Fuchsbandwurm, Sicherheit für Waldkindergartenkinder, Sicherheit im Waldkindergarten Du siehst einen Fuchs

von Dr. Iris Osswald-Rinner

Lust auf Waldbeeren mit Fuchsbandwurm Topping?

Vor dem inneren Auge siehst du dein glückliches Kind mit einem Weidenkorb,weiß-rot-kariertes Deckchen innen liegend, durch den Wald spazieren. Kräuterkundig und mit den Genüssen des Waldes vertraut, trabt eine weise Pädagogin vorweg und die Horde fröhlicher Kinder sammelt fleißig unter sachkundiger Anleitung für das Mittagessen die Früchte des Waldes. Schwammerlgulasch mit Wildkräutern und Gänseblümchensalat steht auf dem Programm. Die Münder der Kinder sind blau verschmiert und die Augen voller Glück von der Süße der Waldbeeren, die sie  unterwegs verspeisen. Paradiesische Vorstellung für private Personen, ein No-Go im Waldkindergarten.  Die Waldkindergartenkinder sind uns anvertraut. Deshalb geht Unversehrtheit vor Genuss. Denn: in Endemiegebieten ist der Fuchsbandwurm ein ernst zu nehmendes Thema.  Du erfährst hier, warum die Regel „Nichts aus dem Wald essen (was nicht von einem Erwachsenen freigegeben wurde)“ für dein Waldkind so wichtig ist.


Wanted: Der Fuchsbandwurm

Wie der Name schon sagt, ist der Fuchsbandwurm im Kot, des bei uns heimischen Rotfuchses zu finden. Er ist 2-4 mm lang und hat im Schnitt 5 Glieder. Er macht seine Entwicklung vorzugsweise in Zwischenwirten, wie zum Beispiel Mäusen, um dann aber in seinen Endwirt, den Fuchs zu gelangen. Diese beiden können dann einträchtig miteinander leben.  Der Fuchsbandwurm trägt ca. 200 bis 1.500 Eier in einem Säckchen mit sich herum. In der Maus reifen die Eier bis auf Finnenstatus heran, die geplagte Maus wird wegen der zunehmenden Organzerstörung schwach und ist leichte Beute für den Fuchs. Im Fuchs wachsen die Fuchsbandwürmer weiter. Es werden dann einzelne Glieder über den Fuchskot ausgeschieden, hier infiziert sich die Maus, usw. Oder es infiziert sich der Mensch. Dieser kann sich über die orale Aufnahme der Eier mit diesem Wurm infizieren. Sprich: Die Fuchsbandwurmeier müssen gegessen werden. Gelangt der Fuchsbandwurm in den Mensch, läuft es für beide nicht gut, denn der Mensch ist ein Fehlwirt und stirbt zwar langsam aber unbehandelt ganz sicher an seinem beherbergten Parasiten.

Wo lebt der Fuchsbandwurm?

Er lebt, da wo Füchse leben. Und die leben ja nicht nur im Wald, sondern inzwischen auch in Städten. Dennoch gibt es Gebiete, in denen Füchse häufiger als in anderen Regionen mit dem Fuchsbandwurm infiziert (angesteckt) sind. Diese Gebiete nennen sich Endemiegebiete, sprich eine geografische Regionen, in denen Krankheiten gehäuft auftreten. Am höchsten sind die Raten für die mit dem Fuchsbandwurm infizierten Tiere in Süddeutschland. Übrigens auch die Raten der gemeldeten Krankheitsfälle beim Menschen.

Wie steckt man sich an?

Indem man die Eier zu sich nimmt und das vermutlich mehrfach. Eine einmalige Aufnahme wird, so der Stand der Forschung, nicht ausreichen. Da die Nachkommenschaft sich im Fuchskot aufhält und der bekanntermaßen seinen Kot wahllos hinterlässt, kommt theoretisch alles in Betracht. Es gibt hierzu viele Studien, die aber leider keine eindeutigen Ergebnisse zu Tage fördern. Der Nachweis, über die Aufnahme durch im Wald wachsende kontaminierte Lebensmittel, ist nicht erbracht und es gibt in den durchgeführten Studien keinen Zusammenhang, aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Von Mensch zu Mensch ist eine Ansteckung nicht möglich. Eine Ansteckung vom Endwirt, also dem Fuchs oder manchmal auch Hund oder Katze, zum Menschen ist möglich. Dies erfolgt in erster Linie immer über die Aufnahme des Kots. Mit anderen Worten: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man sich über den Verzehr von Waldfrüchten infiziert. Wahrscheinlicher ist eine Infektion über

  • den direkten Kontakt zum Wirt und
  • den häufigen Kontakt mit Fuchsbandwurmeiern. 

Wie oft kommt eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm vor und wie merke ich das?

Die Infektion ist relativ selten, tritt aber in letzter Zeit zunehmend häufiger auf. Dem Robert Koch Institut werden im Durchschnitt 20 Erkrankungen im Jahr gemeldet. Insgesamt sind Menschen, die in der Forstwirtschaft arbeiten gefährdeter als andere. Die Inkubationszeit ist sehr lange, nämlich 10-15 Jahre. Die Erkrankung nennt sich dann alveoläre Echinokokkose und wir meist durch Zufall bei einer Routineuntersuchung anhand schlechter Leberwerte entdeckt, da die Einnistung des Fuchsbandwurms am häufigsten in der Leber erfolgt. Die allermeisten Fälle treten zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Ungefähr 20% der Menschen, die Fuchsbandwurmeier aufgenommen haben, erkranken auch daran. Der Mensch scheint also auch über eine gehörige Portion Immunabwehr gegen den ungebetenen Gast zu verfügen. Bei immunstabilen Kindern sind bisher keine Infektionen bekannt geworden. Nichts desto trotz ist eine Infektion im Kindesalter unbedingt zu vermeiden.

Angst, Furcht oder vernünftiger Umgang mit der Gefahr des Fuchsbandwurms?

Wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich im Wald aufhalten, sind 20 Menschen im Jahr verhältnismäßig überschaubar, wenn nicht gar verschwindend gering. Zumal die erkrankten Personen zumeist direkten und regelmäßigen Kontakt zu Wirten haben. Die meisten davon sind Jäger. Sie kommen mit den Eiern in Berührung, wenn sie einem getöteten Fuchs das Fell abziehen. Und auch gemessen an der Zahl der Jäger (im Jahr 2015/2016 waren es 381.821) in Deutschland oder der Anzahl der Hunde (geschätzte 8 Millionen) sind 20 Erkrankungen im Jahr keine Bedrohung, vor der man Angst haben sollte. Da sich Waldkindergartenkinder aber drei Jahre ihres Lebens im Wald aufhalten, möchte ich dennoch zu einem vernünftigen Umgang mit dem Thema motivieren, denn hier erhöht sich einfach die Wahrscheinlichkeit des vermehrten Kontaktes mit Fuchsbandwurmeiern. Insbesondere in Endemiegebieten. 

Vorsichtsmaßnahmen im Waldkindergarten

Nichts vom Waldboden essen, was nicht durch einen Erwachsenen frei gegeben wurde, ist eine der wichtigsten Sicherheitsregeln im Waldkindergarten. Neben dem Fuchsbandwurm gibt es noch viele gute Gründe mehr. Zum Beispiel giftige Pflanzen oder Pilze. 

 

Nahrungsmittel aus dem Wald werden nur freigegeben, wenn sie weit außer Reichweite des Bodens wachsen
Nahrungsmittel aus dem Wald werden nur frei gegeben, wenn diese gründlich gewaschen wurden
Nur Erhitzen über 60 Grad, etwa beim Braten, Backen oder Einkochen (von Marmelade), vernichtet die Erreger. Bei der Zubereitung von Speisen aus dem Wald ist darauf zu achten.
In Endemiegebieten, wie Bayern, ist die Freigabe von Nahrungsmitteln aus dem Wald sparsam, sehr bedacht und nur wenn dies pädagogisch unabdingbar ist, zu erteilen.
Der Umgang mit Tierkadavern sollte grundsätzlich vermieden werden. Tote Mäuse z.B. sind Zwischenwirte! Hier ist es pädagogisch sinnvoller auf eine hoch feierliche Erdbestattung zu verzichten und an Stelle dessen den Kindern einen vernünftigen Umgang mit Tierkadavern (nicht anfassen) vorzuleben und zu erklären.
Arbeiten, wie bei uns im Waldkindergarten, Hunde mit, sind diese regelmäßig zu entwurmen.
Gerade im Waldkindergarten ist die Beachtung der Hygieneregeln besonders wichtig, wie zum Beispiel das Ermöglichen von gründlichem Händewaschen vor jeder Mahlzeit.

 

Welche Gefahren gibt es für Waldkindergartenkinder?

Dieser Beitrag ist Teil 5 aus der Reihe Sicherheit für Waldkinder. Die anderen Blogbeiträge zu Gefahren im Wald findest du hier: 

♥Der Wald als forstwirtschaftlicher Raum 

♥ Sonne und Ozon 

♥Insektenstiche 

♥Zecken

Hat dir noch etwas gefehlt oder hast du Fragen. Schreibe mir einen Kommentar, ich antworte gerne. 

Dein Waldschrat Iris 

 

Bildnachweis Fuchs: https://pixabay.com/de/fuchs-tierwelt-wildtier-2424369/

 

Bruni
About Bruni
Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.

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