Wie funktioniert Geschmacksbildung bei Kindern?

Wie kommen Menschen eigentlich zum ihrem „Geschmack“?

Sinnliche Erfahrungen werden in der Pädagogik als eine der bedeutsamen Grundlagen kindlichen Handelns verantwortlich gemacht. Kinder erfahren mit allen Sinnen die Welt.

Die Sinne sind die Antennen, mit der Welt erfahren, eingeordnet und interpretiert werden. Sie liefern dem Kind viele Eindrücke über seine Umwelt und über sich selbst im Zusammenhang mit ihr.

Um solche Erfahrungsprozesse zu ermöglichen, brauchen Kinder eine Umwelt, die ihnen die Rahmenbedingungen für vielfältige Möglichkeiten für den Einsatz und die Erprobung der Sinne anbietet. So eine Umwelt möchte der Waldkindergarten sein.


MIR LIEGT ETWAS AUF DER ZUNGE

Ein Sinn ist der Geschmackssinn oder auch das gustatorische System genannt. Auf der Zunge befinden sich Geschmacksknospen. Sie sprechen nur Stoffe an, die wasserlöslich sind. Es sind also nicht die festen Stoffe, die unser Geschmackssystem ansprechen, sondern chemische Lösungen.

Den Geschmack von festen Stoffen können wir erst dann wahrnehmen, wenn diese sich mithilfe des Speichels gelöst haben. Zum Schmecken ist eine Aktivität erforderlich. Legt man ein Bonbon lediglich auf die Zunge, schmeckt man zunächst gar nichts. Erst durch das Lutschen geschieht die Umwandlung vom festen Stoff in eine chemische Lösung. So werden die Geschmacksknospen angesprochen.


HABEN WIR EINEN EIGENEN GESCHMACK?

Geschmacksqualitäten sind süß, salzig, sauer, bitter und umami (fleischig, würzig, herzhaft). Der Geschmackssinn ist von der Lebensmittelindustrie (den Link zum dazugehörigen Blogbeitrag, findest du am Ende des Textes) systematisch manipuliert worden. Das ist keine Ideologie, sondern in dem Wissenschaftsdiskurs anerkannte empirische Realität.

Kinder kommen schon sehr früh mit künstlichen Aromen in Kontakt und werden über „Kinderkost“ systematisch geschmacklich konditioniert.


EIN WEG ZUR GESCHMACKSBILDUNG BEI KINDERN

Es ist wichtig Kindern die Freude am Schmecken und das Entdecken der Vielfalt zu ermöglichen. Kulinarische Offenheit und einen gesunden Bezug zum Essen. Geschmacksbildung (wie der Begriff ja schon andeutet: Geschmack- Bildung) wird verstanden als ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Den Satz „das mag ich nicht“ oder „das schmeckt mir nicht“ nehmen wir ernst, fassen es aber als den „aktuellen Stand der Dinge auf“ oder anders formuliert: das aktuelle „Geschmacks-Bild“. Geschmacksbildung erfolgt über das tägliche Essen und ist eine permanente Entwicklung nicht zuletzt auch über Gewohnheit.

Ein Kind benötigt ca. 30-mal die Möglichkeit ein Lebensmittel zu kosten, bevor man überhaupt von Geschmacksbildung sprechen kann.

Die Geschmacksbildung ist gewissermaßen ein „das Essenlernen vieler verschiedener Lebensmittel“. Die Verantwortung für die Rahmenbedingung des Essen Lernens haben die Erwachsenen in den jeweiligen Lebensbereichen und wird nicht an die Kinder delegiert.  

Ein „nein“ zum Brokkoli von heute kann zum „ja“ zum Brokkoli in 5 Jahren werden, wenn das Kind denn die Chance bekommt ihn immer wieder zu probieren.


GESCHMACKSOFFENHEIT GLEICH WELTOFFENHEIT?

Geschmacksbildung bedeutet mutig zu sein, Neues zu erfahren, offen zu sein für Unbekanntes und vielfältige Möglichkeiten zu haben, bedeutet eine Wahl zu haben. Wer schmeckt, der fühlt.

Wer Geschmack hat, kann genießen. Für Menschen mit Geschmack ist Nahrungsaufnahme wertvoll und bewusst. Wer offen für die Vielfalt von Speisen ist, hat im Leben weniger Gewichtsprobleme und ernährt sich gesund (nachgewiesen).  Und ist nicht zuletzt offen für das Neue in der Welt.


GESCHMACK IST MEHR ALS SCHMECKEN

Geschmack ist:

  • Identität
  • Sicherheit und Geborgenheit
  • Selbstkonzept
  • Körperbeziehung
  • Lust und Genuss
  • Ausdruck von Entwicklung
  • „Weltsicht“
  • Körper‐ und Gesundheitsvorstellungen
  • Einstellungen und Wertungen

 

Geschmacksbildung hat zum Ziel:

  • Freude am guten Essen!
  • Gesundheit und körperliche Sicherheit!
  • Sinnvolle und vielfältige Erfahrungen mit Gutem und Erwünschtem!
  • Weltwissen und Selbstständigkeit!


Hier findest du einen Blogbeitrag zur Typisierung von Geschmack seit den 90er Jahren und einen Beitrag zur Umsetzung der Geschmacksbildung bei Forest Kids


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

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Dr. Iris Osswald-Rinner
info@waldpaedagogik.life

Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.