By Dr. Iris Osswald-Rinner

Insektenstiche im Wald – Sicherheit für Waldkinder Teil 2

Insektenstiche im Wald sind eine ernstzunehmende Gefahr für Kinder

Die Zecke wird subjektiv als die größte Gefahr im Wald erlebt. Wer aber, wie ich, mit den Waldkindergartenkindern viel im Wald unterwegs ist weiß, dass die akute Gefahr vielmehr durch Insektenstiche aller Couleur besteht. Insektenstiche im Wald sind nicht nur unangenehm, sondern mitunter eine echte Bedrohung. Sie verursachen beispielsweise allergische Reaktionen, die auch lebensbedrohlich sein können oder schmerzhafte Stellen hervorbringen, die oft noch nach Wochen jucken. Und wer schon einmal wie ich ein Kind in ein Erdwespennest hat treten sehen, weiß, dass es besser ist darauf vorbereitet zu sein und einen Notfallplan zu haben. Das gilt nicht nur für Waldkindergärten, sondern auch für Menschen, die mit ihren Kindern im Wald unterwegs sind.


Viele Insekten im Wald stechen und haben üble Ladungen an Bord

Sie sind frech, angriffslustig und sie sind überall. Im Gegensatz zu Zecken, vor denen man sich aus meiner Perspektive, wie ich im Blogbeitrag Zeckenschutz für Kinder berichten konnte, schützen kann, ist der Schutz vor Insektenstichen im Wald relativ schwierig. Denn im Unterschied zu Zecken sind Stechinsekten verdammt schnell.  Bremsen, Stechmücken oder Erdwespen beispielsweise begegnen uns auf unseren Wanderungen permanent. Auch wenn ich mir die Nester der Erdwespen merke, denn diese werden ja immer wieder besiedelt, es entstehen unentwegt neue und ihre Plätze sind unkalkulierbar. Aus meiner Erfahrung kommt man hier mit Achtsamkeit für Insekten im Wald zwar ein Stück weiter, es ist aber mindestens genauso wichtig auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Insektenstiche vorbeugen ist die halbe Miete

Tipp 1: Die richtige Kleidung, um eine Barriere gegen Insektenstiche zu schaffen

Langärmelig, lange Hose, Kopfbedeckung auch im Sommer. Die Kleidung verhindert zwar nicht, dass ein Insekt sticht, sie stellt aber eine Barriere dar, die dem Kind Zeit geben, den Stechversuch zu bemerken und noch abzuwenden, denn die Bremse braucht ja mehr Zeit sich durch den Stoff durchzuackern. Insektenstiche vorbeugen bedeutet, es ihnen so schwer wie möglich zumachen.  Und entgegen der populären Pädagogenmeinung, die das barfuß Laufen im Wald für eine unermessliche Quelle der Selbstfindung halten, sage ich: „Mag ja sein, aber das ist Kindeswohlgefährdung“. Schuhe, wohlgemerkt keine Sandalen ohne Socken, sind ein Muss.

Tipp 2: Sich einsprühen um wenigstens 50% der Insekten im Wald vom Körper fernzuhalten

Ich bin ja in den meisten Fällen für Mittel gegen Alles nicht zu haben. Aber wer zig male zerstochen aus dem Wald sowie ich nach Hause kam und obwohl ich kein Allergiker bin, mit Beulen so groß wie eine Kokosnuss Wochen herumlief, ist bereit zu kapitulieren und sich einzupöffen. Ich habe alle Mittel durch, mit anderen Worten ausgedrückt: Stinkende, klebende, atemraubende, unwirksame, Insekten anlockende, teurere, billige, die ganze Naturpalette rauf und runter. Auch mit dem sagenumwobenen Kokosöl konnte ich mit Ranzelgeruch meinen Mann in die Flucht schlagen, aber nicht die Insekten im Wald. Ich blieb dann bei einem Mittel hängen. Es vertreibt, wie alle anderen Mittel nicht alle und jeden Stechterroristen, aber viele. Hier ist wichtig, dass du dein Kind an den Haaren und im Nacken einsprühst. Den Rest auf die Kleidung aufbringen, dann wird es nicht so schnell weggeschwitzt.

Tipp 3: Finger Weg von süßen Getränken und Brotaufstrichen und Achtung bei Obst, um Insekten im Wald nicht anzulocken

Ich erlebe es immer wieder, dass Eltern ihren Kindern im Sommer Schorlen, viel Obst oder süße Brotaufstriche mit in den Wald geben, kurzum ist das so, als ob du dein Kind mit Leberwurst einpinselst und in einen Hundezwinger mit 12 Doggenwelpen steckst. Damit Bienen und Wespen nicht in die Trinkflaschen geraten, lassen wir sie einfach nie offen stehen. Punkt. So lernen die Kinder ganz nebenbei ihre Trinkflasche auf- und zuzudrehen. Wir helfen natürlich.

Insektenstiche behandeln

Tipp 1: Habe immer die wichtigsten Mittel dabei, um im Fall des Falles  behandeln zu können

Du bist mitten im Wald und ein Kind wird gestochen. Und jetzt? In deinem Rucksack, solltest du als Waldpädagoge und auch als Eltern mit Kind im Wald, ausnahmslos mit den wichtigsten Utensilien gegen Insektenstiche im Wald unterwegs sein. Im Normalfall dürfen Pädagogen keinerlei Medikament verabreichen deshalb lasse ich mir von meinen Waldeltern eine Genehmigung vorab geben, dass ich im Fall eines Insektenstiches angemessen verabreichen darf. Ich habe immer dabei:


Tipp 2: Zurückgelassene Stacheln und Beißwerkzeug sofort  entfernen

Die meisten Insektenstiche im Wald bringen nicht nur Gift in die Haut ein, sondern auch das entsprechende Gerät hierzu wird hinterlassen. Das sollte tunlichst raus.

Tipp 3: Pingelige Beobachtung des weiteren Verlaufs

Habe einen Blick auf die Atmung deines Kindes und die Einstichstelle. Auch noch Stunden später können eingebrachte Gifte echte Probleme verursachen. Behandel die Einstichstelle unbedingt weiter.

Ein Notfallplan für Insektenstiche im Wald, die lebensbedrohliche Symptome verursachen

Bekommt dein Kind Atemprobleme oder hat einen Schock setzte einen Notruf 112 ab. Dein Kind braucht sehr schnelle ärztliche Hilfe. Packe dein Kind nicht in dein Auto, sondern rufe den Notarzt. Das kann Leben retten.

Ein Plan für Waldkindergärten

Tipp 1: Nester sperren und zeitnah beseitigen

Insektenstiche im Wald können für Kinder sehr gefährlich sein. Entdeckte Erdwespennester sind unbedingt großräumig zu sperren und unmittelbar mit Hife des zustndigen Försters oder der Feuerwehr zu beseitigen. Gleiches gilt für Bienen oder Hornissennester, so sie in unmittelbarer Nähe eures Hauptstandortes sind. Hier geht Kindeswohl vor Naturschutz.

Tipp 2: Kinder für Insekten im Wald sensibilisieren

Unsere Kinder sind mit der Gefahr vertraut und werden angehalten bei Entdeckung umgehend Meldung zu machen. Das ist in der Realität mehrfach vorgekommen, dass unsere Vorschulkinder zu uns kommen, um vermehrtes Aufkommen, vor allem im Herbst, von Wespen zu melden. Wenn wir ihnen nachgehen, entdecken wir nicht selten ein Nest in der Nähe unseres Hauptstandortes. Jährlich mindestens ein Hornissen- und ein Erdwespennest.

Tipp 3: Es sollte einen Notfallplan, den alle Mitarbeiter kennen, geben

Besprecht im Team, wie ihr in einem Notfall agieren wollt. Hat jemand von euch eine Ausbildung für Notfallmaßnahmen am Kind? Wer beruhigt die Gruppe und wer das betroffene Kind? Kennt ihr die Funklöcher in eurer Umgebung, wenn ihr wandert und wie geht ihr damit um? Wer dokumentiert den Vorfall und wer informiert in welchem Fall wann die Eltern? Habt ihr eure potentiellen Notfälle schon einmal mit der hiesigen Feuerwehr besprochen? Kennen die Rettungskräfte die örtlichen Gegebenheiten und Zufahrtswege? Kennt ihr euch selber im Wald so gut aus, dass ihr Einsatzkräften eure Koordinaten durchgeben könnt?

Tipp 4: Alles dabei haben und Vorbild sein

Im Sommer im Wanderrucksack und auch am Standort alle erforderlichen Mittel zur Behandlung vor Ort oder dabeihaben. Und da war noch die Sache mit dem Vorbild: Hast du selber langärmelige Kleidung an? Trinkst du Apfelschorle, Cola oder Wasser? Ist deine Trinkflasche zu? Schlemmst du mit offener Brotzeitdose im Herbst Honigmelone und Marmeladenbrot mit Erdnussbuttertopping? Flanierst du barfüßig zu Wahrnehmungszwecken und Erdungserfahrungen über den Waldboden?

Welche Gefahren gibt es für Kinder im Wald?

Dieser Beitrag ist Teil 1 aus der Reihe Sicherheit für Waldkinder. Die anderen Blogbeiträge zu Gefahren im Wald findest du hier: 

Der Wald als forstwirtschaftlicher Raum

Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm für Waldkindergartenkinder?

Zecken

Sonne und Ozon

Hat dir eine wichtige Information gefehlt oder möchtest du etwas fragen. Schreibe mir einen Kommentar ich antworte gerne.

Dein Waldschrat Iris

 

 

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Bildquelle Insekt https://pixabay.com