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von Dr. Iris Osswald-Rinner

Sicherheit für Waldkinder ist kein Spaß

„Früher sind wir ganz alleine im Wald gewesen nur, die Nachbarjungs und ich. Da ist nie etwas passiert, “ so oder so ähnliche Rückmeldungen bekomme ich, wenn das Thema Kinder im Wald angesprochen wird. Mag sein, dass Jupp nie etwas passiert ist und Susanne nie vom Baum gepurzelt ist. Auch ich habe meine Kindheit im Wald unbeschadet überstanden. Glück gehabt. Auf Glück möchte und darf ich es in meinem Waldkindergarten und auch bei meinen eigenen Kindern aber nicht ankommen lassen. Der Wald ist wie jeder andere vom Menschen benutzte Raum, eine Zone, in der es Regeln und Vorsichtsmaßnahmen geben muss. Aus meiner Sicht gibt es keinen Unterschied, ob du als private Person mit deinem Kind im Wald unterwegs bist oder mit deiner Gruppe im Waldkindergarten. Die Regeln und Maßnahmen für Waldkinder gelten für alle gleichermaßen.


Mit Waldkindern sprechen und Regeln vereinbaren

Damit der Wald für Kinder ein sicherer Erfahrungsraum wird und bleibt, ist es wichtig, dass alle Beteiligten den Wald nicht nur mit seinen Schönheiten, sondern auch mit seinen Risiken kennen. Sprich bitte mit deinem Kind oder den Waldkindergartenkindern. Sie sollten die Regeln in und auswendig kennen und du hast die Aufgabe sie konsequent, wirklich ausnahmslos, einzufordern. Im besten Fall bist du selber ein Vorbild und lebst die Regeln vor. 

Regel 1: Waldkinder dürfen nicht auf Hochstände klettern

In den meisten Wäldern Deutschlands wird gejagt. So findest du alle Nase lang einen Hochstand, in allen erdenklichen Ausführungen. Hochstände sind für Kinder ungefähr so verlockend, wie für dich eine Tüte Chips, ein Eisbecher oder dein Facebookaccount, der pling pling macht. Hoch attraktiv, dem ist kaum zu widerstehen und da musst du hin. Magische Hochstände nenne ich das. Und seien sie noch so baufällig. Waldkinder wollen da rauf. Egal ob im Waldkindergarten oder Waldkinder, die sich privat viel in der Natur aufhalten: Hochstände sind tabu. Auch für neugierige Erwachsene, die „nur mal nachschauen wollen, was man von da oben so siehst“. Der Hochstand eines Jägers ist ausschließlich für den Jäger zu nutzen. 

Regel 2: Waldkinder halten sich von Holzstößen fern

Holzstöße sind ebenso magisch. Die riechen so gut und sind doch eigentlich frei herumliegende Balancierstäbe. Gewissermaßen ein Wildnisspielplatz. Nein, sind sie nicht. Sie sind absolut gefährlich. Vom Abrutschen übers Einklemmen oder sogar unter Stämmen begraben zu werden, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, wenn man auf ihnen herumspaziert oder in unmittelbarer Nähe spielt. Ich sehe auf meinen Spaziergängen nicht nur Kinder auf Holzstößen spielen, sondern auch Jogger und Walker, die Dehnungsübungen machen, Hunde, die von ihren Haltern dort zum Balancieren heraufgeschickt werden und sogar eine schwangere Frau, die sich von einem Fotografen auf einem Holzstapel ablichten ließ. Mann oh Mann. Das ist gefährlich. Bitte nicht!

Regel 3: Waldkinder bleiben immer in Sicht- und Rufweite der Erzieher

Im Wald ist was los, denn er ist ja ein wirtschaftlich genutzter Raum. Wir begegnen regelmäßig Harvestern, Rückewagen, Bulldogs, Jägern und Förstern in ihren Fahrzeugen. Auch treffen wir auf solche, die im Wald eigentlich nichts zu suchen haben. Jugendliche auf Motorrädern, Autos, deren Fahrer ihre Hunde neben dem Fahrzeug spazieren führen, Quadfahrer, rasend schnelle Mountenbiker, und natürlich die Müllentsorger mit ihren Fahrzeugen. Der Wald ist befahrener, als man so denkt. Und Fahrzeuge haben immer eine hohe Anziehungskraft für Kinder. Haben sie erst einmal eins gesichtet, hören und sehen sie nichts anderes mehr und der Fahrer eines Rückwagens hört und siehst keine Kinder. In Ruf- und Sichtweite hast du eine Chance. Kinder sollten eindeutige Signale kennen, von denen sie wissen: „Jetzt muss ich alles stehen und liegen lassen und zurück“. Ich habe hierfür immer eine Glocke dabei. Privat sollte man die Kinder nur soweit laufen lassen, wie die Stimme und dein Blick und deine Zugriffschance durch schnelles Agieren reicht. In Sicht- und Rufweite zu bleiben, schützt im Übrigen auch vor allen anderen Gefahren, wie Verlaufen, die Gruppe verlieren oder die Begegnung mit Wildtieren und ist deshalb ein unbedingtes Muss. 

Regel 4: Waldkinder bleiben auf Wegen 

Wir sind Gäste im Wald. Und für Gäste sind aus gutem Grund Wege da. Die Wildtiere haben ein Recht auf Ungestörtheit und frisch gepflanzte Bäume ein Recht auf Schonung. Der Weg ist zunächst einmal der begrenzte Raum, der Waldgästen zur Verfügung steht. Wenn wir Expeditionen machen oder in die Schwammerln gehen, dann ist das Stromern durch den Wald an Bedingungen geknüpft. Die Gruppe muss dichter beieinander sein, der Aufsichtsberechtigte muss das Gebiet kennen und sicherstellen, dass dort derzeit weder gejagt noch Holzfäll- oder Rückearbeiten stattfinden. Mit den Kindern sollten die herkömmlichen Warnschilder des Waldes besprochen und die Aufenthaltsbereiche klar geregelt sein. 

Regel 5: Waldkinder melden Fundstücke und fassen selber nichts an

Der Wald als forstwirtschaftlicher Raum hat noch mehr zu bieten. Tollwutköder für Füchse, Anfütterplätze für Wild, Drähte an Bäumen zum Schutz vor Rindenfraß oder Bibern, Nachtbildkameras oder Band- und Farbmarkierungen an Bäumen. Hier gilt: Nichts von alledem wird angefasst. Nicht nur weil es gefährlich ist, sondern auch der sinnvollen Bewirtschaftung des Waldes dient und nicht als Spielmaterial zur Verfügung steht. Dennoch sind die Dinge für Kinder interessant. Ich habe deshalb mit meinen Waldschraten vereinbart, dass sie mir interessante Funde melden. Dann kann ich mit ihnen darüber sprechen und spannende Geschichten erzählen. Was Bedeutet ein grünes X am Baum und was ein weißes Band, warum bekommen Füchse Tollwutimpfungen und wieso werden Wildschweine mit Salzlecksteinen und Mais vor Jägerstände gelockt? 

Welche Gefahren gibt es für Kinder im Wald?

Dieser Beitrag ist Teil 4 aus der Reihe Sicherheit für Waldkinder. Die anderen Blogbeiträge zu Gefahren im Wald findest du hier: 

Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm für Waldkindergartenkinder?

♥ Sonne und Ozon 

♥Insektenstiche 

♥Zecken

Hat dir noch etwas gefehlt oder hast du Fragen. Schreibe mir einen Kommentar, ich antworte gerne. 

Dein Waldschrat Iris 

 

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Bruni
About Bruni
Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.

2 Kommentare

  • barbara lucke
    8:37 AM - 17 Oktober, 2017

    hallo, danke für die seite. ich habe ein dringendes problem: das klettern auf bäume.
    für mich als kind und begeisterte bäümekletterin war immer ganz klar: nie bei nässe klettern. dicke , gesunde äste benutzen. und nicht höher als doppelt so hoch wie man selbst.
    im waldkindi meines sohnes klettern sie auch bei regen und nassen ästen, 4-5 meter hoch auch die 4 jährigen schon und auf so kleinen trieben mit 1-2 cm durchmesser.
    gibt es fürs bäumeklettern empfehlungen, regeln?
    ich habe kein problem mit blauen flecken oder einem gebrochenen arm, aber bei einem sturz aus 4 metern höhe kann auch das genick oder das rückgrat dran sein. zumal dann vielleicht noch mehrere kinder gleichzeitig klettern und die erzieherinnen die augen nicht überall haben können.
    über eine antwort würde ich mich sehr freuen.
    batamsiki

    • Dr. Iris Osswald-Rinner
      4:50 PM - 25 Oktober, 2017

      Hallo Barbara,

      es gibt, jedenfalls bei uns in Bayern, klare Vorgaben. Umgesetzt werden diese Vorgaben vom Sicherheitsbeauftragten der Einrichtung, der hierfür eine gesonderte Fortbildung benötigt. Dies wäre also ein erster Schritt: Wer ist der Sicherheitsbeauftragte in eurem Waldkiga? Und wie werden die Vorgaben umgesetzt? Jetzt aber zu den wichtigen Vorgaben: Kletterbäume müssen ausgewiesen sein. Sprich: es dürfen nicht alle Bäume beklettert werden, sondern es gibt ausgewiesene Bäume. Diese sollten in der Natur der Sache geeignet sein. Sprich: festes Astwerk haben und daraufhin auch regelmäßig überprüft werden. Außerdem sind wir verplichtet einen Fallschutz unter den Baum einzubringen. Wir regeln das mit Hackschnitzeln bzw. Rindenmulch. Bei diesen Kletterbäumen muss zusätzlich dir Kletterhöhe markiert sein. Hierzu gibt es keine Vorgabe, aber der gesunde Menschenverstand hilft hier gut. Vier Meter sind in jedem Fall zu viel. Es geht ja auch ums Klettern, da ist die Höhe ja nicht wirklich wichtig. Unser Kletterbaum geht bis zwei Meter. Wenn hier ein Kind herunter fällt, mit Fallschutz, passiert nichts. Folgende Regeln fürs Klettern finde ich wichtig: Das Kind sollte alleine heraufkommen, ohne Hilfe vom Erzieher. Wenn einem Kind auf einen Baum geholfen wird, weil es alleine nicht hoch kommt, dann ist es gefährdet, denn die Motorik ist noch nicht soweit. Das Kind sollte fit sein. Also nicht nach drei Wochen Ferien, oder einer Woche Pause wegen Norovirus. Und natürlich nicht bei Regenwetter klettern, das ist ein Sicherheitsrisiko. Und: Ein Baum, ein Kind. Nicht wegen der Aufsicht, sondern wegen der Sicherheit. Ein Kind kann sich gut aufs Klettern konzentrieren und wenn es abrutscht trifft es niemand anderen. Oder tritt beim Klettern niemanden auf die Hände. Ich finde, dass es ein großer Unterschied ist, ob Eltern individuell über das „private“ Klettern ihrer Kinder entscheiden, denn das ist wirklich Privatsache, oder ein Waldkindergarten. Denn: Ein Waldkindergarten ist eine Institution, die eine Verantwortung die Sicherheit die Kinder betreffend übernommen hat. Hier gibt es aus gutem Grund Vorgaben. Die gefallen vielleicht nicht jedem, vor allem dann wenn man gute Erinnerungen an die eignen Kindheit hat. Aber diese Kindheit war ja auch privat und nicht im Waldkiga. Ich finde es manchmal selber sehr schade, wenn wir wandern. So tolle Bäume zum Klettern sind da. Aber: es geht nicht. Es sind keine ausgewiesenen Bäume. Es geht nur an unseren Stammplätzen. Ich finde es aber nur kurz schade, denn unsere Waldkinder haben auch so große Freude und ich habe Freude daran alle Kinder jeden Tag wenn möglich unverletzt ihren Eltern zurückzugeben. Wenn du unsicher bist ob es in deiner für euch zuständigen genehmigenden Behörde Vorschriften gibt, dann frage einfach beim Sicherheitsbeauftragten oder bei der Behörde selber nach. Der Waldkindergarten sollte dann diese Vorgaben umsetzen. Ich danke dir sehr für diese Frage, ich denke, das sie geeignet ist hierzu einen gesonderten Beitrag zu schreiben. Wenn dir noch eine Information gefehlt hat, melde dich bitte bei mir. Ich helfe gerne.
      Deine Dr. Iris Osswald-Rinner

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Der Wald als forstwirtschaftlicher Raum – Sicherheit für Waldkinder Teil 4