Waldpädagogik und Naturpädagogik

Gewusst wie!

Bei dem Wort Waldpädagogik ist der erste Gedanke meist: Basteln mit Naturmaterialien.
Doch weit gefehlt, hier geht es um weitaus mehr.
Freilich bastelt man auch ab und an, wenn ein besonderer Anlass in Haus steht wird auch bei uns manchmal Schere und Papier ausgepackt.
Der Hauptfokus jedoch, liegt im Wald und in der Natur ganz wo anders.
Um den Wald als Ressource nutzen zu können, muss man umdenken.
Wie das funktioniert und welche wunderbaren Möglichkeiten uns die Natur in unserer Arbeit bietet, erfährst du hier.
Denn das Arbeiten mit Kindern unter freiem Himmel, bietet so viel mehr als nur das schnöde Nutzen der Materialien.
Lerne eine ganz neue Art der Pädagogik kennen, schätzen und lieben.

Du siehst ein Kind, das sich eine nKorb über den Kopf gestülpt hat

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Und täglich grüßt das Schuldmurmeltier – Warum Schuld sich gewohnt anfühlt und warum ich sie im Waldkindergarten abschaffe

Du bist schuld! Ich bin nicht schuld! Der ist aber schuld! Wer hat schuld? Der hat angefangen! Dann habe ich…! Ich habe gehauen, weil der zuerst die Zunge raus gestreckt hat! Die Kategorie Schuld ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Als hätten unsere Waldkinder sie im Rucksack, direkt neben der Brotzeitdose links. Rucksäcke sind so verdammt schwer und mit Schuld beladen auch wenig nützlich zur Lösung von Konflikten. Warum?


Die Suche nach dem Schuldigen ist immer ein graben rückwärts ohne je am Erdmittelpunkt anzulangen

Theo schlägt Hans, weil der ihn Blödmann genannt hat. Hans hat Theo Blödmann genannt, weil der ihn heute Morgen auf den Fuß getreten ist. Theo hat Hans auf den Fuß getreten, weil Hans gestern geschubst hat. Der hat gestern geschubst, weil er von seinem Bruder daheim geschubst wurde. Der Bruder daheim hat geschubst, weil seine Mutter ihm wegen einer 5 in Mathe eine lautstarke Predigt gehalten hat. Die Mutter war lautstark, weil der Vater den Müll nicht rausbrachte und sie sich geärgert hat. Der Vater bringt nie den Müll raus, denn er musste als Kind immer schon den Müll rausbringen. Ja und irgendwann sind wir dann bei Adam, Eva und dem Apfel angelangt. Und jetzt? Bekommt Eva die Auszeit oder Theo?

Theo bekommt die Auszeit, egal was zuvor geschah

Denn: Schlagen gehört nicht zu den erlaubten Mitteln der Auseinandersetzung im Kindergarten. Die Auszeit ist aufzufassen als eine Zeit zum Besinnen, runter kommen, überlegen. In den allermeisten Fällen schicke ich die Kinder mit einer, nämlich ihrer Frage, je nach Situation, in die Auszeit. An welcher Stelle hättest du etwas anders machen können? Was hättest du anders machen können? Wie kannst du das wieder gut machen? Wie geht es jetzt besser weiter? Wann und wie hätte der andere merken können, dass du dich ärgerst?

Kann und soll ein Pädagoge Schuld überhaupt rekonstruieren?

Nein. Er müsste dann ja alle Kommunikationsprozesse aller Kinder zu allen Zeiten in gleicher Qualität mitbekommen. So eine Art Big Brother für Kinder.

  • Erstens: in der sozialen Realität nicht machbar.
  • Zweitens: Auch für Kinder eher eine Zumutung als eine fruchtbare Situation, denn die haben ein Recht auf Zeiten ohne Lauschangriff.
  • Drittens: Er müsste dann, um die Schuldfrage bis Eva zurückzuverfolgen, ein Elefanten(horden)gedächtnis haben.
  • Viertens: Er müsste richten. Ein Urteil sprechen. Eher ein Gebiet, das der Juristerei zufällt.

Die Kuschelpädagogik ist das schnuckelige Kleid der Schuld

Wir sollten alle gut miteinander auskommen, uns an Regeln halten, es sollte Gerecht zugehen, wir haben uns alle lieb, es gibt Gut und Böse. Und es sollte sich am besten alles kuschelig anfühlen und wer die Waltons-Atmopshäre stört, wird sanktioniert. Der ist Schuld. „Gute Nacht John Boy“. Kinder verhalten sich aber so ganz und gar nicht wie die Waltons.  Wer schon einmal auf einem Spielplatz den Kindern beim Spielen und den Eltern beim Eingreifen zugeschaut hat weiß: dort spielen sich ganze zivilrechtliche Prozesse ab. Alle Seiten werden angehört, Zeugen befragt, Anwälte halten Plädoyers,  es gibt Verhandlungsunterbrechungen, in denen sich die Anwälte mit Außenposten via Whatsapp beraten. Sie enden mit einem klaren rekonstruierten Schuldigen. Der kriegt im schlimmsten Fall einen Platzverweis und muss in irgendeiner Art Buße tun.  Das Wort Ent-schuldigung sagt es ja bereits.  Kinder üben Streit, Eltern üben Richter. Kinder lernen dann nicht streiten, sondern Schuld. Wer haut, zündelt, spuckt oder tritt statt kuschelt, dem wird der Prozess gemacht.  Basta. (PS: Die Waltons ist eine US-amerikanische Familienserie, die  Leben einer Großfamilie  beschreibt.)

Die Resonanzpädagogik ist er Altkleidersack für das schnuckelige Kleid

Wir gestalten den Rahmen des Kindergartens so, dass Kinder hierin geschützt streiten üben dürfen. Konflikte sind wichtig. Die darin vorkommenden Gefühle, wie Macht und Ohnmacht, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Wut und Ärger, sich Einsetzen für eigene und fremde Belange sollten sein. Konflikte bringen Lösungen hervor, öffnen den Blick nach vorne. Kinder sind nicht qua Geburt gerecht oder ungerecht. Moral und einen Sinn für Regeln entwickelt sich erst in der sozialen Realität mit anderen. Und die ist mitunter nicht immer nur angenehm in der lebendigen Kommunikation. Und die wird geübt, geübt, geübt. Lebendig bedeutet: sie trägt Unwägbarkeiten in sich, sie ist dynamisch, es geht auch einiges schief, sie lässt Fehlverhalten zu, sie reflektiert, sie lässt Luft für kreative Lösungen, sie schaut nach vorne und nicht zurück, sie sucht nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen, zielt auf Resonanz und nicht auf Harmonie. Der Pädagoge ist Teil des Geschehens, dynamisch, eigenverantwortlich und in wertschätzender Kommunikation mit den Kindern. Er gräbt nicht zum Erdmittelpunkt, sondern gibt Hilfen und Impulse, er hat Humor und einen Draht zu den Kindern, er schützt vor Unzumutbarkeiten und ist Vorbild im eigenen Streitverhalten. Er hat ein aufrichtiges Interesse daran von Kindern zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Er hält Streit aus und wägt Interventionen gut ab. Regelverstöße sind nichts weiter als Regelverstöße. Sie haben nichts mit dem Gefühl Schuld, gut oder böse gemein.

Und täglich grüßt das andere Murmeltier

Jeden Tag legen wir neben die Brotzeitdose links einen Fingerhut voll Resonanz. Die ist nämlich so leicht wie Helium. Irgendwann dann wird der Rucksack leichter und die Schuld geht auf irgendeiner unserer Wanderungsbewegungen durch den Wald verloren. Und wer Lust hat, Konflikte bis zu Adam und Eva zurückzuverfolgen kann sie mit nach Hause nehmen und dort mit der Familie, mit den Nachbarn, dem Chef, den Arbeitskollegen, den Radelfahrern, Hundebesitzern oder sonstwem gemeinsam hegen und pflegen. Wer keine Lust hat ist herzlich eingeladen von unseren Waldkindern zu lernen, denn die haben das schon richtig gut drauf mit dem Streiten und der Resonanz.

Dein Waldschrat Iris

Wie denkst du über das Thema Schuld im Kindergarten? 

 

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Biberforschung im Waldkindergarten

In meinem Waldkindergarten gehen wir regelmäßig Wandern. Unser großes Glück: Wir wohnen Tür an Tür mit zwei Biberfamilien. Da ist es ein leichtes das Forscherherz der Kinder für das Thema Biber zu entfachen. 

 


Warum brechen dem Biber die Zähne beim Baum fällen nicht ab?

So die Frage vieler Kinder nach der Biberwanderung. Wenn wir mit unseren Zähnen Bäume fällen, brechen die doch ab oder? Wie macht der das? Das Forscherherz der Kinder war geweckt und das sind natürlich die Momente, in denen das Pädagogenherz hüpft. Also nix wie hin in meinen großen Keller und in der Rubrik naturwissenschaftliche Bildung wühlen. Am nächsten Tag bin ich einem Biberschädel, einem Biberfell, einem Fundstück mit Nagespuren und sämtlichen Büchern angerückt. Unsere Waldkindergartenkinder haben damit die ganze Woche Biberforschung betrieben.

Darum müssen Biber keine Zähne putzen. Wie unfair

Biber haben nämlich ständig nachwachsende Zähne mit einem absolut eisenharten Zahnschmelz. Die Kinder konnten den mitgebrachten Schädel untersuchen und die nachwachsenden Zähne herausziehen. Schwer beeindruckt von der Länge der Zähne und dem orangefarbenen Zahnschmelz diskutierten sie wieso denn bisher kein Mensch herausgefunden habe, wie sowas funktioniert. Zitat: „Also ich werde Wissenschaftler und erfinde so eine Zahncreme. Dann braucht man ja höchstens einmal im Jahr die Zähne putzen. Ich nenne die dann Biberzahncreme. Nur orange kann die nicht sein. Das sieht ja blöd aus“.

Wie ist der denn hier ums Leben gekommen? Warum bringt man die um?

Während der Forschung in der Kleingruppe fragten sich die Kinder natürlich, wie kommt die Iris an so ein Fell und einen Schädel. Gegenfrage: „Was denkt ihr denn?“. Antworten: „Der war schon sehr alt und ist gestorben“, „der ist zusammen gefahren worden“, „der wurde erschossen und gegessen“, „jemand hat gefroren und ihn wegen dem Fell umgebracht“, „der ist bei dem Kampf um sein Revier ums Leben gekommen“. Ich brauchte nichts mehr hinzuzufügen alles stimmt. Man muss nur die Kinder fragen.

„Ich würde mir aus dem Biber ein Kopfkissen machen, ist so schön weich.“

Die Kinder waren fasziniert von dem weichen Fell. „Fast so weich wie das von der Brunhilde. Aber nur fast“. Die haptische Begegnung mit dem Fell haben die Kinder sehr genossen. Einige haben es sich nicht nehmen lassen das Fell mit dem Gesicht zu ergründen. Die Augen wurden gesucht, die Ohren inspiziert und der Schädel unter das Fell gelegt, um zu sehen wie der Biber wohl ungefähr ausgesehen hat. Sternstunden für mich. Kinder sind Forscher und wenn man sie lässt und die Antworten nicht gleich raus haut, dann gehen sie jeder Sache auf den Grund. Sie machen sich die Welt zu eigen. Das ist mehr als bloßer Wissenserwerb. Und wenn man, so wie ich jeden Tag dabei sein darf, verändert man sich mit den kleinen Forschern mit. Ich weiß jetzt „Die Welt braucht Biberzahncreme“. Da hätte ja eigentlich längst ein Erwachsener drauf kommen können.

Dein Waldschrat Iris

 

Eine tolle Bibergeschichte , die sehr ans Herz geht. 

 

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf die Links klickst und eines oder mehrere Produkte kaufst, bekomme ich ein kleines Honorar. Das Produkt wird dadurch nicht teurer für dich.

Biberwanderung. Man sieht Kinder, die um einen von einem Biber gefällten Baum sitzen und staunen.

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Unsere Biberwanderung

Das Wandern ist des Waldschrats Lust

Das Wandern ist für unsere Gruppe ein wichtiger Bestandteil des Walderlebens. Wir erforschen unsere Wege zu allen Jahreszeiten, Jahr um Jahr. Die Kinder sind stolz darauf sich im Wald auszukennen, die Wege zu finden, lange Strecken laufen zu können und den Wald so gut zu kennen, dass die kleinen und großen Veränderungen auffallen. So auch heute. Unsere Route zum „grünen Platz“ führt an einem Biotop vorbei. Höchst persönlich errichtet von unserem Freund, dem Biber. Der erste Besuch unsererseits in diesem Jahr. Aber:

Wo ist unser Biber hin?

Als wir an seinen Bau herantraten machte dieser einen ungepflegten und verlassenen Eindruck. Unser Biber würde niemals in so einer „Bruchbude“ wohnen. Wir machte uns auf die Suche. Wilde Spekulationen über ein mögliches Ableben, einen Unfall oder eine Auswanderung machten die Runde. Auf dem Weg entlang des Bibersees haben wir dann frische Biber-Sägespäne und einen umgelegten Baum entdeckt. Puh. Erleichtert. Hier tut sich etwas. Auch einige picobello restaurierte Lehmdämme konnten wir zählen. Es muss ihn also geben. Aber wo?

Die Entdeckung

Wir wanderten und wanderten und entdeckten ganz am Ende der „Biberseenplatte“ einen neuen Abschnitt. Sehr sorgfältig hatte er ein neues Stück Wald angestaut und es sich dort in einer neuen Biberburg gemütlich gemacht. Top ordentlich und gepflegt, sowie es seiner Biberfrau (Biber leben nämlich monogam) sicher gefällt. Wir sind uns absolut sicher: Im Mai wird es Nachwuchs geben. Darauf sind wir gespannt.

Der grüne Platz und das Picknick

Um 12.oo Uhr sind wir dann an unserem grünen Platz angekommen. Dort wurde kurzer Hand in Eigenregie ein Biberbau nachgebaut. Wald-Ingenieure sind hungrig und deshalb haben sie das komplette Picknick dann auch weggeputzt. Obwohl der Wanderweg einige Steilhänge hatte, haben alle Kinder den Rückweg gut geschafft und konnten die Zeit noch mit ratschen genießen. Einige fanden auf die schnelle noch ein paar Dinospuren, andere einen Berg Federn und wieder andere packten sich die Hosentaschen voll mit Biber-Sägespänen.

Ein wirklich toller Frühlingstag

Eine tolle Bibergeschichte -last minute Ostergschenk- , die sehr ans Herz geht

 

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf die Links klickst und eines oder mehrere Produkte kaufst, bekomme ich ein kleines Honorar. Das Produkt wird dadurch nicht teurer für dich.

 


Kinderkonferenz

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Eine Kinderkonferenz zum Thema Geburtstagsgeschenke im Waldkindergarten

Aber wie jetzt? Nachhaltig, nix Gekauftes, etwas wirklich Brauchbares, kein Bastelkrimskrams (die Sache mit dem Personal übt Scherenschnitt entfällt bei uns), gerecht, von Herzen geschenkt? Da hilft keine Teamsitzung. Kinder fragen und  Kinderkonferenz zum Thema Geburtstagsgeschenke durchführen. Und wer sonst, als unseren tollen Waldschrate, soll sich so tolle Geburtstagsgeschenke ausdenken?


Unsere Waldschrate wünschen sich Gutscheine

Wir trafen und im Tipi und hielten eine Kinderkonferenz. Sehr schnell entschieden sich unsere Waldschrate für Gutscheine. Auch was sie inhaltlich festlegten ging rucki zucki. Sie haben uns mit ihren Ideen absolut überzeugt. 

  • Rucksackservice (der Rucksack wird von uns getragen, ausgepackt, eingepackt, zurückgetragen)
  • Männertag mit Waldarbeiten (Nikolaus macht mit Werkzeug Waldarbeiten und der Gutscheininhaber hilft)
  • Nachspeise vor Hauptspeise
  • Ein Mittagessen wünschen
  • Ein Tag auf der „Leitungsbank“ sein dürfen
  • Eine Jeepsafari (Das Kind darf mit einem Elternteil mit unserm Jeep morgens in den Wald fahren und alle Utensilien an den Platz bringen)

Selbst gebastelte Gutscheinbox

Die Gutscheinbox haben die Kinder selber gebastelt und mit Moos befüllt. Wir haben die Box seit sechs Monaten im Test und sie kommt super an!

Allerdings schummeln wir ein wenig. Wir bemühen uns vorher herauszufinden welchen Gutschein sich ein Kind wünscht. Den hat es dann immer wie gezaubert auch in der Box. Die beliebtesten sind Gutscheine sind „Männertag“, auch bei den Mädchen und „Jeepsafari“ (am liebsten mit Beifahrerin Brunhilde wie unten zu sehen ist. Während der Fahrt natürlich in der Hundebox)

Dein Waldschrat Iris

Welche Erfahrungen und Ideen habt ihr mit dem Thema nachhaltige Geburtstagsgeschenke im Waldkindergarten? 

 

 

 

 

Tischssprüche Holzwürfel Tischspruch

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Abgehangene Tischsprüche versus – das können wir selber

Wer kennt das nicht? Gähnende Langeweile. Die Erzieherin bringt einen Tischspruch mit, die Kinder lernen und reproduzieren ihn. „Das können wir doch selber!“ Stimmt.


Wie Kinder selber einen Tischspruch erfinden

Wer kennt das nicht? Gähnende Langeweile. Die Erzieherin bringt einen Tischspruch mit, die Kinder lernen und reproduzieren ihn. „Das können wir doch selber!“ Stimmt. Unsere Waldkindergartenkinder sind nämlich Dichter und Denker und ich wäre ja verrückt diese Quelle kindlicher Dichterfreude nicht zu nutzen und zu fördern. Wie? Die Kinder malen einfache Holzwürfel nach Themenbereichen an. Wir haben zum Beispiel einen für Farben, einen für Waldtiere, einen für Pflanzen, Körperteile usw. Nun Würfeln wir in lustiger Runde jeden Würfel einmal. Die gewürfelten Begriffe werden dann gemeinsam zu einem Tischspruch in Gedichtform gestaltet. Die Motivation ist hoch, jeder macht mit und vor allem sind die Ergebnisse besser, als alle Tischsprüche, die ich in Büchern und im Internet finden konnte. Die Würfelkombinationen sind vielfältig. 

Ein Beispiel für einen selbst erfundenen Tischspruch

 

Haselmaus, Eichhörnchen und schlauer Fuchs.

Jetzt kommt unser Spruch.

Drum pssst! Keinen Mucks.

Schnippi, schnappi, schnippi.

Wir essen heut´im Tipi.

Und wenn wir wollen,

suchen wir danach noch nach Gold.

Doch dazu braucht man Kraft und Mut.

Drum esse und trinke gut!

 

 

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf die Links klickst und eines oder mehrere Produkte kaufst, bekomme ich ein kleines Honorar. Das Produkt wird dadurch nicht teurer für dich.

Melde dich für unseren Newsletter an! Du erhälst einmal im Monat die neuesten Infos zu unseren Beiträgen! Einfach oben rechts deine Emailadresse eintragen und du bist auf dem Laufenden.

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Das war übergestern – Ein Beispiel wie Kinder sich die Zeitachse über Sprache erarbeiten

Sprachspiele mit der Zeitachse

Leoni (Name geändert) zeigt mir stolz ihr Pflaster an ihrem Zeigefinger. Ich frage sie „Wie hast du das denn gemacht?“ Sie antwortet aufgeregt: „Ich habe Mama beim Kochen geholfen und mir übergestern in den Finger geschnitten.“ Ich hake nach und frage: „Wie viele Tage sind denn übergestern von heute entfernt?“ Leoni schlägt die Stirn in Falten und rechnet an ihrem Pflasterzeigefinger an der rechten Hand  (Finger für übergestern) in Richtung kleiner Finger. Beim Ringfinger (Finger für heute) macht sie halt und antwortet: „Zwei Tage. Also so viele Finger hier“.

Ich bin begeistert von der Fähigkeit der Kinder Zeit in Bilder und Worte zu fassen.

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Rucksackpädagogik – Ein Waldkindergarten to go

Was ist Rucksackpädagogik?

Unser harter Winter im Waldkindergarten

Der Winter im Waldkindergarten ist mitunter hart. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe die Kinder glücklich, einigermaßen trocken und wenn möglich auch warm wieder an den Bringplatz zurück zu bringen. Einerseits können wir Pädagogen uns Tag für Tag vorbereiten , andererseits stellen uns Wald, Wind und Wetter jeden Tag vor neue Herausforderungen. Denn: Im Winter heißt es für uns in Bewegung bleiben. Und gleichzeitig den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan umsetzen. Da hilft Rucksackpädagogik.

Der Rucksack eines Waldpädagogen ist spannender als jede Damenhandtasche!

Kurz formuliert. Jeder von uns hat einen Rucksack dabei, in dem neben den üblichen Standards, wie erste Hilfe Material, Wechselwäsche, Taschentücher, Wanderkarte, Feuchttücher, Notfallplan, eine Glocke, Einmalhandschuhe, Anwesenheitslisten usw. auch unser ganzes pädagogisches Zubehör auf einigen Quadratzentimetern seinen Platz findet.

Die Glocke darf übrigens in keinem Rucksack fehlen, denn die Kinder sollten auf deren Geläut sofort angerannt kommen. Es gibt im Wald zahlreiche Situationen, bei denen das der Fall ist. So erspart man sich zusätzlich „Geschreie“, um die Kinder, die Gefahr laufen außerhalb Sicht- und Rufweite zu kommen, zurückzuholen.

Der Rucksack eines Waldpädagogen ist so etwas wie ein Kindergarten to go

Jeder Mitarbeiter hat so seine Vorlieben. Verena zum Beispiel hat unser jeweils aktuelles Liederheft dabei, Geschichtenwürfel, Becherlupe, unser Waldregelgedicht, Abfalltüte, Augenbinde für Waldfühlungen und die Auszeitsanduhr.

Nikolaus schleppt sämtliche Werkzeuge mit und wir sind froh, dass seine Motorsäge nicht in den Rucksack passt.

Ich bevorzuge das Herumschleppen einer zusammenfaltbaren Picknickdecke, einer Iomatte, Bücher und Bildkarten zum Identifizieren von Tieren, Bäumen, Pflanzen und Tierspurenkarten, Lupen, Taschenmesser, Insektenstaubsauger, kleine Tüten für den Rücktransport geborgener Schätze (wie Schädel, Vogelnester, Vogelfedern, wertvolle Edelsteine, Katzengold), Stethoskop zum Abhorchen der Bäume, Kreide und einige Blätter Papier.

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf die Links klickst und eines oder mehrere Produkte kaufst, bekomme ich ein kleines Honorar. Das Produkt wird dadurch nicht teurer für dich.

 

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Abgehangene Tischsprüche, gähnende Langeweile versus – das können wir selber

Der bunte, bunte Römer.

 

Wer kennt das nicht? Gähnende Langeweile. Die Erzieherin bringt einen Tischspruch mit, die Kinder lernen und reproduzieren ihn. „Das können wir doch selber!“ Stimmt.

Unsere Waldkindergartenkinder sind nämlich Dichter und Denker und ich wäre ja verrückt diese Quelle kindlicher Dichterfreude nicht zu nutzen und zu fördern.

Wie? Die Kinder malen einfache Holzwürfel nach Themenbereichen an. Wir haben zum Beispiel einen für Farben, einen für Waldtiere, einen für Pflanzen, Körperteile usw. Nun Würfeln wir in lustiger Runde jeden Würfel einmal. Die gewürfelten Begriffe werden dann gemeinsam zu einem Tischspruch in Gedichtform gestaltet. Die Motivation ist hoch, jeder macht mit und vor allem sind die Ergebnisse besser, als alle Tischsprüche, die ich in Büchern und im Internet finden konnte.

Ein Beispiel:

Gewürfelt wurde: bunt, Römer, Döner, Speer, Hund

Tischspruch:

Es war einmal ein bunter, bunter Römer.

Der hatte Lust auf einen bunten, bunten Döner.

Doch das war ganz schön schwer,

denn der bunte, bunte Döner steckte auf einem Speer.

Da kam ein bunter, bunter Hund und warf den Speer einfach um.

Da bückte sich der bunte, bunte Römer und schnappte sich seinen bunten, bunten Döner.

Guten Appetit!

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn Du auf die Links klickst und eines oder mehrere Produkte kaufst, bekomme ich ein kleines Honorar. Das Produkt wird dadurch nicht teurer für dich.

 

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Kinderkonferenzen – Kinder als kompetente Problemlöser – mehr davon! Beispiel zum Thema Süßigkeiten

Anlass für die Kinderkonferenz

Viele neue Kinder konnten die einstmals von den Kindern festgelegten Regeln zum Thema Süßigkeiten nicht nachvollziehen, da sie am Entscheidungsprozess keinen Anteil hatten und die meisten Entscheidungsträger längst in die Schule gehen.

Vor der Umsetzung beschäftigten wir uns in einigen Morgenkreisen mit dem Thema Süßigkeiten und Zucker. Ich frage die Kinder, was sie über das Thema wissen.

 

Freies Erzählen über Süßigkeiten – eine Zusammenfassung

„Also ich finde es gut, dass wir keine Süßigkeiten mit in den Kindergarten bringen. Das sollte so bleiben. Das ist gerecht für alle.“

„Süßigkeiten sind lecker. Das sind Gummibärchen und Schokolade.“

„Genau, und die vielen Geburtstagskuchen“.

„Wenn ich viel davon esse, bin ich ganz zappelig.“

„Meine Milchzähne schmilzen davon.“

„Meine Zähne werden davon ganz dünn.“

„Meine neuen Zähne fallen dann raus.“

„Wenn man zu viel davon isst kann man sich ja überhaupt nicht mehr konzentrieren.“

„Wenn ich Durchfall habe und dann noch Zucker esse, wird alles noch sehr viel schlimmer.“

„Ich kann mich mit so viel Zucker gar nicht ruhig halten.“

„Ich glaube, dann ziehen Karius und Baktus bei mir ein.“

„Es gibt bessere Energie für den Körper.“

„Ich esse gerne Süßigkeiten.“

 

Frage an die Gruppe: Habt ihr Ideen, wie wir den Umgang mit Süßigkeiten im Waldkindergarten regeln sollten?

„Keine Süßigkeiten mit in den Kindergarten bringen (alle stimmen sofort zu).“

„Gesündere Sachen, irgendwie ohne Zucker, zum Geburtstag mitbringen“

„Nicht so oft und so süßen Nachtisch im Waldkindergarten.“

„Ich kann doch Smoothies mitbringen, wenn ich Geburtstag habe.“

„Die Eltern können noch tolle Rezepte machen. Ohne Zucker.“

 

Wir sammeln die Beiträge und die Kinder diskutieren, bis sie zwei Modelle entwickelt haben, die in einer Geheimwahl zur Abstimmung stehen.

Modell 1 Bildsymbol Apfel: Wir bringen zu unseren Geburtstagen nur tolle Sachen mit. Keinen Kuchen mehr. Obstsalat, Joghurt, Nüsse, Smoothies und so. In der Woche gibt es nicht immer Nachtisch und wenn doch dann ohne Zucker.

Modell 2 Bildsymbol Kuchen und Süßes: Wir bringen zum Geburtstag gar nichts mit und Iris macht 1x in der Woche einen süßen Nachtisch mit Zucker, an den andren Tagen gibt es Obst.

In der Geheimwahl (die Kinder zählen selber aus) gewinnt Modell 1 mit 11 zu 10 Stimmen. Das Personal durfte mit wählen.

 

By Dr. Iris Osswald-Rinner

Es müssen nicht immer gebastelte oder gekaufte Geschenke sein – Wie Kinder im Waldkindergarten eine tolle Waldweihnacht haben könnenWaldweihnachtsgeschichte

Eine Waldweihnachtsgeschichte

Unsere Waldweihnacht mit Kinderpunsch und Stollen war sehr schön. Wir haben es uns auf unserem Mufflonplatz gemütlich gemacht. Mit Schaffellen im Kerzenschein eine Weihnachtsgeschichte für unsere Kinder geschrieben. Alle Namen sind anonymisiert.

Wir wünschen allen Menschen ein friedliches und besinnliches Weihnachten!

Das Waldkindergartenteam

Eines Tages wurde dem Wald so kalt, er fühlte sich ganz alleine und es wurde ihm langweilig. Er berief eine Waldkonferenz ein und beriet sich mit seinen Bewohnern.

Die Wildschweine sagten: „Recht hast du. Nach Wurzeln graben Tag ein Tag aus, was für ein Graus“.

Der Eichelheer zwitscherte. „ Naja. Wenn ich durch den Wald flattere, ist es schon sehr still geworden hier im Grünthaler Wald.“

Auch der Biber meldete sich zu Wort: „Ich säge, und säge hier Baum um Baum und nix und niemand interessiert sich für meine Waldkunst.“

Die Waldkonferenz entschied, das müsse sich alsbald ändern. Das Mäusebussard Pärchen berichtete von ihren Rundflügen und sie plapperten ganz aufgeregt von einem fernen Wald, in dem Kinder tobten. Das sei lustig, aufregend und erheiternd. So beschlossen sie einstimmig, und sogar die Rehe waren einverstanden, Kinder zu sich in den Wald einzuladen.

Der Wald rief Iris, Nikolaus und Verena an und auch die Gudrun und fragten: „Habt ihr nicht Lust einen Waldkindergarten zu machen?“. „Klar“, sagten alle drei, machen wir. Und schwubbel die wubbel kamen lauter Kinder zur Freude der Bäume, der Tiere und der Pflanzen in den Wald.

Eines Tages kam auch Karl. Er war so verzweifelt, dass er Iris gleich am ersten Tag in ihr Bein Biss. Man oh Meter dachte sich die Iris, ob da der Wald einverstanden ist? „Ja klar“, sagte dieser, „der Karl gehört zu uns“. Und der Wald sollte recht behalten. Der Karl gehört zu uns. Karl ist nämlich ein toller Hundetrainer. Für Bruni ist er sogar Möhren und Gurken. Neuerdings sogar Äpfel. Er kommt bald in die Schule. „Ganz schön schlau“, raunten die Tiere des Waldes. „Der Karl, der hat´s drauf und deshalb darf er im neuen Jahr den ein oder anderen Morgenkreis leiten.“

„Bravo“ riefen alle Tiere.

Neuerdings ist der Morgenkreis ja sehr belebt. Seitdem die kleine Philosophin Lana in den Waldkindergraten geht, kommen sogar Amsel, Drossel Fink und Star herangeflattert und hören zu. Der Wald sollte recht behalten. Kinder sind gut für den Wald. Aber ist der Wald auch gut für Kinder?

Ja klar, da spielt doch der Thomas Tag ein Tag aus und ist sogar schon ein schlauer Fuchs. Die Waldmäuse haben sogar von Gerüchten gehört, die die Ameisen verbreitet haben, er wäre sehr talentiert beim kochen. Der Wald fragte also die Verena: „Hey, der Thomas soll mehr kochen, hier riecht es immer so gut.“ „Klar“ antwortete sie, „der kann doch glatt im nächsten Jahr die Kochassistenzlizenz machen“. Mensch, das wird dem Thomas gefallen.

Aber da meldete sich das Eichhörnchen zu Wort: „Aber die Birgit, die mutige, und starke, meine süße Birgit, die kann doch mindestens genauso gut kochen. Das ist aber unfair wenn Thomas die Kochassistenzlizenz macht und Birgit nicht.“

„Ok sagte der Wald, richtig, ist richtig, gerecht ist gerecht.“ Er telefonierte mit Nikolaus und dieser stimmte zu, dass auch Birgit im neuen Jahr die Kochassistenzlizenz machen darf.

„Kinder, im Wald, die kochen, quack, quack“ schnatterte die Ente. Und wie das immer duftet. Guuuut.“

„Ja, warf der Keiler ein, da können die beiden ja gleich die Brotzeit für den Wandersmann Stefan herrichten.“ Der Keiler schwärmte: „So einen Wandersmann hatten wir ja noch nie im Wald. Ich sehe ihn jeden Tag und schnüffele ihm hinterher. Der läuft und läuft und läuft. Der kann sogar anderen Kinder mit seiner Wanderbegeisterung anstecken. Super. Echt toll,“ grunzte er und wedelte mit seinem kurzen Stummenschwanz.

Die Mistkäfer, die Hirschkäfer, die Marienkäfer, alle applaudierten mit ihren kleinen Flügeln. „Endlich ist hier was los im Wald.“

„Ja“ sprach die Regenwurmfamilie von und zu Reim, und kringelte sich vor Lachen. „Wenn der Christoph durch den Wald flitzt, dann bebt der Boden. Das ist unsere Turnstunde, dann kringeln wir uns rund. Er lacht und tobt und schnitzt, er kaum auf den Boden sitzt. Und da der Christoph schon schnitzt macht er im nächsten Jahr ganz wunderbar eine Assistenzlizenz, ganz und gar, traritrallallarlar. Hier geht’s rund das ist gesund.“

Ernst runzelt die Wespe die Stirn und summte: „Ja, hier ist endlich richtig was los. Summ, summ, hi, hi ich ärgere die Kinder jedes Jahr, besonders ärgere ich den Dirk. Ich fliege um seine Nase herum, immer dann wenn er so toll spielt. Das macht mir Spaß. Aber der Dirk war so unheimlich schlau, dass er mich verpetzt hat. Aus die Maus. Iris und Nikolaus haben das Erdwespennest gefunden und uns umgezogen. Jetzt können wir die Kinder nur noch aus der Ferne sehen.“

„Ne, den Michael sehe ich von ganz nah“ schmatzte der Igel in die Runde und tat seiner Freude frohe Kunde. „Letztlich habe ich gesehen, wie er und jetzt hört alle genau hin: Einen Apfel aß mit allem Drum und Dran, Sim sa la Bim. Das hat ihm keiner zugetraut und dann hat die Iris wohl in die Röhre geschaut. Na den Rucksack packt er sowie von ganz allein und hüpft durch den Wald auf einem Bein. Ich sag euch ohne Michael ist es hier nicht wild genug für mich.“

Der Wald seufzte zufrieden. Jeden Tag stellte er für die Kinder die Bäume auf. Sie klettern rauf und sie klettern runter. Das macht ihm Spaß, solange sie keine Äste und Blumen abknicken. „Ja, ja lobte er, so wie die kleine Nicole, die ist immer lieb mit Tieren, Bäumen und Pflanzen. Die tut uns nix. Die achtet auf uns.“ „Nicole ist ja auch ein schlauer Fuchs der Zukunft“ antwortete das Springkraut. Die kennt sich aus. Da haben alle Kinder ein gutes Vorbild in der Nicole, spring, spring, ja,ja.“ „Nicole ist ja auch ein schlauer Fuchs der Zukunft“ antwortete das Springkraut noch einmal. Die kennt sich aus. Da haben alle Kinder ein gutes Vorbild in der Nicole, spring, spring, ja, ja.“ „Musst du immer alles zweimal sagen?“ fragte die Eiche das Springkraut. „Ja, ja, klar, klar, spring, spring“. So wie Simon unser Reporter, der sagt auch alles zwei Mal. So wie Simon unser Reporter, der sagt auch alles zweimal. Spring. Spring. Den mag ich deswegen so gern, den mag ich deswegen so gern.“ Alle lachten. Gut das Simon so ein toller Kerl ist und sich immer Mühe gibt, mit allem und immer wieder unermüdlich, da kann man auch zweimal gut hinhören. Aber auch die Lehrer wenn er in die Schule kommt, wenn er in die Schule kommt Spring, spring?“ fragte das Springkraut. „Och antwortet Verena, der ist verdammt schlau. Er wird das hier im nächsten Jahr sicher noch üben, alles nur einmal zu sagen. Da bin ich sicher“.

Es mischte sich der Baummarder ein: „So wie Frank vielleicht, der alles herausweint. Der will, wenn er keine Lust hat nix reden. So frech wie ich, finde ich richtig gut. Ich mag Frank“. „Wir auch“ antworteten alle im Chor. Der Wald fragte sich, warum weinen für Kinder so toll ist. Wenn seine Bäume weinten war das eher ein schlechtes Zeichen. Ein Rätsel diese Kinder, ein Rätsel. Aber der Frank ist vielleicht viel müde und wird wenn er in den Winterferien schläft sicher im neuen Jahr weniger weinen, weil er Pause hat. Auf Frank ist verlass, da war sich der Wald sicher.

Und dann kommt ja auch noch Weihnachten, da freuen sich doch alle Kinder. Oder? „Auch der Björn?“, fragte der Fischreiher, der immerzu Fische fischte am Fischteich am unteren Platz. Extra wegen Björn war er nach oben geflogen. Er ist ja normalerweise eher scheu, darum mag er den Björn auch so gerne. Er hat sich in letzter Zeit sehr gefreut über Björns Fortschritte beim Helferdienst und richtig mit den Flügeln geklatscht hat er bei den Morgenkreisbeiträgen von Björn. Toll fand er ihn. Aber auch wenn Gudrun liest steht Herr und Frau Fischreiher ausnahmsweise nicht bei den Fischen, sondern am oberen Bauwagen und lunzen durch die Fenster. Gudrun war ihnen eine Herzensangelegenheit. Bei Wind und Wetter stiefelt sie zu den Waldkindern um ihnen vorzulesen. Alle Achtung. „Ich höre auch gerne zu“ sagte der Wald.

„Ich höre aber auch gerne den Kindern zu“ flüsterte ein Kitz. „Vor allem mag ich gerne die Judith hören, die hat nämlich Faust dick hinter den Ohren.“ „Ja, was redete die denn so?“ fragte die Bache. „Na ja, wenn du immer so laut grunzt kannst du ja die Judith nicht hören. Die redet nämlich tolle Sachen, sie ist eine echte Freundin, sag ich euch. Man muss ihr nur zuhören.“ „Ach, so“, grunzte die Bache erfreut, dann grunze ich eben leiser“. „Ja, genau riefen“ die Waldameisen im Chor, mehrstimmig sogar. „Wenn alle so leise wären wie wir, dann könnte man zum Beispiel auch mitbekommen, wie Peter tolle Phantasiegeschichten erzählt, Erfindungen macht und neue Wörter erfindet.“ Den Peter belauschen wir jeden Tag mit großer Begeisterung und erzählen seine Geschichten unseren Ameisenbabys zur Nacht.“

„Der Helge, zum Beispiel, der ist sehr leise, viel zu leise, ich glaube er vermisst seinen Freund Markus sehr“, sagte der Luchs. „Uhuhuh“, rief der Uhu, der Helge hat ihn doch längst gefunden. „Uhuhuhuh“, der Markus kommt nicht mehr in den Wald, denn er trifft seinen Freund im Hauskindergarten bald.

„Oh ist das schön, dann wird er ihn wieder sehn“, riefen alle und klatschten in die Hände. Genau, dafür sprechen aber die Mädchen hier Bände, denn die haben ihre Freundinnen hier bei mir. Die haben ein richtiges Glück.“, sprach der Wald. Karla, Heike und auch die Christiane sind feste Freundinnen. Ich freue mich über Karla, die so schön kocht und spielt und so friedlich mit den Tieren des Waldes ist. Auch ihrer Schwester Heike, sehe ich gerne zu. Ihr müsst euch mal vorstellen: Im letzten Jahr hat sie sämtlichen Kindern das Schleifen Binden beigebracht. Ein Augenschmaus sage ich, ein Augenschmaus“ schwärmte der Wald.

„Ja und jetzt zu Weihnachten haben die alle gemeinsam einen Mufflonplatz gebaut. Und für mich Waldeinhorn ist sogar ein Stall dabei. Das ganze Dach hat Christiane eingedeckt, mit ihren Freundinnen. Christiane hat ein feines Gefühl für Waldeinhörner. Wir sind sehr sensibel, sehr speziell. Das versteht nur Christiane. Wenn ich sie beobachte, möchte ich direkt mit ihr spielen. Aber Waldeinhörner können ja nur Nachts spielen. Leider. Aber ich kann ihr ja weiter zusehen wie sie spielt, singt und lacht.“

Der Fuchs kam angaloppiert und rief: „Hey, ist der Manfred hier?“

Alle fragen

Alle riefen „Ja“.

„Puh“, sagte er, „ ich habe ihn vermisst, er war jetzt letzte Woche krank, habe ihn überall gesucht. Jetzt bin ich aber froh. Der ist nämlich ein schlauer Fuchs. So wie ich. Hi, hi. So fleißig wie ich, hi, hi. Und so schnell wie ich, hi, hi.“ Darum bin ich ihm immer auf den Fersen, da habe ich Abwechslung im Wald. „Na ja, sagt der Dachs, „Abwechslung bringen hier noch ganz anderen Waldschrate rein. Der Helmut zum Beispiel. Stellt euch vor der ist jetzt kein Ritter mehr, sondern ein Römer. Deshalb auch der verrückteste Tischspruch der Welt. Der Helmut  sollte deshalb dringend im neuen Jahr den Schnitzführerschein machen. Ein Römer muss schnitzen können, das ist doch klar.“

Ja liebe Waldfreunde, eines ist klar, brummte der Wald, seitdem wir die Waldschrate vom Waldkindergarten bei uns haben, ist alles schöner, interessanter, abenteuerlicher, bunter, fröhlicher und manchmal auch trauriger, aber dann auch wieder lustiger, fantastischer und ein bisschen lauter.

„Ich habe gehört, und dass will ich hier noch einmal als schlauester in der Runde erwähnen“ plapperte der Fuchs, „die Waldmenschenkinder feiern Weihnachten, dieses Jahr sogar wirklich in echt und ganz wahrheitlich, so wirklich eben, das Weihnachtsfest im Wald.“ „Der Keiler grunzte, richtige Waldweihnacht, mit Kerzen, Punsch und Stollen, den würde ich fei auch gerne wegschlabbern, schmatz, schmatz, grimpf“.

„Aber was ich eigentlich sagen will, als auch der gebildetste hier unter euch: Was schenken wir ihnen?“

„Schenken summten die Wespen? Wieso schenken? WAS ist das überhaupt?“

„Ich habe mal gehört, dass sich dich Menschen Liebe zu Weihnachten schenken, quasi der eine liebt den anderen und alle lieben alle“, gab der schlaue Fuchs zum Besten.

„Das ist wie sein letztes Hemd für jemanden hergeben, wenn man jemanden liebt“ mischte sich endlich auch der Hirsch ein.

„Wir haben doch aber gar keine Hemden, die wir verschenken könnten“ zischte die Ringelnatter und häuten tue ich mich gerade nicht. Der Eichelheer hatte da eine Idee, aber er flüsterte sich den anderen Waldtieren so leise ins Ohr, so dass es kein einziges der Waldkinder hören konnte.

Eines Tages, dann am 21.Dezember einen Tag vor der Waldweihnacht der Kinder rief dann der Wald bei Iris an: „Der Wald hat den Kindern ein Geschenk gemacht, es steht am Mufflonplatz bereit. Bitte gebt jedem einzelnen Kind. Wir hatten keine letzten Hemden, aber etwas anderes, für uns sehr wichtiges. Wir danken allen Waldschraten für das schöne Jahr mit euch und freuen uns auf ein Wiedersehen nach den Weihnachtsferien. Bitte sagt den Kindern, dass sie es erst an Heilig Abend öffnen dürfen“. Iris versprach das zu tun, was der Wald ihr aufgetragen hatte.

1 2
Du siehst ein Kind, das sich eine nKorb über den Kopf gestülpt hat
Und täglich grüßt das Schuldmurmeltier – Warum Schuld sich gewohnt anfühlt und warum ich sie im Waldkindergarten abschaffe
Biberforschung im Waldkindergarten
Biberwanderung. Man sieht Kinder, die um einen von einem Biber gefällten Baum sitzen und staunen.
Unsere Biberwanderung
Kinderkonferenz
Eine Kinderkonferenz zum Thema Geburtstagsgeschenke im Waldkindergarten
Tischssprüche Holzwürfel Tischspruch
Abgehangene Tischsprüche versus – das können wir selber
Das war übergestern – Ein Beispiel wie Kinder sich die Zeitachse über Sprache erarbeiten
Rucksackpädagogik – Ein Waldkindergarten to go
Abgehangene Tischsprüche, gähnende Langeweile versus – das können wir selber
Kinderkonferenzen – Kinder als kompetente Problemlöser – mehr davon! Beispiel zum Thema Süßigkeiten
Es müssen nicht immer gebastelte oder gekaufte Geschenke sein – Wie Kinder im Waldkindergarten eine tolle Waldweihnacht haben könnenWaldweihnachtsgeschichte