zeit. Wenn du dein Kind unterstützt seine täglichen Angelegenheiten selber zu können, wird es dich erst sehr viel später dafür lieben. Und die Zeitersparnis kommt auch erst am Sankt-Nimmerleins-Tag.  Zwei Arten der Fürsorge mit unterschiedlichem Ergebnis. Hier mein Tipp: Wenn du auf das unmittelbare Gefühl gebraucht zu werden verzichten kannst, ist das eine gute Voraussetzung. Dein Kind spürt deine Abhängigkeit von diesem Gefühl und wird sich entsprechend verhalten. Denn es liebt dich ja und will dir etwas Gutes tun.

Selbständigkeitserziehung – Schritt für Schritt dein Kind unterstützen

Stell dir vor ich gebe dir eine Profi-Nähmaschine mit Bedienungsanleitung. Ich erkläre dir einmal wie man sie bedient und damit eine Hose näht. Dann erwarte ich von dir ab sofort täglich die Produktion einer verkaufsfähigen Hose. So geht es vielen Kindern, wenn die sich den Po selber abwischen oder ihr Zimmer aufräumen sollen. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass diese für dich einfach erscheinenden Tätigkeiten für Kinder komplexe Vorgänge sind. Je umfangreicher, desto länger brauchen Kinder Abläufe und Routinen zu entwickeln. Ich werde dir an einem Beispiel zeigen, wie du dein Kind unterstützen kannst. Ich wähle das Beispiel vom Kindergartenrucksack (du kannst den Ablauf auf fast alle Lernfelder übertragen) nicht uneigennützig. Denn die Selbständigkeitserziehung mache ich täglich für die 20 Kinder im Waldkindergarten. Ich könnte hierbei echte Hilfe von den Eltern brauchen. 

Schritt 1: Gemeinsam einkaufen

Gemeinsam einen Kindergartenrucksack mit deinem Kind kaufen. Vorfreude ist die schönste Freude. Sich auf den Kindergarten gemeinsam vorzubereiten macht allen Spaß. Außerdem muss ja beim Kindergartenrucksack alles stimmen. Wenn dein Kind dabei ist, kannst du den passenden für die Größe deines Kindes finden und es hat Anteil am Geschehen. Dein Kind wird deutlich motivierter sein, wenn es dabei war und schon  mitbekommen  hat, wie wichtig die vielen Details bei seinem Rucksack sind. Was du beim Rucksackkauf beachten solltest, kannst du in meinem Beitrag Kindergartenrucksack Leitfaden nachlesen. 

Schritt 2: Vormachen

Jeden Tag packst du für dein Kind den Kindergartenrucksack. Das ist ein guter Anfang für deine Mission ich kann das schon alleine. Lass dein Kind dabei zuschauen und kommentiere deine Handlungen. „Schau hierher kommt die Trinkflasche weil…., jetzt nehme ich die Brotzeitbox und lege sie hierhin…“. Bei Aufsetzen machst du es genau so. „Jetzt erst einen Arm, dann den anderen, ich stelle dir jetzt die Träger ein, damit der Rucksack richtig sitzt….“. Mache hieraus keine Lehrveranstaltung, sondern eher ein Selbstgespräch.

Schritt 3: Fragen

Eines Morgens dann, fragst du mitten drin. „Was muss ich denn jetzt als nächstes machen?“,   oder „Du kennst dich ja schon aus, wo kommt die Trinkflasche hin?“, es geht auch „Wie heißt das Ding hier nochmal und wo kommt es hin?“ Stelle dich einfach ein bisschen dumm. Kinder freuen sich, wenn sie etwas besser wissen als ihre Eltern. Auch schon im Kindergartenalter.

Schritt 4: Helfen lassen

„Kannst du mir schon mal die Brotzeitdose geben?“, „Ich brauche mal ein Band vom Brustband von dir, dann stecke ich die andere Seite in die Schnalle“. „Schau mal, ich halte dir den Gurt hin, du kannst mir helfen und schon mal einen Arm reinstecken.“ Sich helfen lassen bzw. um Hilfe bitten, öffnet Türen und motiviert zur Handlung. „Mach dies und mach das“ hört niemand gerne. Da stellen sich Ohren bei Kindern gerne auf Durchzug. 

Schritt 5: Mit Unterstützung selber machen lassen

Wenn du  das Gefühl hast, dein Kind hat die Reihenfolge der Abläufe abgespeichert und alle Handgriffe geübt ist es soweit. Jetzt lasse dein Kind den Rucksack selber packen, ihn selber aufsetzen und auch das Auspacken sowie Ablegen vom Rucksack kann es jetzt selber organisieren. Du kannst dein Kind unterstützen, indem du ihm zur Hand gehst. „Was kommt als nächstes?“, wenn es nicht weiter weiß. Den Rucksack hinten anheben, wenn das Aufsetzen noch hakelt. Kleine Handgriffe, die deinem Kind helfen es selber zu machen. Bitte übe keine Kritik, sondern motiviere dein Kind. Plane die Zeit ein, die es dafür braucht.

Schritt 6: Ich kann das schon alleine

Baue die Hilfen zügig ab. Du kannst deinem Kind rückmelden: „Du kannst das schon alleine. Da bin ich sicher. Dieses mal schaffst du das auch“. Der Erfolg ist bereits die Belohnung. Etwas selber zu schaffen, ist ein tolles Gefühl. Wenn du deinem Kind eine Belohnung in Aussicht stellst, lernt es Dinge nicht um ihrer selbst willen, sondern um einer Belohnung willen. Es erkennt nicht den Eigenwert der Autonomie. Lob geht immer. Aber: Mache keinen Staatsakt daraus, denn dann denkt dein Kind, dass es ein Wunder ist den Rucksack alleine packen zu können. Kinder, die dauernd denken, dass sie was wunderbares leisten und außergewöhnliche Dinge schaffen, sind für ihre Umwelt auf lange Sicht anstrengend. Lasse dir die Luft für Applaus, wenn dein Kind wirklich etwas Außergewöhnliches macht. 

Entscheide selber welche Bereiche du für dein Kind wichtig findest

Du denkst jetzt sicher: „Wenn die Iris weiß wie es geht, warum kann ihr Sohn dann keine Schultasche packen oder sich eine Brotzeit herrichten?“ Ich habe Prioritäten gesetzt. Mir waren andere Bereiche der Selbständigkeitserziehung wichtiger und ich kann selber meine Tasche nicht ordentlich packen. Mir ist es auch nicht wichtig. Ich kann dafür viele andere Sachen und meine Kinder auch. Was die Brotzeit anbelangt, so wird Sohnemann ab nächster Woche früher aufstehen müssen und mit mir gemeinsam die Brotzeit für alle herrichten lernen. Mit 9 Jahren wird es Zeit und er hat schon soviel über gesunde Ernährung gelernt und seit seiner Kindergartenzeit tolle Brotzeiten dabei gehabt. Er kann mitten in den Schritt 4 Helfen lassen eintauchen. In Sachen Schultasche sind wir über Schritt 2 noch nicht hinaus. Tipp: Setze Prioritäten. Zeige deinem Kind, was du selber wichtig findest und was du kannst. Bedenke dabei immer die langfristigen Konsequenzen. 

Selbständigkeitserziehung zusammen gefasst

♥ Nehme dir immer eine Sache vor, die aktuell ist und in deinen Alltag passt

♥ Arbeite bei einem Kindergartenkind in kleinen Schritten

♥ Beginne bei dem, was dein Kind schon kann

♥ Dein Kind braucht Zeit die Dinge zu üben

♥ Wenn dein Kind überfordert ist, gehe bis zu dem Schritt zurück, den es gut beherrschte

Ich kann das schon alleine ist die Belohnung. Du brauchst keine zusätzliche Belohnung

Setze Prioritäten 

Wenn du Fragen oder Anregungen zu dem Thema Selbständigkeitserziehung hast, nur zu. Schreibe einen Kommentar oder per Email. Ich antworte gerne. 

Dein Waldschrat Iris 

 

 

Inklusion Kind liegt mit seiner Wange auf einem Biberfell und genießt den Kontakt

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Inklusion im Waldkindergarten- das Richtige für dein Kind?

Du wünschst dir für dein Kind das Beste und du fragst dich ob Inklusion im Waldkindergarten möglich ist? 

In meinem Waldkindergarten stellt sich immer wieder die Frage nach der Aufnahme von Kindern mit besonderem Förderbedarf. Ich treffe häufig auf engagierte Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen. Nur was ist das Beste? Wie lassen sich die Wünsche realisieren? Darf bzw. kann ein Waldkindergarten überhaupt Kinder mit Förderbedarf aufnehmen? Wenn ja: wann ist Inklusion sinnvoll? Schon mal vorweg: Es gibt mehrere Antworten auf die Fragen.


Was ist rechtliche Grundlage für Inklusion?

Der von dir ausgesuchte Waldkindergarten sollte in seiner Betriebserlaubnis die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf verankert haben. Diese wird ja von den Jugendämtern aus gutem Grund für jeden Kindergarten speziell erteilt. Eine der wichtigsten Auflagen ist zum Beispiel, um wie viele Plätze die Gruppe zu Gunsten eines Kindes mit Förderbedarf, reduziert werden muss. Wenn du dein Kind in einen Waldkindergarten geben möchtest, kannst du diese Frage vorab klären. Sicher findest du solche Angaben zur Inklusion auf der Homepage oder in der veröffentlichten Konzeption.

Die 10 wichtigsten Fragen, die du dir vorher stellen solltest

Alle Kinder, die mir je als Kind mit Förderbedarf vorgestellt wurden, haben sehr unterschiedliche Bedürfnislagen und Ausgangsvoraussetzungen mitgebracht. Es ist also immer eine Einzelfallentscheidung ob Inklusion sinnvoll ist oder nicht. Folgende Fragen kannst du dir im Vorfeld beantworten, denn du kennst dein Kind am besten, bevor du den nächsten Schritt gehst:

Ist dein Kind körperlich eingeschränkt? Und wenn ja: Kann es die Besonderheiten, die im Waldkindergarten vorliegen stemmen? Dies ist zum Beispiel nicht der Fall wenn die Bewegungsmöglichkeit stark eingeschränkt ist.

Läuft dein Kind gerne weg, weil es ein Gottvertrauen in die Welt hat? Sprich: Hattest du in den ersten Lebensjahren deines Kindes große Probleme damit dein Kind im Auge zu behalten? Wenn ja ist ein Waldkindergarten eher schwierig

Gibt es überhaupt schon eine „Diagnose“? Denn diese ist immer Voraussetzung zur Anerkennung eines Förderbedarfs.

Ist dein Kind in der Lage Bedürfnisse zu äußern und Regeln zu beachten? Denn beides ist eine Grundvoraussetzung für Waldtauglichkeit. Ein Kind, das sein Frieren nicht verständlich mitteilen oder die Waldregeln auf Dauer nicht einhalten kann, ist gefährdet.

Welche Art von Förderbedarf hat dein Kind? Und was glaubst du kann der Waldkindergarten mit seinen Besonderheiten zu der Entwicklung deines Kindes beitragen (zum Beispiel  bei Wahrnehmungsstörungen eine geräuscharme Umgebung oder eine kleine Gruppe)? Schreibe dir die drei wichtigsten Bedürfnisse auf.

Kannst du die Therapien, die dein Kind benötigt, außerhalb der Betreuungszeit im Waldkindergarten anbieten?

Ist dein Kind gerne draußen? Wenn ja, woran merkst du das und wie oft seid ihr draußen? Seid ihr auch im Winter draußen?

Hast du euren Kinderarzt oder möglichen Therapeuten schon um Rat gebeten? Wenn nicht, kann ich dir empfehlen auch deren Meinung einzuholen.

Hast du Alternativen in deiner Umgebung schon geprüft? Mache eine Liste was für und was gegen den Waldkindergarten und die Alternativen spricht.

Wie viel Eigenaktivität zeigt dein Kind? Der Wald erfordert von den Kindern ein hohes Maß an Eigenaktivität (es gibt ja kein Spielzeug, keinen ausgestatteten Raum und auch keine Angebote, die dein Kind rund um die Uhr beschäftigen).

Die 10 wichtigsten Fragen zur Inklusion, die du dem Waldkindergarten stellen solltest

Hat der Waldkindergarten eine Betriebserlaubnis für Kinder mit Förderbedarf?

Wird die Gruppe reduziert wenn dein Kind kommt?

Welchen Personalschlüssel (dieser sagt aus, wie viele Betreuungsstunden auf ein Kind entfallen) hat der Waldkindergarten und wie wird dieser konkret für dein Kind (denn dies hat ja Anspruch auf mehr Betreuungsstunden und sollte deshalb nicht einfach so mitlaufen) umgesetzt?

Wie ist die Zusammenarbeit mit Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf im Waldkindergarten geregelt?

Wie sind die Qualifikationen des Personals? Und eigenen sich diese zur Betreuung deines Kindes? Haben sie Erfahrung mit förderbedürftigen Kindern?

Welche Hilfen bietet dir der Waldkindergarten in der Beantragung des Förderbedarfs und der Zusammenarbeit mit den Behörden an?

Welche besonderen Angebote hat der Waldkindergarten, die die Förderung und Entwicklung deines Kindes unterstützen?

Wie wird die Akzeptanz von förderbedürftigen Kindern in der Gruppe unterstützt?

Welche Methoden und Kompetenzen haben die Erzieher zum Beispiel für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten?

Wie ist der Waldkindergarten ausgestattet? Und gibt es hierin Vor- bzw. Nachteile für dein Kind?

Wann ist ein Waldkindergarten der richtige Ort für ein Kind mit Förderbedarf?

Wenn alle Fragen geklärt sind, ist der beste Weg es herauszufinden ein paar Probetage mit dem Waldkindergarten zu vereinbaren. Hier kannst du dein Kind und die Erzieher miteinander erleben und herausfinden, ob eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Auch die Erzieher haben so die Möglichkeit zu beurteilen ob sie sich dein Kind im Waldkindergarten vorstellen können. Es gibt Kinder, die unglaublich von der Ruhe des Waldes und den kleinen Gruppen profitieren.  Einige können das Konzept ohne Spielzeug und mit naturpädagogischen Angeboten für sich nutzen. Vor allem Kinder mit Wahrnehmungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, sowie mit leichter oder mittelgradiger geistiger Behinderung können im Wald mitunter einen guten Ort der Entwicklung finden. Inklusion im Wald kann gelingen wenn alle Beteiligten gut zusammen arbeiten. Das gilt allerdings nicht nur für alle Kindergärten. 

Verschiedene Wege der Inklusion sind möglich 

Und es ist ja nicht aller Tage Abend. So mancher geht nach zwei Jahren Wald das letzte Jahr in einen Förderkindergarten. Wieder andere bleiben sogar ein Jahr länger, bevor sie in die Schule gehen. Andere gehen von vorneherein lieber in einen ganztägig organisierten Kindergarten, weil zahlreiche Therapien erforderlich sind, die die Eltern in ihrer Freizeit nicht sinnvoll stemmen können. Für welchen Weg du dich auch immer entscheidest. Treffe die Wahl bitte überlegt und immer im Sinne deines Kindes.

Wenn du schon Erfahrungen mit deinem Kind im Waldkindergarten gemacht oder Fragen hast freue ich mich über deine Rückmeldung im Kommentar. Ich antworte dir.

Dein Waldschrat Iris

 

 

 

 

Du siehst ein Kind, das sich eine nKorb über den Kopf gestülpt hat

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Und täglich grüßt das Schuldmurmeltier – Warum Schuld sich gewohnt anfühlt und warum ich sie im Waldkindergarten abschaffe

Du bist schuld! Ich bin nicht schuld! Der ist aber schuld! Wer hat schuld? Der hat angefangen! Dann habe ich…! Ich habe gehauen, weil der zuerst die Zunge raus gestreckt hat! Die Kategorie Schuld ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Als hätten unsere Waldkinder sie im Rucksack, direkt neben der Brotzeitdose links. Rucksäcke sind so verdammt schwer und mit Schuld beladen auch wenig nützlich zur Lösung von Konflikten. Warum?


Die Suche nach dem Schuldigen ist immer ein graben rückwärts ohne je am Erdmittelpunkt anzulangen

Theo schlägt Hans, weil der ihn Blödmann genannt hat. Hans hat Theo Blödmann genannt, weil der ihn heute Morgen auf den Fuß getreten ist. Theo hat Hans auf den Fuß getreten, weil Hans gestern geschubst hat. Der hat gestern geschubst, weil er von seinem Bruder daheim geschubst wurde. Der Bruder daheim hat geschubst, weil seine Mutter ihm wegen einer 5 in Mathe eine lautstarke Predigt gehalten hat. Die Mutter war lautstark, weil der Vater den Müll nicht rausbrachte und sie sich geärgert hat. Der Vater bringt nie den Müll raus, denn er musste als Kind immer schon den Müll rausbringen. Ja und irgendwann sind wir dann bei Adam, Eva und dem Apfel angelangt. Und jetzt? Bekommt Eva die Auszeit oder Theo?

Theo bekommt die Auszeit, egal was zuvor geschah

Denn: Schlagen gehört nicht zu den erlaubten Mitteln der Auseinandersetzung im Kindergarten. Die Auszeit ist aufzufassen als eine Zeit zum Besinnen, runter kommen, überlegen. In den allermeisten Fällen schicke ich die Kinder mit einer, nämlich ihrer Frage, je nach Situation, in die Auszeit. An welcher Stelle hättest du etwas anders machen können? Was hättest du anders machen können? Wie kannst du das wieder gut machen? Wie geht es jetzt besser weiter? Wann und wie hätte der andere merken können, dass du dich ärgerst?

Kann und soll ein Pädagoge Schuld überhaupt rekonstruieren?

Nein. Er müsste dann ja alle Kommunikationsprozesse aller Kinder zu allen Zeiten in gleicher Qualität mitbekommen. So eine Art Big Brother für Kinder.

  • Erstens: in der sozialen Realität nicht machbar.
  • Zweitens: Auch für Kinder eher eine Zumutung als eine fruchtbare Situation, denn die haben ein Recht auf Zeiten ohne Lauschangriff.
  • Drittens: Er müsste dann, um die Schuldfrage bis Eva zurückzuverfolgen, ein Elefanten(horden)gedächtnis haben.
  • Viertens: Er müsste richten. Ein Urteil sprechen. Eher ein Gebiet, das der Juristerei zufällt.

Die Kuschelpädagogik ist das schnuckelige Kleid der Schuld

Wir sollten alle gut miteinander auskommen, uns an Regeln halten, es sollte Gerecht zugehen, wir haben uns alle lieb, es gibt Gut und Böse. Und es sollte sich am besten alles kuschelig anfühlen und wer die Waltons-Atmopshäre stört, wird sanktioniert. Der ist Schuld. „Gute Nacht John Boy“. Kinder verhalten sich aber so ganz und gar nicht wie die Waltons.  Wer schon einmal auf einem Spielplatz den Kindern beim Spielen und den Eltern beim Eingreifen zugeschaut hat weiß: dort spielen sich ganze zivilrechtliche Prozesse ab. Alle Seiten werden angehört, Zeugen befragt, Anwälte halten Plädoyers,  es gibt Verhandlungsunterbrechungen, in denen sich die Anwälte mit Außenposten via Whatsapp beraten. Sie enden mit einem klaren rekonstruierten Schuldigen. Der kriegt im schlimmsten Fall einen Platzverweis und muss in irgendeiner Art Buße tun.  Das Wort Ent-schuldigung sagt es ja bereits.  Kinder üben Streit, Eltern üben Richter. Kinder lernen dann nicht streiten, sondern Schuld. Wer haut, zündelt, spuckt oder tritt statt kuschelt, dem wird der Prozess gemacht.  Basta. (PS: Die Waltons ist eine US-amerikanische Familienserie, die  Leben einer Großfamilie  beschreibt.)

Die Resonanzpädagogik ist er Altkleidersack für das schnuckelige Kleid

Wir gestalten den Rahmen des Kindergartens so, dass Kinder hierin geschützt streiten üben dürfen. Konflikte sind wichtig. Die darin vorkommenden Gefühle, wie Macht und Ohnmacht, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Wut und Ärger, sich Einsetzen für eigene und fremde Belange sollten sein. Konflikte bringen Lösungen hervor, öffnen den Blick nach vorne. Kinder sind nicht qua Geburt gerecht oder ungerecht. Moral und einen Sinn für Regeln entwickelt sich erst in der sozialen Realität mit anderen. Und die ist mitunter nicht immer nur angenehm in der lebendigen Kommunikation. Und die wird geübt, geübt, geübt. Lebendig bedeutet: sie trägt Unwägbarkeiten in sich, sie ist dynamisch, es geht auch einiges schief, sie lässt Fehlverhalten zu, sie reflektiert, sie lässt Luft für kreative Lösungen, sie schaut nach vorne und nicht zurück, sie sucht nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen, zielt auf Resonanz und nicht auf Harmonie. Der Pädagoge ist Teil des Geschehens, dynamisch, eigenverantwortlich und in wertschätzender Kommunikation mit den Kindern. Er gräbt nicht zum Erdmittelpunkt, sondern gibt Hilfen und Impulse, er hat Humor und einen Draht zu den Kindern, er schützt vor Unzumutbarkeiten und ist Vorbild im eigenen Streitverhalten. Er hat ein aufrichtiges Interesse daran von Kindern zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Er hält Streit aus und wägt Interventionen gut ab. Regelverstöße sind nichts weiter als Regelverstöße. Sie haben nichts mit dem Gefühl Schuld, gut oder böse gemein.

Und täglich grüßt das andere Murmeltier

Jeden Tag legen wir neben die Brotzeitdose links einen Fingerhut voll Resonanz. Die ist nämlich so leicht wie Helium. Irgendwann dann wird der Rucksack leichter und die Schuld geht auf irgendeiner unserer Wanderungsbewegungen durch den Wald verloren. Und wer Lust hat, Konflikte bis zu Adam und Eva zurückzuverfolgen kann sie mit nach Hause nehmen und dort mit der Familie, mit den Nachbarn, dem Chef, den Arbeitskollegen, den Radelfahrern, Hundebesitzern oder sonstwem gemeinsam hegen und pflegen. Wer keine Lust hat ist herzlich eingeladen von unseren Waldkindern zu lernen, denn die haben das schon richtig gut drauf mit dem Streiten und der Resonanz.

Dein Waldschrat Iris

Wie denkst du über das Thema Schuld im Kindergarten? 

 

 

Kindergarten hier Kinder draußen

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Dein Kind will nicht in den Kindergarten – Was du tun kannst und was Kinder dazu sagen

„Ich will nicht in den Kindergarten“ – Dieser Satz ist wie eine Sirene, die Feuerwehreltern ausrücken lässt. Fehlalarm oder Großeinsatz? Eltern machen sich immer wieder Sorgen. Und auch wir Erzieher sind nicht immun. Jeder wünscht sich freudig, trällernde Kids die strahlend jeden Morgen sagen „Wie schön, das ich in den Kindergarten gehen kann“. Das ist jedoch mehr ein Wunsch als soziale Realität. Warum? Das erfährst du hier: 


Der Beginn einer (R)evolution

Gleich vorweg. Dies ist der Anfang einer niemals endenden (R)evolution. Das Eltern-Kind-Verhältnis ist ein Leben lang geprägt durch „ich will  und ich will nicht. Es geht nach dem Kindergarten weiter und zwar ungefähr so: „Ich will nicht in die Schule“ , „ich will länger aufbleiben“, „ich will keine Hausaufgaben machen“, „ich will nicht mit zur Oma“, „ich will diese Jeans nicht anziehen – ich will diesen kurzen Rock hier“, „ich will nicht mit euch in den Urlaub fahren, ich will mit meinem Freund fahren, denn ich bin mit meinen 15 Jahre schon erwachsen“, „ich will nicht studieren, und schon gar nicht das, was mir alle empfehlen“, „ich will dein gebrauchtes Auto nicht, ich kaufe selber eins“usw. Also am besten jetzt schon einmal üben, denn es wird nicht besser.

Das Hier und Jetzt

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie müssen vieles noch lernen. Einiges davon sollten wir Erwachsene auch von ihnen wieder zurück erlernen. Wenn es für Kinder im Hier und Jetzt passt, dann können sie sich oft nicht vorstellen, dass es woanders auch gut oder besser sein soll. Das trainieren wir ja alle erst im Laufe des Lebens. Ein Erwachsener ist in der Lage für ferne Ziele viele Opfer zu bringen, weil sie sich vorstellen können, was dann „besser“ ist.  Kinder finden es morgens zu Haus gut. Warum sollten sie das „Jetzt“ hinter sich lassen für das ferne Ziel Freunde im Kindergarten zu treffen? Umgekehrt: Unsere Rückwege aus dem Wald heraus sind sehr zäh, weil kein Kind „jetzt“ heim will, denn „hier“ ist es schön. Wir schieben solange an, bis sie die Eltern am Abholplatz erblicken. Wenn die Mama gesehen wird, ist sie wieder im Bewusstsein. Im Hier und Jetzt. Eine unglaubliche Fähigkeit, die es den Kindern ermöglicht sich auf den Moment zu konzentrieren und ihn voll auszuschöpfen. Aber auch recht schwierig, wenn es darum geht Kinder für das „später“ oder „gleich“ zu motivieren.

Kindergarten ist manchmal nicht nur Spaß

Im Kindergarten warten viele Herausforderungen auf eure Kinder. Manchmal sind diese gar nicht spaßig. Es gibt soziale Konflikte, kalte Jahreszeiten, Auszeiten, „doofe“ Regeln, Langeweile, ein Fingerspiel, das man sich irgendwie nicht merken kann, eine Erzieherin mit Mundgeruch, einen Freund, der gesagt hat, die Jacke findet er doof, usw. Sprich: Kinder haben unendlich viele Gelegenheiten innerhalb ihrer Gleichaltrigengruppe wichtige Dinge zu lernen und auch mit Problemstellungen zurecht zu kommen. Kinder können die Erfahrung machen „eigentlich wollte ich gar nicht hin – und dann hat es doch geklappt – ich habe es geschafft.“ So wie ihr. Erst wollt ihr nicht joggen und wenn ihr unterwegs seid denkt ihr: „Hey, das ist toll, ich habe es geschafft.“ Oder: Man rafft sich in die Arbeit auf, denn gestern war der Chef meschugge und die Kollegin krank und der Kaffee kalt und das Internet platt und die Kantine voll und die Nacht lang. Und dann läuft der Tag meist besser als man dachte.

Alles und Nichts

„Ich will nicht in den Kindergarten kann alles oder nichts bedeuteten. Vielleicht erreicht euer Kind mit diesem Satz bei euch eine Herzfrequenzerhöhung um 40 Schläge. Soviel Aufmerksamkeit und Einflussgröße fühlt sich gut an. Für euer Kind. Oder euer Kind hat ernste Probleme in der Einrichtung. Das sollte zeitnah mit der Erzieherin angesprochen werden. Und dazwischen liegt so viel. Ich habe mit unseren Experten, den Waldkindergartenkindern, einige Morgenkreise gemacht. Ich wollte von ihnen persönlich wissen, was sie bewegt, wenn sie nicht in den Kindergarten gehen wollen.

Kinder antworten als Experten

[Ich antworte für euch in der eckigen Klammer]

„Einfach nur so.“ [war die häufigst genannte Antwort. Also potentielle Motivation:  Erhöhung elterlicher Herzfrequenz und maximale Maßnahme zur Erhöhung der Aufmerksamkeit mittels Diskussion ]

„Wegen der vielen Sachen, die ich anziehen muss.“ [stimmt, ist wirklich nicht angenehm, aber kein Grund nicht zu gehen]

„Wenn der Kindergarten zu ist, will ich hin und wenn er auf ist will ich daheim bleiben. Ich will immer das Gegenteil.“[Die meisten Menschen wollen, was sie nicht haben können. Gut für das Kind, dass es das Lernfeld Kindergarten hat]

„Ich spiele immer nach dem Aufstehen. Dann holt mich die Mama und ich will eigentlich weiter spielen.“ [Die Sache mit dem Hier und Jetzt. Vielleicht ist das morgendliche spielen, basteln, puzzeln, malen, fernsehen kein geeigneter Einstieg in den Kindergartentag]

„Ich würde lieber ausschlafen“ [Stimmt, wollen wir alle. Dann wäre es für dieses Kind eine Möglichkeit früher ins Bett zu gehen, um mehr Schlaf zu bekommen]

„Manchmal komme ich nicht so gerne wegen Anton, der haut mich soviel“ [Ist in jedem Fall eine Sache, die die Erzieherin in Augenschein nehmen sollte]

„Wenn ich nicht in den Kindergarten gehe, schmust die Mama mit mir oder macht einen tollen Ausflug.“ [Das Kind ist schlau. Wer würde denn da in den Kindergarten gehen?]

„Ich gehe trotzdem, denn ich weiß ja, dass es schön wird.“ [Dieses Kind ist ein schlauer Fuchs, Vorschulkind, und hat schon aus der Erfahrung gelernt. Er kann schon über das Hier und Jetzt hinaus denken]

„Ich würde lieber  kommen, wenn mich ein Hubschrauber herfliegen würde.“ [Genau. Ich auch]

„Meine Eltern haben morgens soviel Stress, da krieg ich auch schlechte Laune.“ [Verstehe ich gut]

„Ich glaube, die Mama hat mich gerne zu Hause, die langweilt sich ohne mich, die hat sonst niemanden.“ [Dieses Grundgefühl ist für ein Kindergartenkind ein Hemmnis sich frei zu entwickeln]

„Wenn ich daheim bleibe, kann ich mit einkaufen fahren. Und da kocht mir meine Mama mittags was ich will.“ [Puh. Das können wir im Waldkindergarten nicht anbieten]

Euer Waldschrat Iris

Kennt ihr solche Phasen? Wie habt ihr das gelöst? Schreibt mir. Ich antworte gerne. 

 

 

 

Kind schafft Waldkindergarten im Winter

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Tipp 3: Wie Eltern und Kinder den Winter im Waldkindergarten durchhalten – wissen wofür

Woher sollen Eltern wissen, was ihre Kinder dazu gewinnen?

Wer den Winter gemeinsam mit 25 kleinen Waldschraten verbracht hat weiß, dass es sich lohnt. Eltern sitzen meist im Warmen, während ihre Sprösslinge hüpfend gegen die Kälte ankämpfen, Bauwerke gegen das Frieren bauen, den Nieselregen in Töpfen auffangen und damit Suppe kochen, den Schnee nach Spuren absuchen, sich um das Lagerfeuer drücken und erkennen, dass sie die Gemeinschaft und die Hilfe anderer brauchen, um den Winter zu schaffen. Eltern sind nicht dabei wenn wir die Stimmung mit gutem Essen, freudigen Liedern und Lesen im warmen Bauwagen heben. Sie erleben auch nicht wie Brunhilde mit ihren Scherzen einer rot gefrorenen Nase auch noch ein Lachen rausquetscht und wie die Kinder in schwierigen Situationen über sich hinauswachsen. Persönlich und sozial. Ich kann Eltern verstehen, die aus dem Fenster schauen, an ihre Kinder denken und glauben „Mir würde das jetzt nicht gefallen“. Vielleicht gefällt es aber euren Kindern, nicht im Sinne von Spaß haben, sondern im Sinne von „Ich schaffe das. Und in jedem Tag kommt Freude vor.“.

Freude im Quadrat

Eltern sitzen meist im Trockenen, während ihre Sprösslinge eine feuchte Laubschlacht nach der Eisschmelze absolvieren. Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen das Herz hüpfen lassen und man sich über die Sichtung einer Amsel freut, als wäre es der eigene Geburtstag. Der erste Tag an dem die Kinder ohne Handschuhe spielen, ist wie ein Feiertag. Der erste Tag, an dem wir die Lesebank wieder eröffnen können ein Highlight. Wieder im Wald frühstücken, Hänge hinabrollen juche. Die dicken Winterstiefel gegen Wanderschuhe tauschen. Da ist man gleich doppelt so schnell. Und wer es nicht glaubt: Selbst das Pipi machen geht jetzt mit fünf Kleidungsschichten weniger, leicht von der Hand. Anlass zur Freude. Für ein Kind. Der erste Tag, an dem es warm genug ist die Schnitzmesser auszupacken und wieder mit den Hämmern an der Werkbank gewerkelt werden kann ist voller Lebensfreude und hatte bereits zahlreiche Tage der Vorfreude.

Stolz hoch drei

Den Winter geschafft zu haben macht die Kinder stolz. Sie sind in der Lage, sich über Dinge unglaublich zu freuen, die andere mitunter gar nicht wahrnehmen. Sie nehmen Annehmlichkeiten nicht für selbstverständlich und entwickeln eine hohen Grad an Widerstandskraft mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. Im Winter wächst vor allem das Gemeinschaftsgefühl, denn alle Waldschrate die schon einen oder zwei Winter geschafft haben, machen den kleineren Mut, zeigen ihnen Wege und sind Vorbild.

Wenn Eltern den Winter durchhalten wollen, dann wissen sie spätestens jetzt wofür. Und manchmal ist es auch gut, wenn Eltern nicht immer wissen, was ihre Kinder gerade im Kindergarten so machen. Denn es ist ja eine eigene Welt der Kinder.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Winter im Wald? Schreibe mir. Ich antworte gerne.

Dein Waldschrat Iris

 

 

Kinder im WAldkindergarten im Winter

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Tipp 2: Wie Eltern und Kinder den Winter im Waldkindergarten durchhalten – Kraft sparen beim Anziehen

Mal Hand aufs Herz: Wer von euch zieht sich morgens gerne an? Wer von euch würde sich gerne im Winter Tag ein Tag aus für eine Expedition in den Winterwald rüsten? Und wer von euch packt oben drauf noch gerne einen Rucksack? Wer von euch freut sich auf das Hineinquetschen in die Winterstiefel? Wem von euch hüpft das Herz bei dem Gedanken von 7.30 Uhr bis 13.45 Uhr mit Fäustlingen herumzulaufen und ganztägig eine Mütze zu tragen? Niemand? Ok. Ich auch nicht. Mache ich aber jeden morgen. Denn ich weiß wie schön es im Wald bei den Kindern ist. Dein Kind weiß: Anziehen ist doof. Angezogen werden ist doof hoch zwei. Kinder würden, wenn sie selber wählen könnten, ganztägig im Nachtgewand und barfuß die Welt erobern.  Kann ich nachvollziehen. Würde ich auch gerne. Was können Eltern tun, damit die morgendliche „Zieh dich an Debatte“ energetisch nicht den Tagesakku  frisst?


Wie bekomme ich mein Kind in gefühlte dreiundzwanzig Schichten gepackt? Das Experiment

Eltern von Waldkindergarteneltern empfehle ich einen ersten Schritt. Nehme alle Kleidungsschichten, die auch dein Kind trägt. Packe einen Rucksack, der im Verhältnis das gleiche Gewicht und Größe hat, wie der Rucksack deines Kindes im Verhältnis zu seinem Körper. Und nun lässt du dich von deinem Partner anziehen. Stelle dabei die Uhr. Wie lange dauert es? Was ist angenehm? Was nicht? Wo zwickt es? Was würdest du gerne selber machen? Ziehe dann deinen Partner an. Sowie du dein Kind anziehst. Wieder Zeit messen. Eine Rückmeldung einholen. Ihr werdet über das Ergebnis sehr erstaunt sein, vielleicht ist es auch lustig. Wie fühlt sich das an in eine lange Unterhose hineingewurschtelt zu werden? Wie ist es wenn die Winterjacke angezogen wird und die Ärmel des Pulli mit hochrutschen? Ganz beliebt: Kalte Hände, die einem die Unterhose hochziehen. Fingernägel die versehentlich beim Socken anpuddeln am Zeh entlang schrabbeln. Nehmt es mit Humor und gebt euch ehrliche Rückmeldungen. Merzt Fehler aus. Und stellt fest wie langsam ihr seit.

Das kleine „Um zu“

Es gibt einen sehr zuverlässigen Wetterdienst: www.Agrawetter.net. Dein Waldkindergartenkind kann jeden Abend mit dir, oder auch als Morgenritual die Wetterprognose gemeinsam anschauen und die Kleidung hierfür zurecht legen. So lernt es nicht sofort, aber mit der Zeit das „warum, wieso weshalb“ es so wichtig ist mit der richtigen Kleidung in den Wald zu starten. Es entwickelt Stück für Stück das Verständnis für seine Ausrüstung und ihr (du und dein Kind) lernt ganz nebenbei mit Wetterprognosen umzugehen.  Dann wird aus einem „Es wird kalt, die lange Unterhose muss sein“, ein: „Weißt du noch, was der Wetterfrosch auf der Internetseite angekündigt hat?“ „OK. Deshalb hast du dir ja auch die lange Unterhose rausgelegt, damit du warm über den Tag kommst.“

Ordnung ist in diesem Fall das halbe Energiesparprogramm

Hilf deinem Kind mit Ordnung. Immer gleicher Ablauf. Kleidung immer an den selben Plätzen. Fehler: Mit einem Kindergartenkind morgens in trauter Gemeinsamkeit in den Kleiderschrank lunzen und die Frage stellen „Was ziehen wir an?“. Wer fragt bekommt eine Antwort. Selten ist es die, die er hören mag. Und: Wer fragt stellt in Aussicht, dass es eine Wahl gibt. Das Diskussionsforum ist somit eröffnet. Energiefresser pur. Richtig: Gemeinsam mit dem Kind am Abend zuvor  nach www.Agrawetter.net die Sachen herrichten. Diese liegen am immer gleich Ort, die Winterjacke trocken und bereit am Haken, die Schuhe im Flur usw. Über diesen Sachen möglichst keine andere Kleidung hängen oder legen. Haufen ist Haufen, Haken ist Haken, Platz für die Schuhe ist Platz für die Schuhe.

Täglich grüßt das Murmeltier

Ich kann dir wenig Hoffnung machen, dass das Anziehthema eine kurzfristige Angelegenheit ist. Es reicht bis in die Pubertät hinein und oft auch darüber hinaus. Beweis: Frauen legen ihren Männern die Sachen für den nächsten Tag heraus, die pubertierende Tochter stiefelt mit Stilettos durch den Schnee, und du findest deine Lieblingshose nicht mehr, weil sie seit einer Woche im Dreierpack (Strumpfhose, Unterhose, Hose, auf links zu einer Wurst verarbeitet) auf dem Kleiderstuhl liegt. Es lohnt sich also sehr frühzeitig in einen geeigneten Ablauf und in die größtmögliche Selbsttätigkeit der Kinder zu investieren. Ein guter Ablauf sieht genug Zeit vor und  ist praktisch. Zum Beispiel: Aufstehen, neue Unterwäsche Anziehen, lange Unterwäsche anziehen, gemütliches Frühstück, danach Zähne putzen, alle anderen Schichten anziehen, Schuhe anziehen, Jacke anziehen (umgekehrt ist unpraktisch mit dicker Jacke kommt kein Mensch, auch kein Kind, gut an seine Schuhe), Rucksack auf und zum Schluss die Handschuhe.

„Das kann ich selber“

Ja, aber der Reihe nach. Was kann dein Kind schon selber? Dann kalkuliere die Zeit ein, die es dafür braucht. Trainiere gezielt den nächsten Schritt: Knopf zumachen, Reißverschluss, schon mal einen Handschuh selber den anderen du, Rucksack selber zu machen, selber aufsetzen. Wenn du nur weil du in Eile bist, das Kind nichts selber machen lässt, kannst du zunehmend zurecht mit einigem Widerstand beim Ankleiden rechnen. Kinder wollen es selber machen und sie sollten die Chance bekommen es zu üben. Kannst du dich noch an deinen Führerschein erinnern? Wie lange hast du üben müssen bis dir alles von der Hand ging? Anziehen lernen ist für das Kind gewissermaßen wie für dich der Führerschein war. Es ist doch dann ein tolles Gefühl wenn man zum ersten Mal selber fahren darf oder?

Dein Waldschrat Iris 

 

WAldkindergarten Winter Hund

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Tipp 1: Wie Eltern und Kinder den Winder im Waldkindergarten durchhalten – Kraft beim Aufwecken sparen

Jedes Kind ist anders. Der Morgenmuffel, die Schmusekatze, der fröhliche Flummi,  der Brummbär, die Plappertasche, der Meister des Schneckentempos und der um-halb-vier-stehe-ich-auf-und-erobere-die-Welt-Charakter. Es gibt sie alle und noch viele mehr. Eine Plappertasche erwägt des morgens bereits eine Grundsatzdiskussion über die Vorzüge des Hauskindergartens im Winter. Der Welteroberungstyp hat seine Tagesenergie von halb vier bis um sechs in der früh schon verbraucht und schafft es nun wirklich nicht mehr in die Winterstiefel. Der Meister des Schneckentempos findet die emotionalen Knöpfe der Eltern recht schnell, da ist er nämlich wirklich schnell, und schmettert den einzigen Satz des Morgens heraus: „Ich habe im Waldkindergarten keine Freunde und mich friert es.“ Treffer ins Elternherz. Versenkt. Die Schmusekatze kuschelt sich so durch und klammert sich gerne beim Anblick der Winterjacke an Papas Knie und haut Krokodilstränen als Unterstreichung ihrer misslichen Lage gleich hinterher.  Treffer ins Elternherz versenkt, die zweite.


Papa Plappertasche trifft auf Tochter Schmusekatze

Hast du dich mal gefragt, welcher Typ du bist und ob deine Weckmethode zu deinem Kind passt? Wenn es nicht passt, dann kostet das jeden morgen Kraft. Papa Plappertasche weckt Tochter Schmusekatze mit einem lustigen Monolog.  Da klappt die Katze die Ohren weg. Wenn es passt kann mitunter sogar noch mehr Energie abverlangen. Zum Beispiel wenn Mama Zeitlupe auf den Meister des Schneckentempos trifft. Tja und Energie ist gerade im Winter ziemlich rar. Da braucht dein Kind alle Ressourcen für den Waldtag im Kindergarten. Wenn du deinem Kind helfen möchtest und ihm besonders viel Kraft für den Winter und den Tag draußen mitgeben möchtest, lautet die Frage: „Was braucht dein Kind?“ Die Plappertasche könnte lernen noch eine Runde zu schmusen oder ganz ruhig und sortiert zu reden, damit der Kopf sich erst einmal ordnet. Der Welteroberer benötigt Hilfe zum Durchschlafen bis sechs, der Meister des Schneckentempos eine besonders klaren und strukturierten Ablauf und weniger Resonanz auf emotionale Frontalangriffe. Die Schmusekatze körperliche Zuwendung am Anfang des Tages.

Das Wecken fängt bei wachen Eltern an

Eines ist allen Kindern gemein. Sie brauchen jeden Morgen einen festen für sie erwartbaren Ablauf, der zeitlich auch machbar ist. Immer gleich, immer gleich. Ein Ritual, das zu deinem Kind passt und auf das es sich verlassen kann. Bedeutet auch, dass Eltern erst einmal selber so aufstehen, wie es ihnen gut tut. Eltern sind im besten Fall rechtzeitig aufgestanden und Gehirn, Herz, Arme sowie Beine haben schon ihre gewohnte Arbeit aufgenommen.

Was sind Kraftfresser?

Wir kennen sie alle. Grelles Licht mit einem Morgenappell: Aufstehen! Drei bis einundzwanzig mal ins Zimmer rennen und das Mantra „steh auf“ vor sich hin brummeln. Mit dem Kind kuscheln , bis man selber wieder im Tiefschlaf ist. Ein eiskaltes Zimmer. Ein chaotisches Zimmer, dass man bei Licht besser gar nicht sehen will. Ein: „Oh, wir sind zu spät, beeil dich“. Lautes Geklapper in der Küche als Erstgeräusch des Tages oder alternativ der lauthalse Geschwisterkampf im Nebenraum als Wecksignal. Welche kennst du noch, die du selber nicht magst?

Welches Ritual braucht dein Kind?

Für die Schmusekatze erst eine Runde kuscheln und dann Licht an? Für den Meister des Schneckentempos einen Wecker, der erst ganz langsam mit seinem Licht „die Sonne aufgehen lässt“? Eine warme Tasse Kakao und drei Minuten gemeinsames Ratschen für die Plappertasche? Für den Flummi ein Fingerspiel oder Gedicht als Einstimmung für den Tag? Mit dem Welteroberungstyp nach dem Aufstehen gemeinsam das Bett machen und Stofftiere aufräumen? Können Geschwister mit einbezogen werden? Oder Haustiere? Sei kreativ! Probiere aus, was deinem Kind gefällt und ihm entspricht. So fängt der gemeinsame Tag kraftsparend an.

Welche Weckrituale habt ihr, die funktionieren? Helft mir euren guten Erfahrungen und Ideen!

Hier mein zuverlässigster Weckdienst Brunhilde!

Dein Waldschrat Iris

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Winter WAldkindergarten

By Dr. Iris Osswald-Rinner

„Winterburnout“ – Durchhalten auch für Waldkindergarten Eltern

Die Natur und vor allem der Wald sind im Winter selten so romantisch, wie man sie sich vorstellt. Bilder von lachenden, rodelnden Kindern, die bei strahlendem Sonnenschein den Hügel hinabgleiten. Für soviel glückliche Kindheit möchte man doch als Eltern einiges auf sich nehmen. Im Wald gibt es wirklich glückliche Kindheit, die sieht aber anders aus. Und diese deckt sich in den seltensten Fällen mit Elternglück, vor allem im Winter.


Das Aufstehen und die dreiundzwanzig Klamottenschichten

Wer kennt ihn nicht den morgendlichen Kampf mit sich selber. Der Blick aus dem Fenster zeigt: Dunkelheit. Nieselregen. Schnee. Kälte. Bibber. Kein mir bekannter Mensch will aus dem Bett. Ein Kindergartenkind ist mindestens genau so ein Mensch. Schlau genug, als Standard-Schlafmütze, alle Register zu ziehen, um dem Schlamassel des Aufstehens zu entkommen. Jetzt dieses Kind motivieren sich in gefühlte dreiundzwanzig Schichten einzuhüllen? Jeder, der schon mal Kinder in der Früh angezogen hat oder zum Anziehen motivieren möchte weiß, dass die handelsüblichen zwei Schichten schon genügen, um den häuslichen Frieden ins Schwanken zu bringen.

Hinzu kommt die tiefsitzende Angst einer jeden Mutter , dass ihr Kind erfriert, verdurstet oder verhungert. Und wenn nicht jetzt dann gleich im Waldkindergarten. So. Und das jeden Morgen. PS: Die Angst ums Verdursten, Verhungern und Erfrieren hält übrigens ein Leben lang an. Auch wenn die Kinder schon 48 Jahre alt sind, lauten die Fragen beim Besuch einer Mutter: Kind frierst du nicht, du hast ja so eine dünne Bluse an? Kind was willst du trinken? Du hast sicher schon hunger, oder? 

Wie bei Hänsel und Gretel – der tiefe, finstere und  kalte Wald

Die Übergabe findet nicht an der Tür eines kuschelig, warmen Hauskindergartens statt, sondern Eltern entlassen ihr Kind, optisch gerüstet wie für eine Mount Everest Expedition, in die eisige Kälte des dunklen Waldes. Denn: morgens um halb acht ist es stock finster. Normale Ablösungsprozesse und kleine Krisen, werden für die Eltern zur Stressbelastung, weil sie sich ab Tag fünf die Frage stellen: „Warum tue ich das meinem Kind an?“

Das müde Kind in Ocker-Braun

Bei der Abholung nehmen sie ihr Kind entgegen. Die Gesichter voller Matsch, die Kleidung im Einheits-Ocker-Braun. Manchmal müde und quengelig vom anstrengenden Tag, der ihnen den Kampf gegen den Winter abverlangt hat. Das Auto voller Matsch, das Kind müde und jetzt raus aus den dreiundzwanzig Schichten, Hausfrieden wieder schief, Klamotten bis zum nächsten Tag trocken kriegen. Tag ein, Tag aus, den ganzen Winter lang.

Der Winterbornout

Der Winterburnout (so nennen wir das Phänomen im Waldteam) ist nachvollziehbar. Zweifel, ob man alles richtig macht. Zweifel, ob das Kind so oft krank ist, weil man es in den Wald schickt, obwohl die Infektionsraten vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr völlig im Normbereich liegen. Zweifel, ob das jetzt das „Waldglück“ sein soll. Die Eltern sehen ja nicht die Zeit dazwischen, zwischen Bringen und Abholen. Sie erleben ihre fantastischen Kinder nicht, wie sie jedem Tag die kleine Portion Glück abringen und dem Winter trotzen. Wie sie sozial zusammenrücken, kreativ und erfinderisch werden. Sie sehen vor allem nicht, wie die Kinder widerstandsfähig und kraftvoll werden. Denn das braucht Zeit. Das wächst. Von Winter zu Winter. So können die Eltern mitwachsen. Durchhalten. Winter für Winter.

Hut ab für alle Eltern, die mit ihren Kinder wachsen. 

Dein Waldschrat Iris 

 

 

 

 

 

Waldkindergarten Grünthal, Eingewöhnung, Eingewöhnung in den Waldkindergarten, Dr. Iris Osswald-Rinner, Eingewöhnungszeit, Du siehst ein kleines Kind im Waldkindergarten, das einen Hund streichelt
Der Tag, an dem dein Kind in die Wildnis geht oder die Eingewöhnung
Wertschätzende Kommunikation, pädagogisches Qualitätsmanagement, du siehst auf dem Bild ein offenes freundliches Kind
Wertschätzende Kommunikation – ein Leitfaden für Personal
Selbständigkeitserziehung, das kann ich schon selber, Du siehst wie ein Kind von Frau Dr. Iris Osswald-Rinner untersützt wird Dinge selber zu machen. Das kann ich schon alleine ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Du kannst sehen wie ein Kind selber seine Brotzeit herrichtet.
Selbständigkeitserziehung im Kindergartenalter
Inklusion Kind liegt mit seiner Wange auf einem Biberfell und genießt den Kontakt
Inklusion im Waldkindergarten- das Richtige für dein Kind?
Du siehst ein Kind, das sich eine nKorb über den Kopf gestülpt hat
Und täglich grüßt das Schuldmurmeltier – Warum Schuld sich gewohnt anfühlt und warum ich sie im Waldkindergarten abschaffe
Kindergarten hier Kinder draußen
Dein Kind will nicht in den Kindergarten – Was du tun kannst und was Kinder dazu sagen
Kind schafft Waldkindergarten im Winter
Tipp 3: Wie Eltern und Kinder den Winter im Waldkindergarten durchhalten – wissen wofür
Kinder im WAldkindergarten im Winter
Tipp 2: Wie Eltern und Kinder den Winter im Waldkindergarten durchhalten – Kraft sparen beim Anziehen
WAldkindergarten Winter Hund
Tipp 1: Wie Eltern und Kinder den Winder im Waldkindergarten durchhalten – Kraft beim Aufwecken sparen
Winter WAldkindergarten
„Winterburnout“ – Durchhalten auch für Waldkindergarten Eltern