Wertschätzende Kommunikation – ein Leitfaden für Personal

Wertschätzende Kommunikation mit Kindern ist die Basis für die Arbeit im Kindergarten

Kommunikation im Kindergarten ist ein heißes Eisen. Kann eine Leitung überhaupt Vorschriften machen, wie mit Kindern zu sprechen ist und wie das Personal miteinander zu sprechen hat?

Darf es ein pädagogisches Qualitätsmanagement geben, das Mitarbeiter verpflichtet in einer bestimmten Art mit Kindern zu reden?

Und wie erreicht Personal, das wenig Vorerfahrungen mit einer guten Kommunikation im Kindergarten hat, das erwünschte Niveau? 

Kinder, die in einen Kindergarten gehen, haben das Recht wertschätzend behandelt zu werden. Und Eltern haben zurecht den Anspruch ihre Kinder vertrauensvoll Tag für Tag in unsere Obhut zu geben.

Wertschätzende Kommunikation mit Kindern ist zudem ein dehnbarer Begriff und immer dann Auslegungssache, wenn kein pädagogisches Qualitätsmanagement vorliegt. Das gilt auch für Waldkindergärten, in denen besondere Rahmenbedingungen vorliegen. 


Pädagogisches Qualitätsmanagement im Kindergarten – Haben Waldkindergärten das nötig?

Ja. Der Waldkindergarten hat die gleichen Aufgaben wie Hauskindergärten auch, die gleichen Probleme zwischen Menschen, mit denselben Konflikten und einen klaren Bildungs- und Erziehungsauftrag.

Zudem schafft das Leben mit Kindern im Wald besondere Situationen, über die man sich möglichst geeinigt haben sollte. Wenn der eine schreit, weil er aus der Ferne sieht, dass gleich ein Stock in Richtung Gesicht fliegt, der andere mit der Glocke bimmelt und der dritte gelassen durchatmet, dann ist das für Kinder kein verlässliches Konzept.

Auch die Hilfen bei Konflikten zwischen Kindern oder in der Selbstständigkeitserziehung sollten abgesprochen sein. Wann ist Gefahr im Verzug und erfordert einen „Übergriff“ und wie wird dieser kommuniziert?

Über welchen Kommunikationsweg erfahren Kinder überlebenswichtige Regeln, wie „nichts vom Waldboden essen“, so dass sie nachhaltig sind? Ein Kind, das nicht wertschätzend behandelt wird und dir vertraut, wird nichts von den Dingen im Wald tun, die es unbedingt braucht, um dort sicher zu sein.

 

Pädagogisches Qualitätsmanagement ist Teamarbeit, übersichtlich und klar

Übersichtliche und klare Vorgaben

Du kannst über wertschätzende Kommunikation mit Kindern viel nachlesen. Alte Hasen sind sicher auch sehr geübt und erfahren auf diesem Gebiet. Und selbst ich alter Hase lerne noch jeden Tag dazu. Und die Erfahrenen tendieren dazu, da meine ich wirklich auch mich, ihre Mitarbeiter zu überfordern, weil ja alles so einfach ist.

Nö. Wertschätzende Kommunikation ist schwer und will geübt sein. Besonders kniffelig: Sie ist zuerst eine Haltung und dann eine Methode und Haltung kann man Menschen schlecht lehren. Das pädagogische Qualitätsmanagement im Waldkindergarten sollte also einfach, übersichtlich und klar sein. Auch wenn es dich unter den Nägeln juckt und es noch viel mehr schöne Sachen gäbe.

Dein Personal muss es ja auch umsetzen können. Und wenn du ein alter Hase bist, kannst du ja dein ganzes Repertoire Tag für Tag zeigen. Vorbild sein, ist eine gute Sache. 


Teamarbeit versus Vorlage

Eine inhaltliche und methodische Vorgabe für die Kommunikation im Kindergarten ist selten wirksam, wenn sie von oben nach unten geschieht. Im besten Fall wird es im Team entwickelt, reflektiert, korrigiert und weiterentwickelt. Wertschätzende Kommunikation kann nicht starr sein.

Das ist ein Widerspruch in sich. Verbindlichkeit entsteht nicht nur durch die gemeinsame Erarbeitung, sondern auch durch Unterschrift. Alle Mitarbeiter, mich eingeschlossen, unterzeichnen gemeinsam entwickelte Vereinbarungen.

Für die Einhaltung einer solchen Vereinbarung sind alle Teammitglieder eigenverantwortlich, für Korrekturen und Sanktionen die Leitung zuständig. Da Verfügungsstunden, in denen eine solche Arbeit gemacht werden kann, knapp bis gar nicht vorhanden sind, muss man vielleicht in den sauren Apfel beißen und eine Vorlage nehmen, die ungefähr passt und diese mit dem eigenen Team umarbeiten.

Eine solche Vorlage kannst du hier nachlesen. Wenn du Freude an Beispielen hast, weil dir alles so theoretisch erscheint, stille deinen Durst nach Praxisbeispielen in meinem Blogbeitrag: Beispiele für erfolgreiche Kommunikation mit Kindern. 


Wertschätzende Kommunikation im Waldkindergarten Grünthal – Eine Vorlage

Wertschätzende Kommunikation fängt bei der inneren Haltung an

Jedes Kind, das zu uns in den Kindergarten kommt, hat bestimmte Fähigkeiten und Möglichkeiten. Es ist wie es ist und nicht wie irgendwer es sich vielleicht wünscht. Jedes Kind wird von uns in seiner Persönlichkeit akzeptiert und respektiert.

Es ist uns bewusst, dass jedes Kind immer nach seinen Möglichkeiten agiert und versucht seine Bedürfnisse zu regulieren. Es ist unsere Aufgabe dem zu entsprechen. Kinder erhalten durch uns die Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu vertiefen und zu erweitern. 

Wir treffen den Unterschied wertfreier Annahme von Verhalten und Akzeptanz von Verhalten. Verstößt ein Kind mit seinem Verhalten zum Beispiel gegen eine Regel, wird dieses Verhalten wertfrei angenommen, aber nicht akzeptiert. 

Freundlichkeit, Gelassenheit, Klarheit und Verlässlichkeit in der Kommunikation mit Kindern ist unsere Grundhaltung. 

Es ist unsere Aufgabe einem Kind, das seine Bedürfnisse nicht befriedigen kann und deshalb sozial nicht gewünschte oder destruktive Verhaltensweisen zeigt, zu helfen eine eigenständige Lösungen zu entwickeln. 

Wir pflegen den Waldkindern gegenüber eine offene und neutrale Haltung und beobachten genau. Dies geschieht ohne Wertung und Vorurteile. 

Wie praktizieren wir wertschätzende Kommunikation?

Unsere Grundannahme ist es, dass Kinder über einen großen Schatz an Möglichkeiten verfügen und sie kompetent sind, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Wir konzentrieren uns in der Kommunikation mit Kindern auf Hilfestellungen, die zu einer eigenen Lösung führen. 

Wir nehmen Blickkontakt mit den Kindern auf. Wenn es möglich ist, gehen wir auf körperliche Augenhöhe mit dem Kind. 

Wir verwenden Ich-Botschaften und wenn möglich keine Du-Botschaften.

Wer trennen Person und Verhalten – Freundlich und wertschätzend zur Person, klar und konsequent gegenüber Verhalten. 

Kinder erhalten von uns eine ehrliche Rückmeldung auf ihr Verhalten und dessen Wirkung auf andere. Auch geben wir anderen Kindern hierzu die Möglichkeit.

Bei jeder Form der Kommunikation ist das Ziel die Selbstwirksamkeit und Selbstständigkeit des Kindes zu fördern. 

Wir erwarten nichts von den Kindern, was wir nicht selber können. Zum Beispiel: Auch wir sagen Danke und Bitte.

Wenn wir einen Fehler gemacht haben, entschuldigen wir uns. 

Jeder Tag ist ein neuer Tag. Gelingt ein Tag nicht besonders gut, so ist der nächste Tag eine völlig neue Chance. 


Mittel der Kommunikation mit Kindern

Bei Gefahr im Verzug sind Schreien und körperlicher Zugriff erlaubt, wenn damit Schlimmeres verhindert werden kann. Im Anschluss daran, sollte ein klärendes Gespräch mit dem Kind stattfinden. Auch die Eltern müssen bei der Übergabe über solche Vorfälle informiert werden. 

Wir verpflichten uns auf Hilfsmittel, die es der Gruppe leicht machen, aufmerksam zu werden z.B: Glocke auf Wanderungen. 

Wir sprechen Kinder persönlich an und nicht die ganze Gruppe, wenn nur ein Kind unaufmerksam ist.

Wenn ein Kind eine Anforderung nicht stemmen kann, weil sie eine Überforderung darstellt, passen wir die Rahmenbedingungen bzw. die Situation an. Dabei darf dem Kind nicht ein Versagen vermittelt werden. Das Kind erhält die Botschaft, dass es um eine Hilfestellung geht. 

Sanktionen sollten den Kindern, die Möglichkeit einräumen, ihr Verhalten zu reflektieren.

Jedes Kind erhält von uns Trost und Fürsorglichkeit. Auch hier werden Kinder aus der Gruppe mit einbezogen, denn es ist stets Aufgabe der Gruppe für das Wohl ihrer Mitglieder zu sorgen. 

Wir geben aktive Hilfestellungen im Umgang mit Affekten. Dies bedeutet zunächst die Affekte zu akzeptieren, dann eine Situation herzustellen, die eine Kommunikation hierüber möglich macht. 

Wir achten auf unsere Körpersprache und Wortwahl und darauf, dass wir in einem guten Kontakt mit den Kindern stehen. Auch Humor und Wortspiele sind erlaubt. 

Wir sprechen deutlich und klar. 

Wir achten bei der Vermittlung von Regeln auf kindgerechte Formulierungen, die einprägsam sind. Regeln werden nicht über Sanktionen und Verbote vermittelt, sondern in Kinderkonferenzen erarbeitet. 

Das „Petzen“ von Kindern wird nicht bewertet. Wir verpflichten uns die Situation wahrzunehmen, zu interpretieren und angemessen zu reagieren. Die Vielfalt des „Petzens“ und die dahinter stehenden verschiedenen Situationen verlangen uns ab, situativ zu entscheiden, was eine angemessene Reaktion ist.

 

Regeln für das Personal im Umgang miteinander vor Kindern

Wir verpflichten uns in Anwesenheit der Kinder nicht über andere Kinder oder Eltern zu sprechen.

Wir verpflichten uns das Handy nur in den davor vorgesehenen Pausen zu benutzen. Geht ein Anruf bei der Leitung ein, so geht diese zum Telefonieren außer Hörweite der Kinder. 

Gegenseitige Korrekturen oder Kritik sind in Anwesenheit von Kindern nicht gestattet. Ausnahme: Korrekturen bei Gefahr im Verzug sind erforderlich. 

Diese Regeln gelten auch für Besucher.

 

Was ist nicht erlaubt?

Alle Arten von Wertungen und Zuschreibungen. Beispiele: „Sei brav, du bist brav, du bist ein Zappelphilipp, nie schaffst du das“

 

Wie kann es Personal schaffen, diesen Ansprüchen gerecht zu werden?

Üben. Noch mehr üben. Dauernd üben. Am besten es gibt schon jemanden in deinem Waldkindergarten, der es vormacht und dir hilft. Daran kannst du erkennen, ob derjenige selber wertschätzend kommunizieren kann, wenn er es schafft dich wohlwollend zu korrigieren. Freundlich zu dir, klar in der Sache.

Übe zu Hause, übe beim Einkaufen, übe in deiner Familie. Fehler sind erlaubt, wenn du aus ihnen lernst. Wenn du an deiner inneren Haltung arbeiten möchtest oder dich mit dem Thema beschäftigen willst, gibt es eine Menge guter Literatur und auch Fortbildungen, die dich hierin unterstützten. Einige Hinweise findest du zum Beispiel bei Barbara Leitner. Wer sich in die Grundlagen einarbeiten möchte, dem kann ich folgendes Buch empfehlen:


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

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Dr. Iris Osswald-Rinner
info@waldpaedagogik.life

Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.