Wie kann man Kinder im Kindergarten vor Missbrauch schützen?

Ich behaupte: Man kann den Missbrauch von Kindern in Kindergärten verhindern und man kann Personal vor falschen Anschuldigungen schützen.

Dafür müsste aus meiner Sicht jeder, wirklich jeder Träger die Verantwortung übernehmen und dieses Thema nicht erst aufgreifen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Das pädagogische Konzept der „Forest Kids“, denkt auch unangenehme Themen mit und ist deshalb pro aktiv. Die Waldpädagogik.life verfügt über ein Qualitätsmanagement, indem Missbrauch oder falsche Anschuldigungen gar nicht vorkommen können.

Dies wurde gemeinsam mit den Kindern und den Eltern, im Rahmen einer Arbeitsgruppe, entwickelt. Hier könnt ihr nachlesen, was wir da machen.

Kinderschutz ist auch immer Personalschutz 

Pädagogisches Personal hat mindestens genauso viel Angst falschen Anschuldigungen ausgesetzt zu sein, wie die Eltern Ängste haben, dass ihre Kinder Übergriffen ausgesetzt sein könnten. Das ist absolut ernst zu nehmen. Vor allem dann, wenn männliche Mitarbeiter in der Einrichtung arbeiten. 

Das ist an und für sich zwar irrational, denn weibliche Mitarbeiterinnen können Kindern auf vielfache Weise wirklich zusetzen, aber real ist, was Eltern fühlen. Deshalb sind die Ängste auf beiden Seiten ernst zu nehmen und dafür entsprechende Vorkehrungen zu treffen. 

Das Vier-Augen-Prinzip

Es gilt das Vier-Augen-Prinzip. Damit ist gemeint, dass jeder Erzieher in Hör- bzw. Sichtweite eines anderen Betreuers sein muss. Es ist nicht gestattet, dass sich ein Betreuer mit Kindern, ohne Hinzunahme einer zweiten Person, entfernt. Es ist für niemanden gestattet mit einem oder mehreren Kindern alleine zu sein.

Im Klartext bedeutet das: Bei uns darf kein Pädagoge, egal ob männlich oder weiblich, mit einem Kind alleine unterwegs sein. Dieser Schutz ist aus meiner Sicht unabdingbar. So kann es keine Übergriffe geben und auch keine falschen Behauptungen, denn der Pädagoge hat stets Zeugen für sein pädagogisches Handeln.

Wer Personal spart und 25 Kinder mit einem Betreuer in einem Raum alleine lässt, gefährdet Kinder und Personal. Außerdem ist die Anwesenheit einer zweiten Person in der Arbeit mit Kindern noch aus vielen anderen Gründen unabdingbar. 

Eine Kultur der Grenzachtung, die sich die Eltern wünschen

Mit den Eltern wurde gemeinsam eine Kultur der Grenzachtung entwickelt.

  1. Kinder dürfen jederzeit „Nein“ sagen.
  2. Erzieher dürfen „Nein“ sagen.
  3. Wickeln findet stets zu zweit bzw. im Blickfeld einer weiteren Person statt.
  4. Es besteht Konsens, dass alle Kinder von Pädagogen und Pädagoginnen gleichermaßen angemessene Nähe bekommen (trösten, auf den Schoß nehmen, auf den Arm nehmen, auf die Schultern nehmen, wickeln und Hilfe beim Toilettengang).
  5. Es finden Austausch und Kommunikation mit den Eltern über die Gewohnheiten der Kinder zu Hause statt.
  6. Den Eltern wurden die gesetzlichen Regelungen zum Einschreiten bei Gefahren (damit ist gemeint, dass es zuweilen erforderlich sein kann, ein Kind aus einer Gefahr zu befreien und hierbei ein Kind oder Material zu Schaden kommen kann) vorgestellt.
  7. Eltern und Team haben entschieden, dass das Busseln bzw. Küssen von Kindern nicht angemessen ist und somit unterlassen wird.

Eine Kultur der Grenzachtung, die sich das Team und der Träger wünscht

Auch pädagogisches Personal muss ganz klar Regeln aufstellen. Hier sollten die Befindlichkeiten und Probleme in Teamsitzungen offen ausgesprochen werden. Man kann Mitarbeiter mit ihren Ängsten und Unsicherheiten im Umgang mit Grenzen nicht im Stich lassen. Wir haben deshalb im Team folgende Leitsätze für unser pädagogisches Handeln aufgestellt: 

  1. Das Team verpflichtet sich zu einem achtsamen Umgang mit Nähe und Distanz zwischen Kindern und Kindern sowie Team und Kindern.
  2. Der Pädagoge darf unangemessene Nähe, die von Kindern angeboten wird, ablehnen und sinnvoll umleiten. Eigene Grenzen sollen in jedem Fall gewahrt werden.
  3. Das Team verpflichtet sich, Grenzverletzungen zeitnah und unter vier Augen anzusprechen. In den wöchentlichen Teamsitzungen gibt es außerdem die Möglichkeit, Auffälligkeiten ohne hierarchische Barrieren zu besprechen. Im Klartext: Findet ein Kollege das Verhalten eines anderen Kollegen unangemessen, so erfährt dieser davon und hat die Pflicht dieses zu korrigieren.
  4. Wenn ein Teammitglied mit einer Situation überfordert ist, soll er / sie dies melden, dann übernimmt ein anderer für ihn / sie. Ein Pädagoge hat das recht Überforderungen auszusprechen und diese zu unterbrechen, damit er eine Chance hat sein pädagogisch angemessenes Verhalten zu steuern. 

Wo Menschen sind passieren Fehler, manche Fehler dürfen aber nicht passieren

Ich sehe den Schutz der Kinder und den Schutz von Personal viel weitläufiger, als er in der Angstdebatte um Missbrauch wahrgenommen wird.  Pädagogen sind Menschen und Kinder auch. Dort kann viel mehr passieren, was beiden schadet, als sexuelle Übergriffe.

Unangemessene Kommunikation, Schreien, Schimpfen, ein Kind nicht trösten, ein Kind am Rucksack hochziehen, damit es weiter geht, über den Kopf streicheln von oben herab, rumbusseln, einem Kind deutlich eine Abneigung zeigen, die man nicht im Griff hat, die Abneigung gegen die Eltern auf das Kind übertragen usw.

Kinder können daheim ein bisschen rumprobieren, damit sie Aufmerksamkeit bekommen. Doktorspiele, können fehlinterpretiert oder dramatisiert werden. Kurz um: kindliche Wahrnehmung, Kommunikation und soziale Realität klaffen häufiger, als man so glauben möchte, weit auseinander.

Auch zwischen den Kindern können Übergriffe vorkommen, die  sehr unangenehm sind. Hier sehe ich mich als Träger und pädagogische Leitung in der Verantwortung, diese Themen mit den Eltern und dem Team klar zu regeln, denn diese Fehler im Handeln dürfen, obwohl wir Menschen sind, nicht vorkommen.

Genauso gut muss Personal geschützt werden und sichere sowie klare Rahmenbedingungen haben, damit sie handlungsfähig sind. Das alles ist mit dem erweiterten polizeilichem Führungszeugnis, das Mitarbeiter vorlegen müssen, nicht abgehandelt.


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

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Dr. Iris Osswald-Rinner
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Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.