Zeckenschutz für Kinder im Waldkindergarten

Zeckenschutz für Kinder ist kein Tummelplatz für Ängste und heiße Impfdebatten

Ich selber leide an „Zeckophobie“. Ein selbst erfundenes Wort, das es auf den Punkt bringt. Diese „Zeckophobie“ hat mir im Laufe der Jahre im Wald allerdings sehr viele Vorteile eingeheimst. Ich habe sozusagen Feldforschung in meinem eigenen Waldkindergarten betrieben und bin inzwischen entspannt, was das Thema Zeckenprophylaxe angeht.

Warum? Ich fühle mich den kleinen Blutsaugern nicht mehr ausgeliefert und habe mir ein ausgeklügeltes System erarbeitet. Ich lasse mich nicht mehr auf Impfdebatten ein, denn Impfen ist eine private Frage der Eltern, die mit einem Kinderarzt besprochen werden sollte.

Hier ist Vernunft gefragt und keine Ideologen- oder Angstdebatten. Auch in der Frage diverser Sprays enthalte ich mich der Stimme, denn ich bin kein Apotheker und konnte in den Jahren im Waldkindergarten keine Wirkung oder Nicht-Wirkung an mir und den Kindern feststellen.

Aus meiner Sicht fängt der Zeckenschutz für Kinder viel weiter vorne an. 


Zeckenprophylaxe fängt bei den Kenntnissen über den feindlichen Blutsauger an

Stell dir vor, du würdest mit deinem Kind in einer Region leben, in der es giftige Spinnen gibt. Was würdest du tun? Es gäbe eine Impfung gegen Gift A, eine Behandlungsmöglichkeit gegen Gift B mit schlimmen Nebenwirkungen und die Vermutung, dass die Spinne noch weitere unbekannte Gifte an Bord hat.

Naturvölker, die in solchen Regionen leben, verwenden viel Zeit darauf, ihre Erfahrungen und das Wissen über ihren Feind zu sammeln.

Wo treten sie häufig auf? Wann vermehren sie sich und wann nicht? Wo halten sie sich überhaupt auf?

Sie gehen mit offenen Augen durch die Welt und sind sensibilisiert. Nicht mit Angst, sondern mit Vorsicht und Furcht.

Eine gute Haltung, wie ich finde. Zeckenprophylaxe fängt genau da an. Ich kenne in meinem Wald inzwischen die Plätze, an denen die Zecken vorzugsweise hausen. Mir sind die Zeiten und Witterungsbedingungen, in denen sie gehäuft auftreten, bekannt.

Ich habe ein wachsames Auge auf den Feind und obwohl ich ohne Brille nicht gut sehe: Zecken sehe ich. Und ich kann sie inzwischen sogar auf meinem Körper, wenn sie umherwandern um sich ein blutiges Plätzchen zu suchen, fühlen und ihnen den Weg abschneiden.

Zeckenschutz für Kinder im Waldkindergarten beginnt also auch beim Personal. Sie sollten über solche Erfahrungswerte verfügen und sie anwenden. Wenn du möchtest, dass dein Kind auch beim Aufenthalt in der Natur privat geschützt ist: Mach dich schlau, sammel Erfahrungen und wende sie an. 


Zeckenprophylaxe ist, wenn ich schneller bin als die Blutsauger

Die meisten Eltern vertrauen mir und geben mir die schriftliche Erlaubnis eine Zecke, die ich bei einem Kind entdecke, zu ziehen.

Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto weniger kann sie von ihrer gefährlichen Ladung in den menschlichen Körper einbringen. In den meisten Fällen erwische ich sie beim Krabbeln über dein Kind. Manchmal erwische ich eine, die frisch gebissen hat.

Das ist alles in allem aber eher selten. Nach der Entfernung desinfiziere ich die Bißstelle und mache mit einem Kugelschreiber einen Kringel drum. So kann man die Stelle im Auge behalten. Ich trage es ins Gruppentagebuch ein und informiere bei Rückgabe des Kindes die Eltern.

Ich persönlich nehme keine Zeckenzange, weil ich mit meinen Fingern 100% Erfolg habe. Vor allem dann, wenn die Vampire noch sehr sehr klein sind. 

 

Zeckenschutz für Kinder – Wo keine Zecke hinkommt, kann keine Zecke beißen

Geht dein Kind in einen Waldkindergarten oder hält sich privat in Gebieten auf, in dem Zecken zu erwarten sind, dann kannst du selber sehr viel tun. Nämlich über Kleidung. Beginne damit, dass dein Kind einen Hut trägt. Das ist im Sommer ohnehin sinnvoll.

Langärmelige T-Shirts, lange Hosen, Socken über die Hose ziehen oder über dem knöchelhohen Schuhwerk mit einem Klettband den Hoseneingang verschließen.

Du denkst jetzt: „Ach du meine Güte und das im Sommer, mein Kind soll in kurzer Hose und T-Shirt die tolle Zeit genießen“. Kann es ja auch. Aber nicht im Waldkindergarten, auf Wanderungen durch den Wald, und vielleicht auch nicht in deinem Garten, so er Stellen hat, an denen Zecken ihre Party feiern.

Kinder nehmen es im Übrigen gar nicht schlimm langärmelig, mit Socken über der Hose und mit Hut herumzulaufen. Sie gewöhnen sich daran. Sie sehen es nur dann negativ, wenn Eltern das so empfinden, weil sie selber so nicht herumlaufen möchten.

Für den Sommer gibt es langärmelige T-Shirts und Hosen sowie Hüte, die vom Material her keine Wärmebelastung für dein Kind darstellen.

Knöchelhohe Wanderschuhe sind außerdem drauf eine gute Besohlung für Wald, Wanderung und Wiese. Über Sandalen freuen sich Zecken, denn die machen es einfach. Sie beißen nämlich besonders gerne zwischen zwei Zehen.

Mit Sandalen kann dein Kind in die Stadt, ins Schwimmbad, zu Oma und zur Freundin gehen. Zeckenschutz für Kinder im Waldkindergarten ist also auch Elternaufgabe und beginnt mit der richtigen Kleidung. 


Zeckenschutz für Kinder geht auch nach dem Aufenthalt im Wald weiter

Wenn dein Kind aus dem Wald kommt, gehört es zu deiner Aufgabe, die Waldkleidung auszuziehen und gut auszuschütteln. Schaue dein Kind genau an.

Vor allem die prominenten Stellen: Kopf, zwischen den Zehen, Nacken, Leistengegend und Haaransatz. Ich bevorzuge es vor allem im Sommer nach dem Waldkindergarten kurz zu duschen.

Da ist schon so mancher Feind automatisch in den Abfluss gerutscht. Eins zu null für mich. Außerdem macht die Dusche im Sommer richtig frisch und der Tag kann weitergehen.

Schaffst du es nicht direkt nach dem Waldkindergarten. Nicht schlimm. Dann eben abends. Du kannst dein Kind helfen lassen mit zu schauen oder die Kleidung auszuschütteln. Bitte übertrage deine Angst nicht auf dein Kind. Leite es nur zur Vorsicht an und gebe dein Wissen weiter. 


Meine Erfahrungen aus dem Waldkindergarten und wie du sie nutzen kannst

Zecken fallen auch von Bäumen

Meine Theorie. Sie werden von Vögeln dort hin transportiert. Bei uns im Waldkindergarten gibt es zwei Stellen, wo es in Hochphasen nur so rieselt. Ich mache die Kinder darauf aufmerksam und schaue genau hin, wenn sie an solchen Stellen gespielt haben. 


Zecken lieben feuchte hohe Gräser in Übergangszonen

Mit Übergangszonen meine ich Wald/Wiese, Feld/Böschung, See/Ufer usw. In Hochzeiten achte ich darauf, dass Kinder diese Zonen meiden oder suche sie danach gründlich ab.

Kinder sind klein. Eine hohe Wiese an einer Feldböschung verschluckt sie beinahe ganz. Die Wahrscheinlichkeit eine Zecke zu erwischen ist für ein Kind hoch.


Zeckenprophylaxe zu Hause

Viele von unseren Waldkindern fangen sich die Zecken nicht bei uns im Wald, sondern in ihrer Freizeit ein. Da ich alle mir bekannten Bisse dokumentiere, spreche ich hier von einem Verhältnis von 4 Freizeit zu 1 Waldkindergarten.

Es wäre also wichtig, wenn du den Zeckenschutz für Kinder auch in eurer Freizeit beachtest.


Bestimmte Kinder werden von Zecken bevorzugt

Es gibt Kinder, die immer wieder eine Zecke auf ihrem Körper haben und welche, die so gut wie nie betroffen sind. Das ist auch bei unserem Personal so unterschiedlich. Es kann nicht daran liegen, dass sich bestimmte Kinder an anderen Orten aufhalten, als andere.

Zumindest nicht bei mir im Waldkindergarten. Auf Kinder, die von Zecken bevorzugt werden,  habe ich ein besonderes Auge. Wenn dein Kind oft Zecken hat, dann sei achtsam. 


Zeckenschutz für Kinder ist forschen mit Kindern

Überwinde deine „Zeckophopie“ und erforsche mit deinem Kind die Zeckenwelt. Richte deinen Fokus nicht so sehr auf Krankheiten, die sie übertragen, denn das ist dir ja bereits bekannt.

Da Zecken ganz  bestimmt in eurem Garten leben, versuche doch mal mit deinem Kind mit einem weißen großen Tuch eine verdächtige Stelle zu untersuchen. Nimm das Tuch und schleife es über die Gräser. Zecken bleiben darin hängen. Untersuche sie vielleicht mit einer Becherlupe.

Hast du ein Haustier, das ab und zu Zecken hat, ist dies nicht nur ein guter Indikator, das Hochsaison ist, sondern auch eine tolle Gelegenheit die Blutsauger mal unter die Lupe zu nehmen. Mache dich auf den Weg ins Internet und erfahre etwas über die Zecken und ihre Lebensart.

Baue deine Ängste ab und lerne mit Zecken zu leben. Wenn Du zu den Themen Impfung und Sprays etwas erfahren möchtest kannst du dies bei Outdoor Professional nachlesen. Noch besser: Informiere dich bei deinem Kinderarzt


Die viel wahrscheinlicher Gefahr für Kinder: Insektenstiche im Wald

Auch wenn für dich subjektiv die Zecke die größte Bedrohung ist, so kann man wie du jetzt weiß viel tun, um der Zecke Herr zu werden.

Die viel wahrscheinlicher und auch höhere Gefahr für Kinder im Wald sind Insektenstiche. Hierzu habe ich dir den Blogbeitrag Insektenstiche im Wald – Ein Leitfaden für Eltern und Waldpädagogen geschrieben. 


Zusammenfassung der richtigen Zeckenprophylaxe für dich und dein Kind

♥ Habe keine Angst, sondern sein vorsichtig

♥ Informiere dich in Sachen Impfen beim Kinderarzt 

♥ Informiere dich in Sachen Sprays beim Kinderarzt und in der Apotheke (Nutzen/Risiko/Kosten Abwägung)

♥ Lerne Zecken und ihre Lebensart kennen

♥ Sei schnell

♥Kleide dein Kind richtig

♥Tägliche Kontrolle beim Kind und Wäsche ausschütteln

♥ Forsche mit deinem Kind


Welche Gefahren gibt es für Kinder im Wald?

Dieser Beitrag ist Teil 3 aus der Reihe Sicherheit für Waldkinder. Die anderen Blogbeiträge zu Gefahren im Wald findest du hier: 

Der Wald als forstwirtschaftlicher Raum

Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm für Waldkindergartenkinder?

♥Insektenstiche 

♥Sonne und Ozon


Dein Waldschrat 

Dr. Iris Osswald-Rinner

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Dr. Iris Osswald-Rinner
info@waldpaedagogik.life

Waldschrat, Wissenschaftlerin und freie Autorin. Ich mache, was mein Herz mir sagt und von meinem Verstand genehmigt aber auch von ihm unterstützt wird. Mein Herz schlägt für meinen Mann und meine Kinder. Ich bin eine Vollblutsoziologin, die niemals aufhört nach dem guten, glücklichen Leben zu forschen. Insbesondere für Kinder. Zu meinem persönlichen guten Leben gehören zwei Neufundländer, drunter geht nix.