Kindergartenrucksack – Ein Leitfaden

Wie findest du den richtigen Kindergartenrucksack?

Dein Kind geht nicht in irgendeinen Kindergarten, sondern in einen Waldkindergarten. Woher sollst du wissen, welche Herstellerangaben überhaupt wichtig für dich sind und welche Funktionen sind eigentlich wirklich von Bedeutung und welche nicht?

Solltest du auf bewährte Marken achten?

Kaufst du den Kindergartenrucksack im Internet oder lieber bei einem Fachhändler?

Viele Empfehlungen sind blanke Theorie. Hier erfährst du, worauf du beim Kauf achten solltest. Die passenden Bilder hierzu findest du am Ende des Textes. Im Test sind die Bildhinweise nummeriert. 


Der Kindergartenrucksack hat einen bestimmten Zweck

Dein Kind schleppt den Rucksack tagein tagaus auf seinem Rücken in und durch den Wald. Es ist kein Rucksack für eine Familienwanderung und auch keine Tasche für den Spielplatz.

Der Kindergartenrucksack zählt für dein Waldkind zur grundlegenden Ausstattung. Da ist keine Luft für Experimente, Markenhype oder Spontankäufe aus dem Bereich Disney, Feuerwehrmann Sam oder Lilliyfee. Hier geht es eher um knallharte Argumente: 

  • Welche Materialien eignen sich für den Waldkindergarten?
  • Welche Funktionen gehören zu den Must Haves?
  • Wie steht es um die Rückengesundheit in Sachen Rucksack schleppen?
  • Wie kinderfreundlich ist der Rucksack in seinem Handling?
  • Welche Schwachstellen können Kindergartenrucksäcke haben?

 


Aus welchem Material sollte der Kindergartenrucksack sein?

Nylon oder Polyester sind langlebig, haben eine Reiß- und Scheuerfestigkeit. Polyester ist leicht und wasserabweisend. Mehr gibt es aus meiner Sicht zu dem Thema nicht zu sagen, denn es versteht sich von selbst, dass im Waldkindergarten Naturfasern und schwere Stoffe ein No-Go sind.


Zwei Netzaußentaschen – für den Kindergartenrucksack ein Muss

Dein Kind möchte im Sommer schnellen Zugriff auf seine Trinkflaschen haben. Zwei Trinkflaschen im Sommer verteilen die Schlepplast auf beiden Seiten gleich und dein Kind braucht ja auch mehr Flüssigkeit als im Winter.

 Im Winter sollten dort auf die schnelle Handschuhe untergebracht werden können. Achte beim Kauf des Kindergartenrucksackes darauf, dass die Netze hoch genug sind, damit deinem Kind die Trinkflaschen nicht rausplumpsen. Manche Rucksäcke haben am unteren Teil des Netztes noch eine Verstärkung. Das ist positiv.

Die Netzte sind gleichzeitig eine Schwachstelle, die zum Ausleihern tendieren. Vergleiche die Rucksäcke und prüfe die Stabilität. Fächer an den  Außenseiten mit Reißverschlüssen eigenen sich aus zwei Gründen nicht: Erstens passen dort die wenigsten Trinkflaschen herein. Zweitens sind Reißverschlüsse immer eine Schwachstelle. Sie sind anfällig für Temperaturschwankungen und Dreck. Außerdem sind sie für Kinder schwer zu bedienen. Gerade dann, wenn ein Fach voll gestopft ist.


Eine Zugriffstasche mit integriertem Regenschutz – für den Kindergartenrucksack top

Auch wenn der Kindergartenrucksack wasserabweisend ist. Bei Dauerregen macht auch der schlapp. Die integrierte Regenhülle sollte ein Waldkind immer bei sich haben und möglichst ohne Gewurschtel direkt darauf zugreifen können.

Der allerbeste Platz für eine integrierte Regenhülle ist ein separates Reißverschlussfach auf dem Deckel. Auf keinen Fall sollte das Fach erst durch öffnen des ganzen Rucksackes zugänglich sein. Ebenso sind Bodenfächer eher unpraktisch. Auch du hast einen Vorteil, denn du musst nicht jeden Morgen überlegen, ob du deinem Kind einen Rucksackregenschutz mitgibst oder ihn sogar suchen.

Gerne gehen die losen Regenhüllen verloren oder werden von anderen Kindern versehentlich eingepackt. Wurde der Regenschutz benutzt, kannst du ihn bequem bis zum nächsten Tag trocknen lassen, indem du ihn einfach aus seiner Tasche herausnimmst und trocknen lässt.


Eine praktische Möglichkeit Jacken zu transportieren – für den Kindergartenrucksack top

Manchmal ziehen die Kinder ihre Zwiebelschichten aus, weil wir morgens kalt starten und es tagsüber wärmer wird. Auf Wanderungen kommen sie ins Schwitzen oder sie haben wegen angesagtem Regenwetter eine Regenjacke dabei. Wohin damit?

Manche Rucksäcke haben Vorrichtungen, die die Jacke einfach „aufhängen“ und die dann an der Seite baumeln. Geht gar nicht. Jacken schleifen über den Boden und sind eine einseitige Belastung für den Rücken der Kinder.

Dein Kind sollte in der Lage sein, die Jacke so zu packen, dass sie sicher und rückenschonend befestigt ist. Hier kommt es dann auf zwei Dinge an: Entweder hat der Rucksack oben zwei Verschlüsse, dann lässt sich die Jacke einrollen und oben auf den Rucksack packen.

Die andere Möglichkeit: Der Rucksack hat unter seinem Deckel eine Jackenhalterung, so kann man sie bei einem Einzelverschluß so befestigen, dass sie nicht herausfällt. Die Bedienung der Jackenhalterung will allerdings geübt sein und ist vor allem für kleinere Kinder gar nicht so leicht. Das mit den Verschlüssen ist so eine Sache. Dazu jetzt mehr.


Leicht bedienbare Rucksackverschlüsse – für dein Kind top

Leider habe ich noch keinen Rucksack entdeckt, der zwei Verschlüsse und gleichzeitig die richtigen Verschlüsse hat. Es gibt zwei Sorten Verschlüsse. Verschlüsse, die sich über ein Zusammendrücken mit zwei Fingern öffnen lassen, haben Nachteile.

Sie sind anfällig bei Temperaturschwankungen und bei Kontakt mit Matsch und Dreck (Bild 5). Beides kommt ja im Waldkindergarten häufig vor.

Die Kinder und auch ich haben gerade bei Kälte richtige Probleme diese zu öffnen. Die Handhabung ist eher schwer und hat schon so manche fiese kleine Quetschung und Flüche hervorgebracht. Die meisten Rucksäcke mit solchen Verschlüssen haben allerdings die „goldenen zwei“ am Deckel. Die andere Sorte Verschluss lässt sich super leicht bedienen (Bild 4). Sie benötigt nur ein wenig Druck mit einem Finger und schon ist der Rucksack auf.

Entgegen der Vorbehalte vieler Eltern hält der ewig. Leider haben die meisten Rucksäcke mit diesem Verschlusssystem nur einen am Deckel (Bild 3). Man muss sich also entscheiden. Entweder super Verschluss, dafür aber Fummelei beim Jacke packen, oder Klemmverschlüsse und die Jacke packen flutscht. Ich bin für erstere Variante.


Wie groß sollte der Kindergartenrucksack sein?

Bedenke: der Rucksack sollte auf den Rücken passen. So toll für den Waldkindergarten 10 Liter Inhalt auch sind, manche Waldkinder sind mit 3 Jahren noch sehr klein. Beiße dann lieber in den sauren Apfel und erst den kleineren und mit 4,5 Jahren den nächst größeren kaufen. Wichtig ist auch zu prüfen, ob denn alles, was dein Kind braucht, auch in den Rucksack passt.

Zubehör sollte also immer auch eine angemessene Größe und Gewicht haben. Eine Brotzeitdose für Baumfäller macht da wenig Sinn und auch die Thermoskanne für Bauarbeiter ist etwas schwerer als dein Kind tragen kann.

Da die meisten Eltern Angst haben, dass ihr Kind verhungert oder alternativ verdurstet (die Ängste habe ich auch und die meisten Kinder sind schon ausgezogen und mein Nesthäkchen erfreut sich bester Gesundheit), möchte ich dir eines versichern: Das ist meines Wissens bisher noch in keinem Waldkindergarten passiert.

Es wäre super, wenn du es schaffst, dass die Ausstattung in einen 10 Liter Rucksack passt. Wenn du die genauen Angaben über Größe und Gewicht erfahren möchtest, findest du die Informationen auf dieser Seite Kinderrucksack ABC.


Anforderungen vom Rucksack an den gesunden Rücken deines Kindes – Ein Muss

Er benötigt unbedingt einen höhenverstellbaren Brustgurt zur Stabilisierung. Ein Bauchriemen ist vor allem für die ganz kleinen Waldschrate wichtig, das gibt Halt und Festigkeit.

Gepolsterte, gut verstellbare Tragegurte sind ein Muss. Ist dein Kind zu klein für die kleinste Einstellung der Tragegurte, nimm Abstand vom Kauf und nehme lieber eine kleinere Ausführung mit weniger Volumen. Tragegurte müssen passen! Eine Rückenpolsterung,

die den Tragekomfort erhöht und die Passform am Rücken verbessert, ist ein Must Have. Denk daran: dein kleiner Waldschrat läuft eine geraume Zeit mit seinem Rucksack herum und da ist gemessen an seiner Größe eine Menge drin. Gib dir beim Kauf genauso viel Mühe, als würdest du eine Schultasche für dein Kind kaufen.


Das A und O der Rucksacköffnung

Hier ist ein Reißverschluss tabu. Dein Kind muss die Möglichkeit haben, seine Ausstattung bequem ein- und auspacken zu können. Es gibt Rucksäcke, die öffnen sich nur zur Hälfte. Die besten Rucksäcke haben ein Kordelsystem, das es deinem Kind eins, zwei, drei schwubbel die Katz ermöglicht, die ganze Einfüllbreite des Rucksacks zu beanspruchen.

Merke: Rucksacköffnung muss sich auf die komplette Breite des Rucksackes öffnen lassen. Sonst ist das Ein- oder Ausräumen für dein Kind eine Tortur. Es kann seine Sachen dann nur hereinquetschen. Gelingt in den wenigsten Fällen.


Finger weg von Extras wie Lupen, Wanderstockösen, Helmhaltern, Trillerpfeifen und Sitzkissen

Ich fange mit den Sitzkissen an. Die dem Rucksack als „Bonusmaterial“ beigefügten Sitzkissen sind für den Gebrauch im Waldkindergarten selten geeignet. Das solltest du ohnehin separat einkaufen. Alles andere ist zusätzliches Gewicht für dein Kind.

Ein Wanderstock ist zum Wandern da und nicht als Last für den Kindergartenrucksack gedacht. Einen Helm haben wir im Waldkindergarten noch nie gebraucht und wenn ich je eine Höhlenexpedition mit den Kindern vorhaben sollte, dann leihe ich die Helme beim kompetenten Höhlenführer.

Lupen haben die meisten Waldkindergärten vor Ort. Es hat sich übrigens schon das ein oder andere Drama abgespielt, wenn die super Speziallupe eines Waldkindes verloren ging. Da hat niemand was davon.


Von Namensschildern und dem immer gleichen grünen und roten Kindergartenrucksack

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass ich nicht nur dein Kind im Waldkindergarten habe, sondern mal locker 20 bis 25 Waldschrate hüte. Na ja und die kommen mit den immer gleichen, guten Rucksäcken daher.

Die Kinder und ich sehen da manchmal den Wald vor lauter Rucksäcken nicht mehr. Das Namensschild innen hilft da auch nicht weiter.

Also mein Tipp: Individualisiere den Rucksack deines Kindes. Nähe einen tollen sichtbaren Knopf dran, einen kleinen Marienkäfer oder eine Schildkröte. Worauf du und dein Waldschrat auch immer Lust habt. Bitte kein Dinosaurierstofftier, sondern bitte klein und fein. Denk dran. Gewicht sparen!


Wo kannst du den richtigen Kindergartenrucksack kaufen?

Ich bin normalerweise ein Fan von Internetshopping. Finde ich bequem, ich kann tolle Vergleiche ziehen usw.

In diesem Fall empfehle ich dir den Fachhandel. Nimm dein Kind mit. Dort kannst du deinem Kind verschiedene Rucksäcke anprobieren.

Dir ist es vor Ort möglich die Rucksäcke zu vergleichen, die Materialien und Schwachstellen zu prüfen. Was die Marke anbelangt, so gibt es sehr viele gute Anbieter.

Du kannst auf der Seite Kinderrucksack ABC einen Vergleich nachlesen. Mein Favorit stammt klar von Vaude. Der kommt bis auf seine „Einschnalligkeit“ in allen Punkten gut weg. Es gibt aber sicher noch viele andere, die den Kriterien entsprechen. 

Nicht nur der richtige Kindergartenrucksack ist wichtig, sondern auch das richtige Packen

Der richtige Rucksack alleine hilft deinem Kind nur ein Stück weit. Dein Kind sollte auch in der Lage sein, den Rucksack auf- und abzusetzen, sowie  ihn ein- und auszupacken. Mit anfänglicher Hilfe sollte es nach und nach die richtigen Einstellungen finden.

Bitte übe mit deinem Kind. Ich verstehe, dass es morgens schnell gehen soll und du fürsorglich mit deinem Kind umgehen willst. Ich beobachte Eltern, die ihrem Kind noch mit 6 Jahren den Rucksack aufsetzen und zuschnallen.

Bitte investiere deine Zeit in die Schritt für Schritt Anleitung in die Selbständigkeit. Hierzu kannst du als Unterstützung meinen Beitrag Selbständigkeitserziehung im Kindergartenalter lesen. 

1. Rucksack ganz aufmachen können 2. Netztasche 3. Jackenbefestigung unterm Rucksackdeckel 4. optimaler Verschluss 5. Temperatur- und dreckanfälliger Verschluss 6. Bauch- und Brustgurt


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

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Dr. Iris Osswald-Rinner
info@waldpaedagogik.life

Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.