Kinderfotografien in Social Media

Waldkindergärten haben es nicht leicht. Vor allem das Bild in der Öffentlichkeit ist von vielen Vorurteilen gespickt. Zum Teil basieren die Vorurteile auf der sozialen Realität zum Teil auch nicht.


Wie soll sich da je etwas ändern, wenn nicht durch Öffentlichkeitsarbeit? Hier spielt der Social Media Bereich eine zunehmend und nicht mehr weg zu denkende Rolle. Im Klartext: Die Öffentlichkeitsarbeit ist gerade für Waldkindergärten ein sehr wichtiger Teil ihrer Arbeit

Kinderfotografien aus dem Kindergarten in Social Media, ein heißes Eisen

Eines muss klar sein. Fotos im Netz sind unterwegs, für immer. Ein irreversibler Akt. Ich versuche es so zu erklären. Stell dir einmal vor du bist auf der Hochzeit deines derzeit vier Jahre alten Kindes eingeladen. Dein Ableger ist dann 30 Jahre alt und wie das so üblich ist, gibt es eine Powerpoint-Präsentation mit den Fotos aus der Vergangenheit. 

Stell dir einfach vor, diese Präsentation würde aus den Bildern der letzten 30 Jahre aus dem den Social Media Plattformen gespeist. Dort möchte niemand, aber auch wirklich niemand etwas Peinliches, Entwürdigendes, Lachhaftes, Unwahres oder Beschämendes sehen.

Es sollte also niemals ein Fotos von Kindern im Netz veröffentlicht werden, das imaginär auf einer solchen Hochzeit Scham oder auch Fremdschämen verursacht. Wenn also Kinder im Netzt dargestellt werden, dann muss dies stets nach Gütekriterien (sehe ich übrigens auch für private Posts so) geschehen.

Tipp zum Erstellen von Kinderfotografien: Am Ende des Beitrags findest du unser Gütekriterien für die Erstellung von Kinderfotografien im Waldkindergarten.


Die Sorge der Eltern vor Missbrauch der Fotos

Die Sorge ist ernst zu nehmen und deshalb benötigt man Vorsichtsmaßnahmen, die einen Missbrauch von Fotos weitestgehend verhindern.

Über die Steuerung der Bildinformationen, die Wahl der Motive und die Vorenthaltung Personen relevanter Daten, kann man sich davor schützen. Beim Erstellen der Bilder ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die Hintergrunddaten mit dem Urheber des Fotos mit Datum und Ort versehen sind. So ist ein Nachweis über die Urheberschaft jeder Zeit möglich.

Kindergartenfotos, die nach Gütekriterien erstellt wurden, eignen sich wenig bis gar nicht für die Planung von Entführungen, sexuellen Kontext oder Mobbing. Hier gibt es für Menschen, die dies im Sinn haben wesentlich ergiebigere Quellen.


Das schriftliche Einverständnis der Eltern

Ohne das schriftliche Einverständnis der Eltern sollte kein Foto je veröffentlicht werden. Und es muss von Anfang an klar sein, dass dies jeder Zeit zurückgenommen werden. Und zwar ohne Angabe von Gründen.

Jeder Waldkindergarten, sollte sich die Zeit nehmen die Eltern ausführlich zu informieren und ihnen auch den Raum lassen, Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit zu üben bzw. Verbesserungsvorschläge zu machen. Denn auch die Texte zu den Fotos stellen ein Risiko dar, wenn diese nicht sensibel und sorgfältig geschrieben werden.

Eine Vertrauensverhältnis kann nur dann entstehen, wenn die Öffentlichkeitsarbeit kontinuierlich und möglichst fehlerfrei läuft. Und wenn der Waldkindergarten zu Öffenlichkeitsarbeitszwecken Fotos erstellt, sollten die Kinderfotografien aus meiner Sicht dann auch den Eltern zur Verfügung gestellt werden. So haben die Kinder eine schöne Erinnerung an die Zeit im Waldkindergarten. Win-Win.

Tipp: Wenn ihr kein Qualitätsmanagement für Fotos habt, ihr aber dringend auf Öffentlichkeitsarbeit angewiesen seid, dann entwickelt doch in einer Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Eltern eins. So können die Sorgen und Ängste konstruktiv mit einfließen.


Die Teilhabe der Kinder an der Erstellung ihrer Fotos

Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder eine hohen Grad der Selbstwirksamkeit bei der Erstellung von Fotos haben sollten. Sie sind kein „Objekt“, dass abgebildet wird und dann „präsentiert“ wird. In unserem Waldkindergarten ist das Fotografieren oder Videografieren ein Teil der Medienpädagogik.

Die Kinder werden aktiv mit einbezogen und haben einen hohen Grad der Selbstbestimmung. Sie wissen, dass ihr Kindergarten auch in der Öffentlichkeit steht. Sie kennen den Blog, den Instagramaccount und die Facebookseite.

Die Waldkindergartenkinder nehmen Einfluss auf jede Art von Inhalten. Kinder posen nicht, sondern entscheiden, was sie zeigen wollen und was nicht. Wir geben den Rahmen vor und reflektieren mit ihnen ihre Vorhaben.

Im Gegensatz zu dem Urkonzept des Waldkindergartens, das ja eine Medienfeindlichkeit vorsieht, sehen wir die digitale Welt als irreversiblen Teil des Lebens, ob wir wollen oder nicht. Unser Weg ist es deshalb mit den Kindern gemeinsam einen achtsamen und reflektierten Umgang damit zu entwickeln. Sie lernen hier fürs Leben.

Tipp: Überarbeitet eure Medienpädagogik und bezieht Eltern und Kinder mit ein. Macht transparent wofür die Fotos sind und wo die Kinder sie finden. Kinder haben ein Recht darauf, zu erfahren wo sie zu sehen sind.


Was im Netz gar nicht geht

Ich wundere mich an vielen Stellen im Netz. Einerseits gibt es eine große Sorge in Sachen Darstellung von Kindern, andrerseits amüsieren sich im Internet und TV Millionen Zuschauer über Kinder, die vor laufender Kamera eine Zwiebel essen, mit dem Bobbycar vor die Mauer fahren, beim Trampolinspringen mit den Köpfen aneinander krachen oder eine Katze am Schwanz durchs Haus ziehen.

Eine für mich befremdliche Art von Humor. Gilt im Übrigen in meinen Augen auch für die Darstellung von Tieren. Kinderfotografien, die im Waldkindergarten erstellt werden, sollten mit Humor also besonders vorsichtig sein. Auslachen jedenfalls gehört nicht zu den Gefühlen, die ein Kinderfoto hervorrufen sollte. 


Social Media ist streitbar und gleichzeitig unabdingbar

Wer glaubt, dass ein Kindergarten heutzutage eine angemessene und zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit durch eine Elternzeitung, die örtliche Presse oder ein schwarzes Brett absolvieren kann, hat den Urknall nicht gehört. Die Digitalisierung der Welt geht auch nicht an Institutionen vorüber. Man kann sich lange und ausgiebig über Sinn und Unsinn streiten.

Fakt ist: Es gibt Social Media, es gibt das Internet und es wird genutzt und es ist bedeutsam. Es geht darum sich dieser Herausforderung und gleichzeitig Chance zu stellen. Kinder und Personal können sehr wohl befähigt werden mit diesem Sachstand vernünftig und vielleicht auch mit Freude umzugehen und die Öffentlichkeit an ihren Abenteuern teilhaben zu lassen.

Oftmals werden hier Angst und Sorge der Eltern und vermeintlicher Kinderschutz als Deckmantel für Intransparenz der eigenen Arbeit und Angst vor der digitalen Welt vorgeschoben. 


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

Dr. Iris Osswald-Rinner
info@waldpaedagogik.life

Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.