Kinderliteratur gibt es wie Sand am Meer

Wie finde ich heraus, was gut für mein Kind ist?

Bilderbücher für Kleinkinder gibt es unzählig viele:
große, kleine, einfach illustrierte, mit aufwändigen Bildern, Wimmelbücher, solche die Geräusche machen und welche, bei denen es Sachen zum Aufklappen gibt.
Auf den ersten Blick mag das alles toll erscheinen, entscheidend ist dennoch der Inhalt.
Wir empfehlen dir nur, wovon wir selbst zu 100% überzeugt sind.
Auch Autoren die wir toll finden, kommen hier zu Wort und stellen sich und ihr Werk vor.
Kinderliteratur soll nicht nur unterhalten, wir legen aller größten Wert darauf dass sämtliche Inhalte pädagogisch wertvoll sind.
Erfahre, was unsere Waldkinder empfehlen können und was du lieber im Buchhandel deines Vertrauens stehen lassen solltest.

vom kleinen Maulwurf, Werner Holzwarth/Wolf Erlbruch. DU siehst wie Nikolaus Griesbeck im Waldkindergarten Grünthal den Kindern das Buch vom kleinen Maulwurf vorliest

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Vom kleinen Maulwurf – Literaturempfehlung

Das Buch vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat

Ich freue mich immer wieder über Kinderliteratur ohne den berühmten pädagogischen Zeigefinger. Das Kinderbuch vom  kleinen Maulwurf von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch ist ein solches Werk. Ob ich ein Buch gut finde oder nicht ist aber immer nur die erste Hürde. Mit anderen Worten liegt die eigentliche Hürde bei meinen Waldkindergartenkindern. Ist es beliebt? Wie verhalten sich Kinder beim Lesen? Was löst das Buch bei den Kindern aus? Im Fall vom kleinen Maulwurf schmeißen sich die Kinder weg vor lachen, sind sehr interessiert und die Älteren kommen ins Grübeln, wenn es um das Thema „Rache“ geht. Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch gelingt es, mit einem ungewöhnlichen Thema und tollen Illustrationen mich und meine Waldkindergartenkinder zu beeindrucken.


Die Geschichte vom kleinen Maulwurf kurz gefasst

Anfangs wird unserem Protagonisten, dem Maulwurf ein Häuflein Stinker, so nennen bei uns im Waldkindergarten die Kinder jede Form von materialintensiver Ausscheidung, während seiner Maulwurfhügelbauarbeiten auf den Kopf gemacht. Darum ist er empört, was man ihm ansieht. Auf der Suche nach dem Tier, zudem diese Art von Haufen passt, beschreibt Werner Holzwarth pro Doppelseite jeweils eine Begegnung mit einem Tier. Nach gemeinsamer Begutachtung der Hinterlassenschaften, kommen Taube, Pferd, Hase, Ziege, Kuh und Schwein zu der Erkenntnis: Sie waren es nicht. Aber die Mistfliegen geben dem verärgerten Maulwurf dann den entscheidenden Hinweis. Der Täter ist ein Hund. Das Ende verrate ich dir nicht, denn das lese bitte unbedingt gemeinsam mit deinem Kind. 

Werner Holzwarth…

ist Professor der visuellen Kommunikation und Kinderbuchautor. Er hat es drauf und ich kann sowohl in Text als auch in Umsetzung sein Herzblut wieder finden. Ich habe einen guten Zugang zu seinem Humor, was aber noch wichtiger ist: Er trifft den Kinderhumor. Wenn du wissen möchtest, was er sonst noch so veröffentlicht hat, kannst du es hier finden Link.  

Wolf Erlbruch…

ist Professor für Illustration und hat zurecht den Astrid-Lindgren-Preis erhalten. Seine Illustrationen treffen den Nerv der Kinder. Hier findest du sein  interessantes Interview mit der Welt „Die meisten Kinderbücher sind misslungen“. Es ist in jedem Fall lesenswert. Die Arbeitsgemeinschaft von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch hat im Fall vom kleinen Maulwurf jedenfalls zwei für Kinder wichtige Themen auf den Punkt gebracht. 

Von Stinkern und Rache gehen Eltern und Pädagogen die Nackenhaare hoch

Um so erfreulicher, dass sich Erlbruch und Holzwarth entschieden haben, diese Themen für Kinder humorvoll aufzubereiten. Denn eines ist klar: Für Kinder von 3-6 Jahren sind Stinker aller Sorten und das Gefühl Rache wichtig. Wie sieht Hinterlassenschaft aus? Wem gehört die eigentlich? Wie fühlt sie sich an? Wie riecht sie? Und darf ich Rache üben? Wie fühlt sich Ärger an? Und wie werde ich ihn los? Während die meisten erwachsenen Menschen, das Thema Ausscheidung höchstens unter Verwendung kryptischer Vokabeln mit ihrem Hausarzt besprechen und Rache ein moralisch verwerfliches Gefühl ist, können Kinder unbefangen und neugierig damit umgehen. Aus diesem Grund wünsche ich mir viel mehr Autoren, die ihren pädagogischen Zeigefinger in der Jackentasche lassen. 

 

Hier noch ein toller Tipp für dein Waldkindergartenkind. Ein herrlich unpädagogisches Freundebuch. 

 

Dein Waldschrat Iris

Wie findest du dieses Buch? 

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Kinderliteratur. Man sieht zwei Kinder, die gemeinsam im WAld auf einer Bank ein Buch lesen

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Kinderbuchempfehlung – Hast du 5 Minuten Zeit am Tag deinem Kind vorzulesen?

Als meine Kinder noch klein waren hatte ich oft ein schlechtes Gewissen mir nicht genug Zeit zu nehmen mit ihnen zu lesen. Außerdem war es mir wichtig ihnen die Klassiker der Kinderliteratur zu vermitteln. Dann manchmal besser kurz als gar nicht war meine Devise. 


5- Minuten Geschichten. Geschichten zum Lesen und Vorlesen

Die Geschichten in diesem Kinderbuchbuch sind kurz. Kurz ist gut für kleine Zuhörer, ins Bett-Geh-Geschichten und auch für Kinder, die schon selber Lesen können. In diesem Buch findet ihr die Klassiker, wie „das hässliche Entlein“, den „König Drosselbart“ oder den „Froschkönig“, die durch die Kürze nicht den roten Faden verlieren, was ich beachtlich finde. Auch sprachlich kann sich das Buch sehen lassen. Es umfasst 511 Seiten. Also habt ihr hier eine Menge Lesestoff. Abenteuergeschichten, Mädchen und Jungs, aus der Tierwelt, Lustiges und Spaßiges sind einige von den Kategorien, die das Buch anbietet. Hört sich gut sortiert an. Ist es auch. Zusätzliches Plus: Die Autoren bzw. Urheber jeder Geschichte sind angegeben. Einige hiervon kannte ich bisher nicht. Ich habe mich über den frischen Wind in meinem Repertoire gefreut und einen echten Zugewinn gehabt.

Dein Waldschrat Iris 

 

 

 

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By Dr. Iris Osswald-Rinner

Gegen Langeweile beim Lesen und ein toller Einstieg für die kleinsten Leser – Mitmach Bücher von Hervé Tullet

Die Mitmachbücher sind in unserem Waldkindergarten ein Dauerbrenner. Und zwar: Egal wie alt die Kinder sind! Und ehrlich gesagt: Wir machen selber gerne mit. Die Interaktion, zu der das Buch einlädt, macht es jedem Vorleser spielend leicht mit den Kindern in den Dialog zu kommen. Auch der größte Lesemuffel oder schüchterne Kinder können sich diesen Büchern nicht verschließen. Besonders geeignet für Kinder, die noch mit dem Zuhören Schwierigkeiten haben und lieber selber aktiv sind. Schon ab Seite zwei ist man Versunken und glaubt „wirklich“ man wäre „im“ Buch und gestaltet Seite um Seite oder im wahrsten Sinne Punkt für Punkt für Punkte. Besonders geeignet für Erwachsene, die sich noch darüber üben wollen beim gemeinsamen Lesen im Kontakt zu sein. Das Buch gibt Hilfestellung, die man auch auf andere Bücher übertragen kann. Weg vom Vorlesen als Vortrag hin zur gemeinsamen Bucherfahrung! Fünf Sterne von mir!

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By Dr. Iris Osswald-Rinner

Es müssen nicht immer gebastelte oder gekaufte Geschenke sein – Wie Kinder im Waldkindergarten eine tolle Waldweihnacht haben könnenWaldweihnachtsgeschichte

Eine Waldweihnachtsgeschichte

Unsere Waldweihnacht mit Kinderpunsch und Stollen war sehr schön. Wir haben es uns auf unserem Mufflonplatz gemütlich gemacht. Mit Schaffellen im Kerzenschein eine Weihnachtsgeschichte für unsere Kinder geschrieben. Alle Namen sind anonymisiert.

Wir wünschen allen Menschen ein friedliches und besinnliches Weihnachten!

Das Waldkindergartenteam

Eines Tages wurde dem Wald so kalt, er fühlte sich ganz alleine und es wurde ihm langweilig. Er berief eine Waldkonferenz ein und beriet sich mit seinen Bewohnern.

Die Wildschweine sagten: „Recht hast du. Nach Wurzeln graben Tag ein Tag aus, was für ein Graus“.

Der Eichelheer zwitscherte. „ Naja. Wenn ich durch den Wald flattere, ist es schon sehr still geworden hier im Grünthaler Wald.“

Auch der Biber meldete sich zu Wort: „Ich säge, und säge hier Baum um Baum und nix und niemand interessiert sich für meine Waldkunst.“

Die Waldkonferenz entschied, das müsse sich alsbald ändern. Das Mäusebussard Pärchen berichtete von ihren Rundflügen und sie plapperten ganz aufgeregt von einem fernen Wald, in dem Kinder tobten. Das sei lustig, aufregend und erheiternd. So beschlossen sie einstimmig, und sogar die Rehe waren einverstanden, Kinder zu sich in den Wald einzuladen.

Der Wald rief Iris, Nikolaus und Verena an und auch die Gudrun und fragten: „Habt ihr nicht Lust einen Waldkindergarten zu machen?“. „Klar“, sagten alle drei, machen wir. Und schwubbel die wubbel kamen lauter Kinder zur Freude der Bäume, der Tiere und der Pflanzen in den Wald.

Eines Tages kam auch Karl. Er war so verzweifelt, dass er Iris gleich am ersten Tag in ihr Bein Biss. Man oh Meter dachte sich die Iris, ob da der Wald einverstanden ist? „Ja klar“, sagte dieser, „der Karl gehört zu uns“. Und der Wald sollte recht behalten. Der Karl gehört zu uns. Karl ist nämlich ein toller Hundetrainer. Für Bruni ist er sogar Möhren und Gurken. Neuerdings sogar Äpfel. Er kommt bald in die Schule. „Ganz schön schlau“, raunten die Tiere des Waldes. „Der Karl, der hat´s drauf und deshalb darf er im neuen Jahr den ein oder anderen Morgenkreis leiten.“

„Bravo“ riefen alle Tiere.

Neuerdings ist der Morgenkreis ja sehr belebt. Seitdem die kleine Philosophin Lana in den Waldkindergraten geht, kommen sogar Amsel, Drossel Fink und Star herangeflattert und hören zu. Der Wald sollte recht behalten. Kinder sind gut für den Wald. Aber ist der Wald auch gut für Kinder?

Ja klar, da spielt doch der Thomas Tag ein Tag aus und ist sogar schon ein schlauer Fuchs. Die Waldmäuse haben sogar von Gerüchten gehört, die die Ameisen verbreitet haben, er wäre sehr talentiert beim kochen. Der Wald fragte also die Verena: „Hey, der Thomas soll mehr kochen, hier riecht es immer so gut.“ „Klar“ antwortete sie, „der kann doch glatt im nächsten Jahr die Kochassistenzlizenz machen“. Mensch, das wird dem Thomas gefallen.

Aber da meldete sich das Eichhörnchen zu Wort: „Aber die Birgit, die mutige, und starke, meine süße Birgit, die kann doch mindestens genauso gut kochen. Das ist aber unfair wenn Thomas die Kochassistenzlizenz macht und Birgit nicht.“

„Ok sagte der Wald, richtig, ist richtig, gerecht ist gerecht.“ Er telefonierte mit Nikolaus und dieser stimmte zu, dass auch Birgit im neuen Jahr die Kochassistenzlizenz machen darf.

„Kinder, im Wald, die kochen, quack, quack“ schnatterte die Ente. Und wie das immer duftet. Guuuut.“

„Ja, warf der Keiler ein, da können die beiden ja gleich die Brotzeit für den Wandersmann Stefan herrichten.“ Der Keiler schwärmte: „So einen Wandersmann hatten wir ja noch nie im Wald. Ich sehe ihn jeden Tag und schnüffele ihm hinterher. Der läuft und läuft und läuft. Der kann sogar anderen Kinder mit seiner Wanderbegeisterung anstecken. Super. Echt toll,“ grunzte er und wedelte mit seinem kurzen Stummenschwanz.

Die Mistkäfer, die Hirschkäfer, die Marienkäfer, alle applaudierten mit ihren kleinen Flügeln. „Endlich ist hier was los im Wald.“

„Ja“ sprach die Regenwurmfamilie von und zu Reim, und kringelte sich vor Lachen. „Wenn der Christoph durch den Wald flitzt, dann bebt der Boden. Das ist unsere Turnstunde, dann kringeln wir uns rund. Er lacht und tobt und schnitzt, er kaum auf den Boden sitzt. Und da der Christoph schon schnitzt macht er im nächsten Jahr ganz wunderbar eine Assistenzlizenz, ganz und gar, traritrallallarlar. Hier geht’s rund das ist gesund.“

Ernst runzelt die Wespe die Stirn und summte: „Ja, hier ist endlich richtig was los. Summ, summ, hi, hi ich ärgere die Kinder jedes Jahr, besonders ärgere ich den Dirk. Ich fliege um seine Nase herum, immer dann wenn er so toll spielt. Das macht mir Spaß. Aber der Dirk war so unheimlich schlau, dass er mich verpetzt hat. Aus die Maus. Iris und Nikolaus haben das Erdwespennest gefunden und uns umgezogen. Jetzt können wir die Kinder nur noch aus der Ferne sehen.“

„Ne, den Michael sehe ich von ganz nah“ schmatzte der Igel in die Runde und tat seiner Freude frohe Kunde. „Letztlich habe ich gesehen, wie er und jetzt hört alle genau hin: Einen Apfel aß mit allem Drum und Dran, Sim sa la Bim. Das hat ihm keiner zugetraut und dann hat die Iris wohl in die Röhre geschaut. Na den Rucksack packt er sowie von ganz allein und hüpft durch den Wald auf einem Bein. Ich sag euch ohne Michael ist es hier nicht wild genug für mich.“

Der Wald seufzte zufrieden. Jeden Tag stellte er für die Kinder die Bäume auf. Sie klettern rauf und sie klettern runter. Das macht ihm Spaß, solange sie keine Äste und Blumen abknicken. „Ja, ja lobte er, so wie die kleine Nicole, die ist immer lieb mit Tieren, Bäumen und Pflanzen. Die tut uns nix. Die achtet auf uns.“ „Nicole ist ja auch ein schlauer Fuchs der Zukunft“ antwortete das Springkraut. Die kennt sich aus. Da haben alle Kinder ein gutes Vorbild in der Nicole, spring, spring, ja,ja.“ „Nicole ist ja auch ein schlauer Fuchs der Zukunft“ antwortete das Springkraut noch einmal. Die kennt sich aus. Da haben alle Kinder ein gutes Vorbild in der Nicole, spring, spring, ja, ja.“ „Musst du immer alles zweimal sagen?“ fragte die Eiche das Springkraut. „Ja, ja, klar, klar, spring, spring“. So wie Simon unser Reporter, der sagt auch alles zwei Mal. So wie Simon unser Reporter, der sagt auch alles zweimal. Spring. Spring. Den mag ich deswegen so gern, den mag ich deswegen so gern.“ Alle lachten. Gut das Simon so ein toller Kerl ist und sich immer Mühe gibt, mit allem und immer wieder unermüdlich, da kann man auch zweimal gut hinhören. Aber auch die Lehrer wenn er in die Schule kommt, wenn er in die Schule kommt Spring, spring?“ fragte das Springkraut. „Och antwortet Verena, der ist verdammt schlau. Er wird das hier im nächsten Jahr sicher noch üben, alles nur einmal zu sagen. Da bin ich sicher“.

Es mischte sich der Baummarder ein: „So wie Frank vielleicht, der alles herausweint. Der will, wenn er keine Lust hat nix reden. So frech wie ich, finde ich richtig gut. Ich mag Frank“. „Wir auch“ antworteten alle im Chor. Der Wald fragte sich, warum weinen für Kinder so toll ist. Wenn seine Bäume weinten war das eher ein schlechtes Zeichen. Ein Rätsel diese Kinder, ein Rätsel. Aber der Frank ist vielleicht viel müde und wird wenn er in den Winterferien schläft sicher im neuen Jahr weniger weinen, weil er Pause hat. Auf Frank ist verlass, da war sich der Wald sicher.

Und dann kommt ja auch noch Weihnachten, da freuen sich doch alle Kinder. Oder? „Auch der Björn?“, fragte der Fischreiher, der immerzu Fische fischte am Fischteich am unteren Platz. Extra wegen Björn war er nach oben geflogen. Er ist ja normalerweise eher scheu, darum mag er den Björn auch so gerne. Er hat sich in letzter Zeit sehr gefreut über Björns Fortschritte beim Helferdienst und richtig mit den Flügeln geklatscht hat er bei den Morgenkreisbeiträgen von Björn. Toll fand er ihn. Aber auch wenn Gudrun liest steht Herr und Frau Fischreiher ausnahmsweise nicht bei den Fischen, sondern am oberen Bauwagen und lunzen durch die Fenster. Gudrun war ihnen eine Herzensangelegenheit. Bei Wind und Wetter stiefelt sie zu den Waldkindern um ihnen vorzulesen. Alle Achtung. „Ich höre auch gerne zu“ sagte der Wald.

„Ich höre aber auch gerne den Kindern zu“ flüsterte ein Kitz. „Vor allem mag ich gerne die Judith hören, die hat nämlich Faust dick hinter den Ohren.“ „Ja, was redete die denn so?“ fragte die Bache. „Na ja, wenn du immer so laut grunzt kannst du ja die Judith nicht hören. Die redet nämlich tolle Sachen, sie ist eine echte Freundin, sag ich euch. Man muss ihr nur zuhören.“ „Ach, so“, grunzte die Bache erfreut, dann grunze ich eben leiser“. „Ja, genau riefen“ die Waldameisen im Chor, mehrstimmig sogar. „Wenn alle so leise wären wie wir, dann könnte man zum Beispiel auch mitbekommen, wie Peter tolle Phantasiegeschichten erzählt, Erfindungen macht und neue Wörter erfindet.“ Den Peter belauschen wir jeden Tag mit großer Begeisterung und erzählen seine Geschichten unseren Ameisenbabys zur Nacht.“

„Der Helge, zum Beispiel, der ist sehr leise, viel zu leise, ich glaube er vermisst seinen Freund Markus sehr“, sagte der Luchs. „Uhuhuh“, rief der Uhu, der Helge hat ihn doch längst gefunden. „Uhuhuhuh“, der Markus kommt nicht mehr in den Wald, denn er trifft seinen Freund im Hauskindergarten bald.

„Oh ist das schön, dann wird er ihn wieder sehn“, riefen alle und klatschten in die Hände. Genau, dafür sprechen aber die Mädchen hier Bände, denn die haben ihre Freundinnen hier bei mir. Die haben ein richtiges Glück.“, sprach der Wald. Karla, Heike und auch die Christiane sind feste Freundinnen. Ich freue mich über Karla, die so schön kocht und spielt und so friedlich mit den Tieren des Waldes ist. Auch ihrer Schwester Heike, sehe ich gerne zu. Ihr müsst euch mal vorstellen: Im letzten Jahr hat sie sämtlichen Kindern das Schleifen Binden beigebracht. Ein Augenschmaus sage ich, ein Augenschmaus“ schwärmte der Wald.

„Ja und jetzt zu Weihnachten haben die alle gemeinsam einen Mufflonplatz gebaut. Und für mich Waldeinhorn ist sogar ein Stall dabei. Das ganze Dach hat Christiane eingedeckt, mit ihren Freundinnen. Christiane hat ein feines Gefühl für Waldeinhörner. Wir sind sehr sensibel, sehr speziell. Das versteht nur Christiane. Wenn ich sie beobachte, möchte ich direkt mit ihr spielen. Aber Waldeinhörner können ja nur Nachts spielen. Leider. Aber ich kann ihr ja weiter zusehen wie sie spielt, singt und lacht.“

Der Fuchs kam angaloppiert und rief: „Hey, ist der Manfred hier?“

Alle fragen

Alle riefen „Ja“.

„Puh“, sagte er, „ ich habe ihn vermisst, er war jetzt letzte Woche krank, habe ihn überall gesucht. Jetzt bin ich aber froh. Der ist nämlich ein schlauer Fuchs. So wie ich. Hi, hi. So fleißig wie ich, hi, hi. Und so schnell wie ich, hi, hi.“ Darum bin ich ihm immer auf den Fersen, da habe ich Abwechslung im Wald. „Na ja, sagt der Dachs, „Abwechslung bringen hier noch ganz anderen Waldschrate rein. Der Helmut zum Beispiel. Stellt euch vor der ist jetzt kein Ritter mehr, sondern ein Römer. Deshalb auch der verrückteste Tischspruch der Welt. Der Helmut  sollte deshalb dringend im neuen Jahr den Schnitzführerschein machen. Ein Römer muss schnitzen können, das ist doch klar.“

Ja liebe Waldfreunde, eines ist klar, brummte der Wald, seitdem wir die Waldschrate vom Waldkindergarten bei uns haben, ist alles schöner, interessanter, abenteuerlicher, bunter, fröhlicher und manchmal auch trauriger, aber dann auch wieder lustiger, fantastischer und ein bisschen lauter.

„Ich habe gehört, und dass will ich hier noch einmal als schlauester in der Runde erwähnen“ plapperte der Fuchs, „die Waldmenschenkinder feiern Weihnachten, dieses Jahr sogar wirklich in echt und ganz wahrheitlich, so wirklich eben, das Weihnachtsfest im Wald.“ „Der Keiler grunzte, richtige Waldweihnacht, mit Kerzen, Punsch und Stollen, den würde ich fei auch gerne wegschlabbern, schmatz, schmatz, grimpf“.

„Aber was ich eigentlich sagen will, als auch der gebildetste hier unter euch: Was schenken wir ihnen?“

„Schenken summten die Wespen? Wieso schenken? WAS ist das überhaupt?“

„Ich habe mal gehört, dass sich dich Menschen Liebe zu Weihnachten schenken, quasi der eine liebt den anderen und alle lieben alle“, gab der schlaue Fuchs zum Besten.

„Das ist wie sein letztes Hemd für jemanden hergeben, wenn man jemanden liebt“ mischte sich endlich auch der Hirsch ein.

„Wir haben doch aber gar keine Hemden, die wir verschenken könnten“ zischte die Ringelnatter und häuten tue ich mich gerade nicht. Der Eichelheer hatte da eine Idee, aber er flüsterte sich den anderen Waldtieren so leise ins Ohr, so dass es kein einziges der Waldkinder hören konnte.

Eines Tages, dann am 21.Dezember einen Tag vor der Waldweihnacht der Kinder rief dann der Wald bei Iris an: „Der Wald hat den Kindern ein Geschenk gemacht, es steht am Mufflonplatz bereit. Bitte gebt jedem einzelnen Kind. Wir hatten keine letzten Hemden, aber etwas anderes, für uns sehr wichtiges. Wir danken allen Waldschraten für das schöne Jahr mit euch und freuen uns auf ein Wiedersehen nach den Weihnachtsferien. Bitte sagt den Kindern, dass sie es erst an Heilig Abend öffnen dürfen“. Iris versprach das zu tun, was der Wald ihr aufgetragen hatte.

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Buchempfehlung – Die Weihnachtsgans Auguste

Die Waldkinder lieben diese Weihnachtsgeschichte. Wie man schon ahnt, geht es um einen Weihnachtsbraten, der nicht so läuft, flattert und sich rupfen lässt, wie geplant. Ganz schön spannend und an einigen Stellen ganz schön erwachsen kindisch, zumindest was den väterlichen Protagonisten anbelangt. Zwischen den Zeilen ist viel zu lesen. Originell und wachsam.

Die Sprache des Buches mutet altmodisch an, ist aber für Menschen wie mich, die dem Mainstreamkurzdeutsch a la Vorzeigepädagogik trotzen, eine Wonne. Wenn ich im Morgenkreis die „seltsamen Vokabeln“ mit den Kindern enträtsle, macht das nicht nur Spaß, sondern bringt ganz neue Wortschöpfungen hervor. Wie schade, dass wir das letzte Kapitel morgen schon lesen.

P.S.: Auguste ist ein Paradebeispiel für Resilienz und dementsprechend geht es ihr heute noch gut.

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Alles Familie von Alexandra Maxeimer und Anke Kuhl Man sieht auf dem Bild eine Frau, die das Buch alles Familie liest

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Was ist alles Familie? Buchempfehlung

Lebensformen im Wandel. Kinder fragen sich zurecht was ist eigentlich alles Familie?

Ich lebe mit meinem Mann und unseren Kindern Patchwork. In meinem Waldkindergarten begegnen mir alle möglichen Formen des Zusammenlebens, die für Kinder von Bedeutung sind. Was ist eigentlich alles Familie? Ein großes Thema für Kinder, weil es in unserer Gesellschaft zunehmend unübersichtlicher wird. Denn: Familienformen nehmen zu, wechseln ab, werden bunt. Ist Blut dicker als Wasser? Ist Familie etwas, was man sich selber aussuchen kann? Im Leben der Kinder kommen Halbgeschwister und Stiefgeschwister dazu. Manchmal fallen Väter weg, soziale und biologische Elternschaft fallen mitunter auseinander und so manches Kind steht mit seiner Mutter oder seinem Vater alleine da. Da ist man ein Kind zweier Väter oder eines, das Vater und Mutter hat, die aber noch jeweils zwei weitere Kinder aus anderen Beziehungen mitbringen. Vielfältig und ganz schön kompliziert. Ich stelle euch heute ein Kinderbuch vor, das diese Frage klärt. Wertschätzend und mit Humor. Es ist erfrischend „unpädagogisch“ und hat aus meiner Sicht zu Recht den Jugendliteraturpreis verdient. 


Alles Familie – Ein Buch von Alexandra Maxeiner & Anke Kuhl 

Die Autorinnen schaffen es, mein Soziologenherz höher schlagen zu lassen. Denn mit diesem Buch liegt eine kindgerechte und herzerfrischende Mini-Vorlesung zum Thema „Soziologie der Familie“ vor. Eine wertschätzende Darstellung mit ansprechenden Zeichnungen aller denkbaren Familienformen. Es gelingt dem Leser, auch den Erwachsenen, die Vielfalt der möglichen Lebensformen als gleichwertige vorzustellen und gleichzeitig den Humor als Stilmittel nicht auszulassen. Dieses Buch mit Kindern gemeinsam zu lesen, mach Freude und schafft Empathie, Toleranz und eine kleine Prise Selbstironie für die eigene Lebensform. Besonders positiv: Das Buch verzichtet auf die Idee, dass es eine „Normalfamilie“ gäbe. Das Buch ist für Kinder ab 5 Jahren geschrieben, kann aber meiner Meinung nach in Auszügen auch schon mit kleineren Kindern gelesen werden. 

Was ist denn jetzt alles Familie?

Da gibt es Regenbogenfamilien wie Tina und Sabine, die sich mit dem homosexuellen Paar Stefan und Andreas die Kinder Carla und Moritz teilen. Es gibt Patchworkfamilien, mit hochkomplizierten Betreuungssystemen, Alleinerziehende, Adoptivfamilien, Einzelkinder, Mehrgenerationenhaushalte, Pflegefamilien, Leihmütter, Wahlverwandte, Blutsbrüder und natürlich auch Mama, Papa und Kind. In manchen Familien ist Anderssein nicht erwünscht, in manchen ein Muss. Mit wunderbaren Zeichnungen arbeiten Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl die Besonderheiten der Familienleben heraus. Du, als Erwachsener, kannst dich hierin sicher an der ein oder andren Stelle wiedererkennen oder deinen Nachbarn. Vielleicht erkennst du auch deine Tante, die Familie des besten Kumpels, deines Stiefsohnes oder die neue Lebenssituation deines Exmannes. Wie auch immer, du wirst erkennen: „Jeder Mensch ist das Kind von jemanden, egal wie alt er ist.“ 

Dein Waldschrat Iris

Kennst du noch mehr gute Bücher zum Thema Familie? Ich freue mich immer über Hinweise zu guten Büchern. 

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vom kleinen Maulwurf, Werner Holzwarth/Wolf Erlbruch. DU siehst wie Nikolaus Griesbeck im Waldkindergarten Grünthal den Kindern das Buch vom kleinen Maulwurf vorliest
Vom kleinen Maulwurf – Literaturempfehlung
Kinderliteratur. Man sieht zwei Kinder, die gemeinsam im WAld auf einer Bank ein Buch lesen
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Gegen Langeweile beim Lesen und ein toller Einstieg für die kleinsten Leser – Mitmach Bücher von Hervé Tullet
Es müssen nicht immer gebastelte oder gekaufte Geschenke sein – Wie Kinder im Waldkindergarten eine tolle Waldweihnacht haben könnenWaldweihnachtsgeschichte
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